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Schwere Vorwürfe gegen den Mann mit dem goldenen Kessel

Ein notorischer Betrüger sei der Besitzer des ominösen Chiemseekessels, sagt der Staatsanwalt vor Gericht.

Von Lorenzo Petrò Meilen – Nach Jahren minutiöser Vorbereitungen schlug gestern die grosse Stunde von Staatsanwalt Marc Jean-Richard-dit-Bressel: Am ersten von zwei Prozesstagen gegen den Besitzer des geheimnisvollen goldenen Chiemseekessels (TA von gestern) nahm er kaum mehr als 60 Minuten Zeit für seine Ausführungen in Anspruch. Jean-Richard malte mithilfe von Akten, die 90 Bundesordner füllen, ein dichtes Bild vom Wandel eines einst angesehenen Schweizer Geschäftsmannes zum Millionenbetrüger. Bei den Zuhörern blieben wenig Zweifel an einer baldigen Verurteilung. Der heute 61-jährige Ökonom aus gutem Haus hatte seine Karriere in einer angesehenen Unternehmensberatung begonnen. Er machte sich einen Namen als Sanierer und Berater von Schweizer Detailhandelsketten und hatte mehrere Verwaltungsratsmandate inne. Aus purer Eitelkeit sei der schwerreiche Angeklagte zum Millionenbetrüger geworden, hielt ihm der Staatsanwalt vor. Der Mann ist heute finanziell von der Unterstützung seiner Familie und seiner Kinder abhängig. «Er wollte zum Star unter den Top-Managern aufsteigen.» Dazu sei ihm jedes Mittel recht gewesen. Er habe sein Verkaufstalent eingesetzt, um seit 2001 mehrere Schweizer Pensionskassen, Grossinvestoren aus Russland, aber auch unzählige Kleinanleger im deutschsprachigen Raum um 24 Millionen Franken zu bringen. Der Angeklagte habe Investoren weisgemacht, sein Anlagevehikel sei kapitalgeschützt, sagte der Staatsanwalt. Die Aussage habe aber spätestens ab jenem Zeitpunkt nicht mehr gestimmt, als er in ein dubioses Ölprodukt investierte. Er habe damit die mässige Performance des Produktes aufbessern wollen. Vier Jahre Gefängnis gefordert Investoren und Neukunden liess der Angeklagte über dieses Risiko im Dunkeln. Das belegen gemäss Staatsanwalt Präsentationen, Broschüren und eine archivierte Website. Weil grosse Investoren ausstiegen, suchte er mit immer neuen Mitteln Geld, um diese Löcher zu stopfen. Erst mit Anteilscheinen an einem grossen Stahlgeschäft, das scheiterte, später mit Partizipationsscheinen an der Vermarktung des Chiemseekessels. Der Staatsanwalt forderte vier Jahre Freiheitsstrafe und fünf Jahre Berufsverbot. Zudem stellte er eine Ersatzforderung über 12 Millionen Franken, sollte sich der Goldkessel von ungeklärter Herkunft doch noch als Verkaufsschlager entpuppen. Daran scheint der Angeklagte fest zu glauben. Sein Verteidiger forderte einen Freispruch sowie die Herausgabe des beschlagnahmten Kessels an das Konkursamt. Er hoffe noch immer, dass dieser antik sei und mit dem Verkauf alle aufgelaufenen Schulden bezahlt werden könnten.

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