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Ständerat will Umweltfragen bei Gaskraftwerken vertieft prüfen

Gaskraftwerke waren wegen des hohen CO2-Ausstosses lange verpönt. Wegen der Atomkrise werden sie nun wieder zur Option.

Von David Schaffner, Bern Das Parlament hat gestern zum ersten Mal seit der nuklearen Krise über Gaskombikraftwerke debattiert. Der Ständerat beschloss, dass er Fragen rund um die Umweltbelastung von Strom aus Gas vertieft prüfen will. Weltweit sprechen Experten derzeit von Gas, weil es weniger Risiken birgt als Atomstrom. Im Ständerat ging es konkret um das geplante Gaskraftwerk in Chavalon VS. Es ist umstritten, weil seine Umweltbilanz schlechter ausfällt als vom Gesetz gefordert und ihm der Bundesrat deshalb eine Sonderbehandlung einräumte (siehe Artikel unten). FDP-Ständerat Felix Gutzwiller (ZH) fordert in einer Motion, dass die Regierung wieder davon absieht. Doch selbst Ständeräte, die das Anliegen unterstützten, nehmen nun Abstand: Angesichts der aktuellen Lage müsse man erneut über die Umweltbilanz von Gaskraftwerken sprechen. Ohne Gegenantrag entschied die kleine Kammer, die Motion von der Umweltkommission vertieft prüfen zu lassen. Möglich ist, dass sich das Parlament künftig weniger kritisch zu Gaskraftwerken äussert als zuvor. 700 000 Tonnen CO2 Schon lange für neue Gaswerke ausgesprochen hat sich der Bundesrat: In seiner immer noch gültigen Energiepolitik von 2007 befürwortet er die Werke als Übergangstechnologie. Die Absicht war, dass Gaswerke mindestens so lange Strom liefern sollen, bis die geplanten neuen Atomkraftwerke stehen. Die Rahmenbewilligungsverfahren für die drei neuen Meiler hat der Bundesrat allerdings am Montag sistiert. Gaskraftwerke haben gegenüber AKW bestimmte Vorteile, sind im Parlament dennoch in Verruf geraten. «Ein Nachteil ist der grosse CO2-Ausstoss», erklärt Pascal Previdoli, stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Energie. In Chavalon würden jährlich 700 000 Tonnen CO2 ausgestossen – rund drei Prozent der gesamten Schweizer Emissionen. Das Parlament hat für neue Gaskraftwerke deshalb hohe Hürden beschlossen, die der Bundesrat nicht vorgesehen hatte: Die Kompensation des CO2-Ausstosses muss zu 70 Prozent mit teuren Massnahmen im Inland erfolgen. Mehrere Firmen haben ihre Projekte deshalb auf Eis gelegt. Zuerst waren die Grünen gegen Gaskraftwerke. Hinzu kamen dann bürgerliche Stimmen. Sie sahen vor allem die Möglichkeit, damit die Chancen für den Bau neuer AKW zu erhöhen. Nun könnten alte Projekte für Gaswerke wieder aus der Schublade auftauchen. Denn Gaskraftwerke haben Vorteile, die angesichts der Atomkrise in den Vordergrund rücken. Gaspreis spielt eine grosse Rolle Das Risikopotenzial bei einem Unfall ist bei Gaskraftwerken deutlich geringer als bei einem AKW. «Zudem kann ein Gaskraftwerk schneller bewilligt und gebaut werden als ein Atomkraftwerk», sagt Previdoli. «Die Technologie ist schon lange bekannt.» Innerhalb von vier bis sechs Jahren könne ein neues Werk ans Netz gehen. «Falls die Schweiz einen raschen Atomausstieg beschliessen würde, könnten Gaskraftwerke als Alternative zum Atomstrom gebaut werden», meint Previdoli. Hinzu kommen Kostenvorteile: «Der Bau eines Gaskraftwerks ist nicht besonders teuer», so Previdoli. Die späteren Stromkosten hängen aber stark vom Preis des Gases ab: «Investieren künftig viele Länder in Gaskraftwerke, dürfte der Preis deutlich steigen.» Bei AKW liegen die Kostenrisiken anders: Oft unterschätzt werden die Baukosten. Angesichts steigender Sicherheitsanforderungen dürften diese weiter steigen. Ist das Werk einmal erstellt, bleiben die Kosten indes eher stabil: «Der Preis des Urans macht einen kleinen Anteil an den Gesamtkosten aus», erklärt Previdoli. Denn selbst bei einem höheren Uranpreis würden die Produktionskosten nicht stark steigen. Während die Schweiz mehrere Pläne für Gaskraftwerke auf Eis gelegt hat, erlebte die Technik im Ausland einen Boom: «Viele Länder haben in den vergangenen Jahren stark in Gaskraftwerke investiert» sagt Previdoli. Sie ersetzen damit alte Kohlekraftwerke, deren CO2-Ausstoss noch einmal deutlicher höher war.

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