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«s’ Gwölb ist ein wichtiger Wirtschaftszweig unseres Betriebs»

Auf dem Hof des Regensdorfer Gemeinderats Karl Wegmüller finden regelmässig Konzerte statt.

Politiker auf dem Gartenstuhl (2) In der TA-Sommerserie stellen sie ihre ungewöhnlichen Hobbys vor Mit Karl Wegmüller sprach Sandra Zrinski Regensdorf – Es ist angenehm kühl im Gewölbekeller auf dem Watter Hof der Familie Wegmüller. Das Steingemäuer ist hoch und hat eine gute Akustik. Und auch wenn der Boden aus riesigen Sandsteinplatten besteht, bekommt man keine kalten Füsse. Das Ambiente lässt einen keinen Zweifel daran, dass es sich in diesen alten Mauern gut feiern lässt. Welches war die erste Schallplatte, die Sie sich gekauft haben? Das weiss ich gar nicht mehr. Aber ich erinnere mich noch gut daran, dass Johnny Cash bei mir ganz hoch im Kurs war, als ich etwa 18 Jahre alt war. Sie sind Landwirt, Gemeinderat und Konzertveranstalter. Wie ist es dazu gekommen? Die Idee mit den Konzerten hatte Hans-Jörg Rotzetter, ein Freund von mir. Das war etwa im Jahr 1998. Er hatte zusammen mit einem Freund regelmässig in einer Rümlanger Schreinerei Konzerte veranstaltet. Dafür räumten sie die ganze Werkstatt aus und nach dem Anlass wieder ein. Als ihnen der Raum nicht mehr zur Verfügung stand, kam er zu mir, und wir hatten ja diesen Gewölbekeller, wo heute s’ Gwölb ist. Wir nutzten ihn als Lagerraum für Lebensmittel und Kartoffeln. Gebaut wurde er wahrscheinlich etwa 1850 von einem Richter. Ganz sicher wissen wir das nicht, aber es muss jemand gewesen sein, der Geld hatte. Und dann starteten Sie mit den Konzerten? Nicht nur. Meine Frau Anita arbeitete damals extern im Cateringbereich. Sie wurde immer wieder darauf angesprochen, dass unser Gewölbekeller ein toller Raum für Anlässe wäre. So hat es sich ergeben, dass wir auf unserem Hof öffentliche Konzerte und private Anlässe organisierten. Wie wichtig ist s’ Gwölb innerhalb Ihres landwirtschaftlichen Betriebs? Es ist ein sehr wichtiger Nebenerwerb geworden. In der Landwirtschaft sieht es mit den Einnahmen immer schlechter aus, und deshalb sind auch wir immer stärker auf sonstige Wirtschaftszweige angewiesen. Sie haben auch immer wieder grosse Namen, die hier auftreten. Wie kommen Sie an diese Musiker ran? Die Kontakte zu den Musikern hat und knüpft Hans-Jörg Rotzetter. Er ist schon seit rund 30 Jahren in der Branche und weiss, wie man diese Leute anpacken muss. Mit ein Grund, weshalb die Bands gerne bei uns spielen, ist die Lokalität. Es hat sich unterdessen unter den Musikern rumgesprochen, was sie hier finden. Deshalb erhalte ich pro Woche gut 20 Anfragen von Bands, die hier spielen möchten. Der Eintritt ist mit 25 Franken günstig. Wie machen Sie das? Es ist uns wichtig, dass der Preis für alle erschwinglich bleibt. Wir können deshalb keine riesigen Gagen zahlen, aber die Musiker haben sich bisher zu guten Konditionen engagieren lassen. Sie haben ein treues Publikum, richtig? Wir haben sehr treue Gäste. Sie wissen, was hier gespielt wird. Und sie kommen, weil sie Musik hören wollen. Schwatzt jemand während des Konzerts, wird er bald mal zur Ruhe ermahnt. Im s’ Gwölb ist viel Blues, aber auch Country und Folk zu hören. Mögen Sie diese Stilrichtungen besonders gut? Meine Frau würde gerne mehr Country hören, und wenn es allein nach mir ginge, hätten wir hier viel mehr irische Bands. Aber ich mag auch Blues und Boogie. Federführend bei der Bandauswahl ist Hans-Jörg Rotzetter. Als der grosse Hype mit Riverdance war, hat er alle irischen Bands aus dem Programm genommen. Damals waren sie auch viel zu teuer, da sie so begehrt waren. Das Kellergewölbe ist zwar sehr geräumig, aber beliebig gross dürfen die Bands ja doch nicht sein . . . Nein, es müssen ja auch noch Gäste Platz haben. Wichtig ist, dass sich die Musiker dem Raum anpassen. Sie können nicht voll aufdrehen. Auch aus Rücksicht auf unsere Nachbarn, denn s’ Gwölb können wir nur betreiben, wenn wir auf Wohlwollen stossen. Und wie stehen Sie zu Pop oder Techno? Wir haben uns auch schon überlegt, ob wir unser Angebot so ändern sollen, damit sich auch Jüngere angesprochen fühlen. Derzeit ist das Durchschnittsalter bei etwa 50 Jahren. Wir haben dann aber entschieden, dass wir weiterfahren wie bisher. Schliesslich läuft es gut. www.sgwoelb.ch Wo die Familie von Karl Wegmüller früher Lebensmittel lagerte, finden seit über zehn Jahren Konzerte statt. Foto: David Baer

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