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Schwere Vorwürfe an Ersatz-Grossvater

Ein 81-jähriger Rentner aus dem Bezirk Horgen soll vor Jahren ein damals 10-jähriges Mädchen sexuell missbraucht haben. Nun ist er freigesprochen worden - in einem Prozess voller Emotionen.

Zürich. - Konsterniert hört die 23-jährige Frau, wie die Vorsitzende am Bezirksgericht Zürich am Freitag das Urteil verkündete: Freispruch auf der ganzen Linie. Dann hält es die junge Frau nicht mehr aus. Bevor die Richterin mit ihrer Begründung zu Ende ist, flüchtet sie weinend aus dem Gerichtssaal. Später folgen ihr, laut schimpfend, zwei männliche Begleiter. Der soeben Freigesprochene wird noch kleiner, als er ohnehin schon ist.

In zwei der angeklagten Missbrauchsvorfällen, bei denen es zum oralen Verkehr zwischen dem Ersatz-Opa und dem damals zehnjährigen Mädchen gekommen sein soll, reichten die Beweise für einen Schuldspruch nicht aus, erläutert die Vorsitzende. Im Zweifel für den Angeklagten also. Und bei einem weiteren, harmloseren Anklagepunkt liegt nach Ansicht des Gerichts keine sexuelle Handlung vor.

Berufung angekündigt

Noch im Gerichtssaal verkündet der Anwalt der jungen Frau, dass er in die Berufung gehen wird. Und draussen vor dem Saal dann wird der Rentner von Angehörigen der jungen Frau so lange beschimpft, bis ihn sein Verteidiger schleunigst aus dem Blickfeld führt.

Vor zwei Jahren hat die junge Frau ihn angezeigt. Nachdem sie ihn im Zug zur Arbeit nach langer Zeit erstmals wieder sah. Da sei alles, was sie in über zehn Jahren verdrängt und zu vergessen versucht habe, wieder hochgekommen. Panik habe sie erfasst, «am liebsten wäre sie aus dem fahrenden Zug gesprungen», schildert ihr Anwalt die Situation. Bis heute leide die junge Frau an den Folgen des Missbrauchs, sagt er und fordert für seine Mandantin Genugtuung in der Grössenordnung von 50 000 Franken. Eine Verurteilung sei für die junge Frau überaus wichtig, «damit sie endlich ihr Lebensglück finden kann».

Die Staatsanwältin fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren und begründet dies damit, dass der Angeklagte das Vertrauen des Mädchens und von dessen Familie schamlos ausgenützt habe. Er, selber Vater von zwei Töchtern, einmal verwitwet, einmal geschieden, hatte sich mit der Familie der Geschädigten angefreundet und für die beiden Kinder bald einmal die Rolle eines Ersatzgrossvaters übernommen. Später, als der Vater der Familie diese verliess, wurde der Rentner gar der Geliebte der Mutter. Just in dieser Zeit sollen die Übergriffe passiert sein - jeweils in Abwesenheit der Mutter und des Bruders der jungen Frau - zweimal in der Wohnung des Ersatz-Opas im Bezirk Horgen, einmal im Heim der Familie in Zürich.

Wie schon bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft streitet der Angeklagte auch vor Gericht alles ab. Die Beweislage ist, wie oft in solchen Fällen, dünn. Die Vorwürfe basieren weitgehend auf den Aussagen der jungen Frau. Nur gerade für den harmlosesten Vorfall gibt es eine direkte Zeugin. Eine gleichaltrige Freundin war dabei, als der Rentner mit seiner Quasi-Enkelin herumtollte. Sie bestätigt in der Untersuchung, dass der Angeklagte beim gegenseitigen Auskitzeln seine Quasi-Enkelin, die vollständig bekleidet war, an heiklen Orten berührt habe. Ihrer Mutter will die Angeklagte später von den Übergriffen erzählt haben, doch habe sie ihr nicht geglaubt.

Widersprüchliche Aussagen

Gekonnt zerpflückt der Verteidiger die Aussagen der Geschädigten und der anderen im Verlauf der Untersuchung befragten Personen und zeigt Widersprüche auf, die es darin gibt - wen wunderts nach so langer Zeit?

Bleibt die Frage, weshalb die junge Frau den Ersatz-Opa mit schweren Vorwürfen falsch belasten sollte - jetzt noch, nach so langer Zeit. Auch das Gericht sehe dafür kein Motiv, räumt die Vorsitzende ein. Der Angeklagte und sein Verteidiger werten das Ganze als Racheakt. Die junge Frau habe es nie verkraftet, dass der Angeklagte seinerzeit eine sexuelle Beziehung mit ihrer Mutter angefangen habe.

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