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Sie animiert dazu, Stammzellen zu spenden

Bei Krebs im Knochenmark hilft oft nur noch eine Transplantation. Candy Heberlein aus Ebmatingen ermöglicht mit ihrer Stiftung solche Eingriffe.

Von Elena Ibello Maur – Diagnose Krebs im Knochenmark. Candy Heberlein kennt diesen Befund aus Erfahrungen in der eigenen Familie. Die Therapie sieht Medikamente, Bestrahlung und Chemotherapie vor. Heilung erfahren längst nicht alle Betroffenen. Die Hoffnung liegt oft in einer Transplantation des Knochenmarks. Darum hat Heberlein vor 17 Jahren in Ebmatingen die Stiftung zur Förderung der Knochenmarktransplantation gegründet und begleitet Patienten aus der ganzen Schweiz. «Die Schweizer sind leider nicht sehr spendierfreudig, wenn es um Blutstammzellen geht», sagt sie. Auf 10 000 Einwohner kommen hierzulande knapp 35 Knochenmarkspender, vor einigen Jahren waren es noch weniger. In Deutschland sind es 517. Internationales Register Das Spendenregister wird international geführt. «Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schweizer Patient das Knochenmark eines Schweizers empfangen kann, ist sehr klein», so Heberlein. Denn für eine erfolgreiche Transplantation braucht es sozusagen den genetischen Zwilling des Patienten; der Spender muss über dieselben Gewebemerkmale verfügen wie der Patient. Darum ist sogar in der Familie oft kein Spender zu finden. Nur etwa 20 bis 25 Prozent der Patienten finden ihn unter ihren Geschwistern. Glück mit der Spendersuche hatte Esther Waelti. Die Zürcherin leidet am Non-Hodgkin-Lymphom, einer Erkrankung, bei der sich Krebszellen im Lymphsystem bilden und die damit den ganzen Körper betrifft. Im Februar 2009 hatte man die Diagnose gestellt. «Ich wusste schon lange vorher, dass etwas mit mir nicht stimmte. Ich erschrak ob der Diagnose nicht», sagt die heute 54-Jährige. Als sie mit den ersten Anzeichen zum Hausarzt ging, beschwichtigte sie dieser immer wieder: «Das ist nur eine Erkältung.» Bis ihr zuerst hinter dem einen, dann hinter dem anderen Ohr ein Tumor deutlich hinauswuchs. «Als man mich zum Onkologen schickte, war ich schon im dritten von vier Stadien», sagt Waelti. Es folgten zwei Jahre Chemotherapie – nonstop. «Und nach jeder hatte ich wieder einen Rückfall.» Also blieb noch die Knochenmarktransplantation. Die Gewebemerkmale von Waeltis Zwillingsbruder stimmen glücklicherweise überein mit ihren eigenen. Es blieb ihr eine langwierige, aufwühlende Suche erspart. Eine Transplantation braucht auch so Zeit. Waelti verbrachte einen Monat in der Sterilstation des Unispitals Zürich und blieb danach drei Monate zu Hause. Vor einer Knochenmarktransplantation wird das kranke Mark des Patienten mit Bestrahlungen und Chemotherapie zerstört. Erst dann kann der Körper die neuen Stammzellen aufnehmen, die per Infusion in den Blutkreislauf des Patienten gebracht werden. Die Stammzellen brauchen dann Zeit, neue Blutzellen im Knochenmark zu produzieren. Das Immunsystem wird komplett neu aufgebaut, weshalb es auch nötig ist, nach der Transplantation auf Kontakt zu verzichten und öffentliche Orte zu meiden.«Nach drei Monaten wieder unter die Leute zu gehen, war schwierig für mich», sagt Waelti. «Man verändert sich persönlich wahnsinnig in der Zeit. Mein Blick auf die Welt ist heute ein anderer.» Anderen Mut machen Die Transplantation verlief positiv. Noch ist es aber zu früh, um zu sagen, ob nicht doch noch Komplikationen auftreten. «Zurzeit sind die Schmerzen in den Gelenken das Schlimmste für mich. Sie machen mich fast wahnsinnig», sagt sie. Sie hat Neuropathie, Nervenschmerzen. Eine von vielen Nebenwirkungen der Medikamente, die sie früher nehmen musste. Schmerzmittel dagegen darf sie wegen des Organismus kaum nehmen. Trotz allem aber bleibt sie zuversichtlich. «Ich bin nie einer Depression verfallen. Ich nahm mein Schicksal einfach an», sagt sie. Und sie will anderen und sich selber Mut machen, wenn sie auf weitere Transplantierte trifft. Candy Heberlein organisiert zudem regelmässig Treffen für alle Betroffenen. Der Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) hat zusammen mit Privaten die Stiftung Blutstammzellen gegründet, um die Registrierung von Knochenmark-Spendewilligen zu erleichtern. «Die Arbeit von Candy Heberlein ist für uns sehr wichtig. Sie motiviert mögliche Spender, sich zu registrieren», sagt Yvonne Fischer vom SRK. Die Registrierung geschieht online (www.blutstammzellen.ch) oder persönlich beim regionalen Blutspendedienst. (lie)www.blutstammzellen.ch, 031 380 81 51. Candy Heberlein organisiert am Samstag, 2. Juli, ein Treffen für Patienten ohne Transplantation. www.knochenmark.ch, 044 982 12 12. Candy Heberlein. Esther Waelti.

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