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Schulmodell der Sek lässt die Politiker nicht los

Die drei Anwärter für den vakanten Sitz in der Uetiker Schulpflege haben sich der Öffentlichkeit präsentiert. Noch haben nicht alle Ortsparteien ihre Parole gefasst.

Von Lucien Scherrer Uetikon – Die Gemeinde hat die Stimmzettel für die Uetiker Schulpflege-Ersatzwahl vom 19. Juni noch nicht verschickt.Der Wahlkampf ist aber in vollem Gang. Auf Einladung der Uetiker Ortsparteien lieferten sich die drei Kandidierenden – Irene Cantarella (parteilos), Dominik Moser (FDP) und Christine Eberle (parteilos) – im Schulhaus Riedwies ein erstes öffentliches Wortgefecht. Dabei stand die Frage im Raum, wie sich die drei zum umstrittenen Unterrichtsmodell des «selbstgesteuerten Lernens» stellen würden, das seit 2007 an der Sekundarschule praktiziert wird. Anfang Jahr entbrannte eine heftige Diskussion darüber, ob und wie das System weitergeführt werden soll. Dabei gab die SVP ihre Forderung, das Experiment zu begraben, am Ende auf – zumindest vorläufig. Die aufgewühlte Stimmung im Dorf dürfte auch der Grund sein, weshalb das Interesse an der Nachfolge der zurückgetretenen Schulpflegerin Ladina Ladner (parteilos) derart gross ist. Alles gehöre auf den Tisch Moderatorin Ursula Hänni-Hauser (EVP) wies die Kandidaten am Montagabend zwar explizit darauf hin, dass eine «Modelldiskussion» nicht erwünscht sei. Doch mit ihrer Frage, wie eine «optimale Oberstufe» denn aussehen solle, gab sie den parteilosen Kandidatinnen dennoch einen Steilpass, das heutige System zu kritisieren. Während FDP-Kandidat Moser das Unterrichtsmodell verteidigt, haben die beiden Familienfrauen Anfang Jahr eine SVP-Petition für dessen Abschaffung unterschrieben. «Ich bin zwar für einen zeitgemässen Unterricht», sagte Irene Cantarella, «aber was jetzt an der Sek läuft, geht zu weit.» Das «selbstgesteuerte Lernen» solle nicht mehr grundsätzlich, sondern nur noch in einzelnen Fächern praktiziert werden. Was es jetzt brauche, sei eine Aussprache, bei der alles auf den Tisch gehöre. «Wir können nicht weiter so tun, als wäre alles in Ordnung.» Entscheidung liege bei Lehrern Christine Eberle sprach sich ebenfalls für eine Teilrückkehr zum Frontalunterricht aus. Alles über den Haufen zu werfen, mache aber keinen Sinn – vielmehr müssten die Jugendlichen wieder strengere Vorgaben und engere Grenzen erhalten. «Das selbstgesteuerte Lernen funktioniert in anderen Gemeinden gut», sagte Eberle, «ich sehe nicht ein, warum es in Uetikon bisher nicht richtig geklappt hat.» Dominik Moser war anderer Ansicht – ganz auf der Linie seiner Ortspartei, die sich im Frühjahr vehement gegen eine Abschaffung des Unterrichtsmodells gewehrt hat. «Es gibt viele Eltern und Schüler, die mit dem System zufrieden sind», sagte er, «aber jene, die ausrufen, hört man eben am meisten – auch in den Medien.» Der 21-jährige kaufmännische Angestellte betonte zudem, dass die Hauptkompetenz, über Unterrichtsmodelle zu entscheiden, bei der Schulleitung und den Lehrern liege – und nicht bei der Schulpflege.Abgesehen davon, zeigten die drei keine grossen Differenzen: Sie waren sich einig, dass die Kommunikation der Schule mit den Eltern und der Öffentlichkeit verbessert werden müsse. Gemeinsam ist allen drei Bewerbern, dass sie Kinder haben, die bald oder bereits in Uetikon zur Schule gehen. Politisch ordneten sie sich dagegen unterschiedlich ein: Dominik Moser sieht sich als Freisinniger «auf Parteilinie»; was die Bildung betreffe, wolle er keine «Blockadepolitik» betreiben, sondern «Geld sprechen, wo dies für eine «fortschrittliche Bildungspolitik» nötig sei.Christine Eberle, die im Sozialbereich arbeitet – die 46-jährige Fachpsychologin betreibt eine Praxis in Meilen –, bezeichnete sich als «typische» Vertreterin ihrer Zunft: Sie sei «Mitte-links», wobei sie deswegen nicht dafür sei, «Geld zum Fenster hinauszuwerfen». Etwas diffuser ordnete sich die 41-jährige kaufmännische Bankangestelle Irene Cantarella ein, nämlich «in der Mitte». In Ausländerfragen stehe sie «rechts», in Bildungs- und Wirtschaftsfragen jedoch «links». EVP und SVP haben entschieden Wie die Sympathien im «politischen Kuchen» im Dorf verteilt sind, zeichnet sich bereits jetzt ab. Die SVP hat sich entschieden, Irene Cantarella zu unterstützen, wie Vizeparteipräsident Fabian Weber gestern auf Anfrage erklärte. Dass die SVP ihrem Grundsatz untreu wird, Parteilose zu ächten, dürfte einen einfachen Grund haben: Sie will Dominik Moser verhindern. Die EVP hat sich für Christine Eberle entschieden – «wegen ihrer Fachkompetenz», wie Präsidentin Ursula Hänni betont. Noch nicht entschieden haben Grüne, SP und CVP. Alle scheinen jedoch mehr zu Moser oder Eberle zu tendieren als zu Cantarella, die als «SVP-nah» gilt.

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