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Schlieren badet neu biologisch

Schlieren hat sein Freibad umfassend saniert – und dabei einen Schritt in die Zukunft gemacht. Denn im «Möösli» kommt keine Chemie mehr ins Wasser.

Von Helene Arnet Schlieren – Schlierens Behördenmitglieder haben gestern Abend mit einem ganz besonderen Tropfen angestossen. Sie haben mit Champagner-Flûtes ihren Drink direkt aus dem Schwimmbecken des Freibads geschöpft. «Prost, ufs Möösli», hiess es dann. Und unter Jubelgeschrei sprangen die Mitglieder der Stadtjugendmusik ins Wasser – das Trinkqualität habe, wie zuvor versichert wurde. Denn Schlieren hat sich nach einigen Diskussionen entschieden, das Freibad zu einem Biobad umzurüsten. «Wenn eine Stadt wie Schlieren ein Biobad baut, hat das Signalwirkung», sagte Rainer Grafinger, Projektleiter des biologisch-technischen Teils der Sanierung. Entsprechende Anlagen seien in der Schweiz an einer Hand abzuzählen. Das Wasser wird mit Mikroorganismen und natürlichen Filtern (Pflanzen und Kies) in Regenerationsbecken biologisch-mechanisch aufbereitet. Dabei kann auf den Einsatz von chemischen Mitteln wie etwa Chlor vollends verzichtet werden. Keine roten Augen mehr – dafür Entenflöhe? Oder Algen? Im Vorfeld des Entscheids, ob Schlieren auf Biobad umrüsten soll, tauchten solche Fragen immer wieder auf. Stadtrat Christian Meier (SVP) war von der Idee begeistert – und es gelang ihm mithilfe von Experten, die Bedenken zu zerstreuen. Schlieren war seine Badi sechs Millionen Franken wert. «Gut, also nach gar nichts riecht das Wasser», fanden die zum Badiwasser-Umtrunk geladenen Gäste. Und die triefenden Stadtmusikanten sagten übereinstimmend: Schön warm sei das Wasser. Das war natürlich aufgeheizt worden – durch die Hitze der letzten Tage. Sollte die Sonne aber einmal nicht scheinen, kann das Badewasser mit einem Blockheizkraftwerk erwärmt werden, das mit Bio-Erdgas betrieben wird. Mindestens 23 Grad sind die Vorgabe.Das am Hang gebaute Schwimmbad im Moos ist eher charmant als mondän. Es hat aber immerhin eine Rutschbahn und neuerdings eine kleine Kletterwand. Stadtrat Meier war bei der Eröffnungsfeier mit dem Werk zwar sehr zufrieden, doch beklagte er sich über die Einwendungen der Denkmalpflege, welche einige Eingriffe vorab im Fun-Bereich vereitelte. Das 1948/49 erbaute Freibad steht nämlich im Inventar für schützenswerte Bauten und ist nicht nur beispielhaft für seine Zeit, sondern auch ein wichtiges Werk des bedeutenden Architekten-Trios Haefeli Moser Steiger (Kongresshaus, Kantonsspital). Deshalb konnte die Stadt nicht ganz so frei werken, wie sie gerne wollte. Zumal sie erst spät realisierte, dass das «Möösli» inventarisiert ist. «Hätte man das Gespräch mit uns früher gesucht, wären einige Hosenlupfs vermeidbar gewesen», sagte Beat Stahel von der Denkmalpflege.Stadtrat Meier beendete seine Eröffnungsrede mit der Zuversicht, dass nicht nur nostalgisch veranlagte Architekten, sondern auch die Schlieremerinnen und Schlieremer Freude am neuen «Möösli» haben werden. Anzumerken gibt es noch, dass er sich bereits tags zuvor ein Glas Badiwasser genehmigte. Als Vorkoster, sozusagen. Es funktioniere, stellte er fest. Er habe kein Bauchweh. Badi-Restaurant geöffnet ab 11. Juli, Schwimmbecken ab 17. Juli Das natürlich gereinigte Wasser im «Möösli» in Schlieren hat bei der Eröffnung gestern grünlich geschimmert. Foto: Sabina Bobst

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