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Rom bombardiert Ghadhafi schweren Herzens

Wie Berlusconi den Einsatz italienischer Kampfjets in Libyen erklärt hat.

Von Oliver Meiler, Rom Man sieht Silvio Berlusconi selten so verlegen und zerknirscht beim Reden, wie er das am Dienstag war, als er Italiens aktivere Rolle in der internationalen Militärintervention in Libyen zu erklären suchte. Bald sollen nämlich italienische Kampfjets an den Operationen der Nato teilnehmen und militärische Ziele von Muammar al-Ghadhafis Regime angreifen – mit «extrem, äusserst extrem präzisen Raketen», wie Berlusconi beteuerte. Bisher hatte Rom den Alliierten lediglich einige Basen zur Verfügung gestellt. Die Verlegenheit erklärt sich aus geopolitischen, innenpolitischen, historischen und persönlichen Gründen. Retten, was zu retten ist Berlusconi sagte, er sei in den letzten Wochen von Washington, Paris und London stark bedrängt worden, den internationalen Einsatz zu verstärken, und er habe dann «diesen sehr schwierigen Beschluss» gefasst, weil Italien mit halbem Engagement seine Stellung in der Region gefährdet hätte. Schwierig war die Entscheidung vor allem, weil Libyen eine Kolonie Italiens war und die Wunden aus jener Zeit trotz der Unterzeichnung eines Freundschaftsvertrags 2008 samt Milliardenzahlungen noch immer nicht geschlossen sind. Ghadhafi hielt sie gar absichtlich offen, um immer noch mehr aus Italien pressen zu können. Der libysche Herrscher fühlte sich stark in dieser Rolle, da die Haushalte und die Wirtschaft der früheren Kolonialmacht von seinen Gaslieferungen und zuweilen auch von seinem Kapital abhingen. Wenn sich Italien nun aktiv gegen Ghadhafi richtet, ist das eine Kehrtwende. Sie ist das umso mehr, als ausgerechnet Berlusconi, ein Freund des Rais, sie eingeleitet hat – wenn auch schweren Herzens. In der ersten Phase des libyschen Aufstands bedauerte Italiens Ministerpräsident noch das Schicksal des taumelnden Despoten. Italiens linke Opposition warf ihm bald vor, er sei inkohärent und setze Italien dem Spott des Auslandes aus.Nun aber lastet sich Berlusconi mit seinem Kurswechsel, der nicht zufällig mit dem italo-französischen Gipfel zusammenfiel, die Verärgerung eines Teils seines rechtsbürgerlichen Lagers auf. Einige Exponenten seiner wichtigsten Partnerpartei, der Lega Nord, und Politiker aus dem katholischen Zentrum sprachen sich gegen Bombardements aus. Wenn er deren Gemüter nicht besänftigen kann, droht ihm Ungemach – am Mailänder Gericht. Auch diese Sorge schwang mit. Dossier – Umbruch in der arabischen Weltwww.revolution.tagesanzeiger.ch

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