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Selbst Weiss kann störenHausbesitzer treibt es zu bunt

Grelle, gewagte Gebäudefarben sorgen immer wieder für Diskussionen. Die Gemeinden entscheiden von Fall zu Fall – und verweigern auch mal die Bewilligung, wie ein Beispiel aus Meilen zeigt.

Wo überall über Fassadenfarben gestritten wird Uetikon/Wollerau/Küssnacht – Im schwyzerischen Wollerau zankten sich Nachbarn kürzlich bis vor Bundesgericht um die Frage, ob ein «leicht getöntes Weiss» zulässig sei. Mancherorts werden gar Volksbewegungen in Gang gesetzt, um Farben zu verhindern oder zu unterstützen. So führte in Küssnacht am Rigi ein Garagist eigens eine Volksbefragung durch, um eine nicht bewilligte Bemalungsaktion mit dem «Druck der Strasse» nachträglich zu legitimieren. Beinahe vergessen ist, dass sich die Uetiker vor zehn Jahren einen heftigen Streit lieferten, der sich nicht um Unterrichtsmodelle, sondern um die Farbe des neuen Schulhauses Riedwies drehte. Eine «Einwohnergruppe für ein helleres, freundlicheres Riedwies» versuchte mittels einer Petition, den Bau der schieferfarbenen Fassade zu verhindern – allerdings ohne Erfolg. Heute ist die Farbe des Schulhauses kein Thema mehr. Die Befürchtung von einst, dass die Kinder wegen der dunklen Fassade auf schwarze Gedanken kommen könnten, scheint sich denn auch nicht bewahrheitet zu haben.(lsc) Von Lucien Scherrer Meilen – Violett gilt als Farbe des Geistes und der Spiritualität. Ob das der Grund ist, weshalb ein Meilemer seine alte Liegenschaft am See auberginefarben anstreichen lassen will, ist nicht bekannt. Sicher ist: Die Baukommission hält die Farbwahl für wenig geistreich. Sonst hätte sie dem Bauherrn die Bewilligung der Farbe nicht verweigert, wie einer amtlichen Mitteilung zu entnehmen ist. «Das Gebäude ist vom See aus zu sehen, weshalb die Einordnung negativ beurteilt wurde», sagt Gemeindeschreiber Didier Mayenzet. Dass die Bewilligung einer Farbe verweigert wird, kommt gemäss Mayenzet selten vor: «Normalerweise kann zuvor eine Einigung gefunden werden.» Das heisst: Zuerst wird der Bauherr darauf hingewiesen, dass seine Farbwahl problematisch ist. Danach wird ein Kompromiss gefunden. Was für den Violett-Liebhaber, dessen Name die Verwaltung nicht preisgeben will, offenbar nicht infrage kam. Grundsätzlich sind Farben – auch das grauste Grau und das blasseste Weiss – bewilligungspflichtig. Und wie bei Bauprojekten müssen die Behörden in jedem Fall prüfen, ob Artikel 238 des Baugesetzes erfüllt ist. Dieser verlangt, dass sich ein Gebäude und dessen Farbe «genügend» in die Umgebung einordnet und eine «befriedigende Gesamtwirkung» erzielt wird. Wobei Kontraste in manchen Fällen durchaus erwünscht sind. Auch schon «Missgriff» bewilligt Dass Auberginen-Violett am See nicht gut ankommt, konnte der Meilemer Hausbesitzer also nicht von vornherein wissen. Auch eine Palette mit «verbotenen» oder «unmöglichen» Farben gibt es weder in Meilen noch anderswo: Beurteilt wird von Fall zu Fall. In Uetikon schreibt die Bauordnung zwar vor, dass in der Kernzone «herkömmliche» Farben vorherrschen sollen. Grelle und ausgefallene Farben sind dagegen nicht erlaubt. Was auf dem Papier klar tönt, stellt die Behörden in der Praxis vor Probleme: «Es ist anhand von Farbmustern oft schwierig zu beurteilen, ob eine Farbe grell wirken wird», sagt Bausekretär Oliver Räss. Die Baukommission habe in der Kernzone auch schon eine Farbe bewilligt, die sich in der Realität als «Missgriff» entpuppt habe. Allgemein ist der Spielraum der Behörden gross. Denn anders als Gebäudeabstände und Baumassenziffern sind Farben nicht messbar, und die vorgeschriebene «Einordnung» ist oft Geschmackssache. Was dazu führt, dass Entscheide willkürlich wirken können. In Meilen schütteln manche Leute den Kopf darüber, dass mitten im Zentrum ein «roter Klotz» – gemeint ist der Monolith eingangs der Kirchgasse – jemals bewilligt werden konnte. Für die Gemeindebehörden war dagegen gerade die bewusste Abgrenzung von der Umgebung ein Grund für die Bewilligung. «Zu Farben hat jeder eine Meinung», sagt Oliver Räss. Entsprechend häufig würden Mitglieder der Baukommission auf gewisse Entscheide angesprochen. Nach dem Geschmack eines Malermeisters, der nicht namentlich genannt werden möchte, dürfte an der Goldküste ruhig etwas mehr «Mut zur Farbe» einziehen: «Wir streichen 80 Prozent der Häuser in Weisstönen», sagt er, «das wirkt etwas trist.» Für jeden Maler sei es eine wahre Freude, wenn er mal «etwas richtig Sattes» auftragen könne. Ob der Meilemer seine Träume von einem satten Violett begraben hat und das Nein akzeptiert, ist fraglich. Denn wer einen abschlägigen Behördenentscheid trotz vorgängiger «Warnungen» provoziert, plant meist einen Rekurs.

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