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Rückenwind für die Velofahrer

Mit 20 Millionen Franken will der Kantonsrat den Veloverkehr fördern. Die SVP ist dagegen.

Von Liliane Minor Zürich – Rund 1700 Kilometer lang ist das Zürcher Radwegnetz. 1700 Kilometer, die offenbar einem grossen Teil der Bevölkerung nur wenig bekannt sind. Das jedenfalls ist das Fazit einer Studie zum Veloverkehr im Kanton Zürich. Das Velo hat am Gesamtverkehr einen Anteil von nur 6 Prozent. Jetzt soll sich das ändern: Das Velofahren wird mit einem zehn Jahre dauernden Programm gefördert. Der Kantonsrat hat die dafür notwendigen 20 Millionen Franken gestern mit 114 gegen 50 Stimmen bewilligt. Die 20 Millionen sollen unter anderem für folgende Ziele ausgegeben werden: Velofachstelle: Zwei Millionen Franken sollen in eine Fachstelle fliessen, deren Aufgabe es sein wird, Gemeinden beim Radwegbau zu unterstützen. Kommunikation: Mehr als sieben Millionen Franken kosten Massnahmen, mit denen unter anderem das Radwegnetz besser bekannt gemacht werden soll. Zudem will der Kanton Velokurse fördern und die Gemeinden für die Anliegen der Radfahrer sensibilisieren. Velo und ÖV: Fünf Millionen sind für bessere Veloparkplätze bei Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs vorgesehen. Dafür will die Regierung zunächst ein Konzept erarbeiten. Vorbildliche Verwaltung: Fünf Millionen Franken werden in Veloparkplätze, Garderoben und Duschen in Gebäuden der kantonalen Verwaltung investiert. Das Förderprogramm stiess bei fast allen Fraktionen auf grosses Lob. «Dies ist die beste Vorlage aus der Amtszeit von Rita Fuhrer», sagte Martin Geilinger (Grüne, Winterthur). Damit bekomme die Veloförderung endlich einmal Rückenwind. Willy Germann (CVP, Winterthur) sagte, hier werde mit wenig Geld eine grosse Wirkung erzielt. Vor allem zwei Punkte stiessen im Rat auf viel Zustimmung: Die Anstrengungen für mehr Veloparkplätze an Bahnhöfen und die Velofachstelle. Viele Radwege seien für den Alltag unbrauchbar, sagte Teilzeit-Velokurier Roland Munz (SP, Zürich). «Hier kann die Fachstelle mithelfen, taugliche Lösungen zu finden.» SVP gegen ihren Regierungsrat Für die FDP war das Ja zum Kredit auch eine Frage von Treu und Glauben. Denn ursprünglich war ein etwas anders gestaltetes Förderprogramm als Gegenvorschlag zur Volksinitiative für mehr Veloverkehr vorgesehen. Weil aber die Initianten ihr Begehren irrtümlich zu früh zurückzogen, wurde der Gegenvorschlag hinfällig. Darauf beschloss der Regierungsrat, selbst ein Förderprogramm auszuarbeiten. «Jetzt stehen wir gegenüber den Initianten im Wort», sagte Gabriela Winkler (Oberglatt). Für die SVP war das alles kein Argument. Die Fraktion legte sich als einzige, dafür mit einem halben Dutzend Voten gegen den Kredit ins Zeug. Ein Förderprogramm sei unnötig, fand Lorenz Habicher (Zürich): «Das Velo hat eine genügend starke Stellung.» Radfahren sei ein Minderheitenprogramm, sagte Werner Bosshard (Rümlang), selbst ein begeisterter Freizeit-«Gümmeler». Deshalb sei der volkswirtschaftliche Nutzen des Förderprogramms gering. John Appenzeller (Stallikon) wetterte schliesslich, das Programm sei eine reine Geldvernichtungsmaschine: «Die Velowege werden zum Teil gar nicht genutzt.» Dagegen kam auch SVP-Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker nicht an, der die Wichtigkeit der Veloförderung mit folgenden Worten betonte: «Wer Velo fährt, macht Platz auf der Strasse.»

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