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Stäfa bekommt einen Waldfriedhof

Für knapp 5000 Franken verkauft die Firma Waldesruh private Baumgräber an traumhafter Lage. Doch sie hat auch günstigere Lösungen im Angebot.

Von Regine Imholz Stäfa – Fritz Staible ist begeistert von seinem neusten Waldfriedhof. «Dieser Platz ist optimal», schwärmt der Chef der Firma Waldesruh. Tatsächlich befinden sich die zwei Hektaren Wald im Gebiet Wannenmösli hoch über Stäfa an idyllischer Lage, Seesicht inklusive. «Viele Leute warten seit Jahren auf einen Waldfriedhof in Stäfa», sagt Staible. So lange, dass einige in der Zwischenzeit verstorben sind. Doch mit etlichen Interessenten kann der Firmeninhaber in nächster Zeit das Waldstück besichtigen und sie bei der Wahl «ihres» Baumes beraten. Für 4850 Franken kann man sich seinen letzten Ruheplatz für die nächsten 99 Jahre sichern. Für sich, seinen Partner oder die ganze Familie. Fritz Staible war früher Geschäftspartner von Ueli Sauter, dem Friedwald-Pionier, der vor drei Jahren auch den Baumfriedhof auf dem Pfannenstiel realisierte. Vor 11 Jahren machte sich Staible selbstständig. Seitdem hat er 18 Waldesruh-Plätze eröffnet, 17 weitere sind in Vorbereitung. Nach Jahren vergeblicher Suche in der Region hat er endlich ein geeignetes Waldstück gefunden. Über den Grundeigentümer will Staible keine Angaben machen, weil dieser mit dem Waldfriedhof «überhaupt nichts zu tun» habe. Ein Eintrag ins Grundbuchamt sorgt dafür, dass die Totenruhe auch im Fall eines Besitzerwechsels 99 Jahre lang gewahrt bleibt. Konfession spielt keine Rolle Die meisten Leute suchen sich schon zehn bis zwanzig Jahre vor ihrem Ableben jenen Baum aus, an dessen Wurzeln ihre Asche beigesetzt werden soll. Oft sind es Ehepaare, die den Wald von ihren Spaziergängen her kennen und sich gemeinsam für einen bestimmten Platz entschieden haben. «Es sind Menschen mit Weitsicht», sagt Staible, «die früh genug über ihr Leben hinaus bestimmen wollen.» Konfession oder Glaube spielen dabei keine Rolle. Er habe sogar schon Kunden gehabt, die einen Baum zusammen mit ihren Nachbarn ausgesucht hätten. Oder sich die letzte Ruhestätte mit ihren Haustieren teilen wollten. Auch gleichgeschlechtliche Paare suchten sich immer öfter ihren gemeinsamen Baum. Die Bestattung können die Hinterbliebenen mit oder ohne geistlichen Beistand gestalten. «Viele haben Mühe, die Asche eigenhändig aus der Urne zu schütten», sagt der St. Galler. Man könne jedoch auch die Urne samt Inhalt an der Baumwurzel bestatten. Auf Wunsch übernimmt die Firma Waldesruh diesen Akt. Grabschmuck wie Steine, Grablichter oder Engel dürfen bei dem Baum nicht abgelegt werden. «Alles muss verrotten können», sagt der Firmenchef. Auf Wunsch kann an den Bäumen jedoch ein kleines Täfelchen mit Name oder Initialen angebracht werden. Soll der Stamm völlig neutral bleiben, kennzeichnet Staible ihn mit einem weissen Buchstaben, damit der Waldbesitzer weiss, dass der Platz besetzt ist. Fällt der Baum einem Sturm zum Opfer, pflanzt seine Firma einen neuen an der gleichen Stelle. Gratisbaum für Mittellose Wer keine 4850 Franken ausgeben will oder kann, hat die Möglichkeit, seine Asche für 890 Franken unter einem Gemeinschaftsbaum bestatten zu lassen. Auch wer mittellos ist, müsse nicht verzichten, sagt Staible. «Ein Baum auf dem Gelände ist diesen Menschen vorbehalten – kostenlos.» Für sich selber hat Staible zwar noch keinen eigenen Baum ausgesucht, aber für ihn ist klar: «Ich werde mein letztes Plätzchen ebenfalls an einer Baumwurzel finden.» Waldesruh-Chef Fritz Staible zwischen den Bäumen, die künftig an Verstorbene erinnern sollen.Foto: Regine Imholz

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