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Roher Schinken, verpasste Chance

Seefeld hält gegen den Super-League-Klub Bellinzona gut mit – und doch ist der Coup im Cup am Ende mit 1:3 verpasst.

Ortstermin Beim Cupmatch zwischen Zweitligist Seefeld und Bellinzona auf der Lengg Von Ueli Kägi, Zürich Das VIP-Zelt steht gleich hinter dem Tor. Und im VIP-Zelt haben sie sich noch nicht zu Ende gefreut über Müllers Anschlusstor zum 1:2, da bricht schon wieder Jubel aus. Constancio hat ausgeglichen, als die 77. Minute läuft – meinen sie zumindest alle. Sie sehen den Schiedsrichter Grémaud noch nicht, der steht auf der Höhe des Strafraums und streckt den Arm voller Überzeugung in die Höhe. Ein Offside haben sein Assistent und er gesehen. Auf den Rängen würde Grémaud für seinen Entscheid keine Mehrheit finden. Der Stadtzürcher FC Seefeld, an einem normalen Wochenende in der 2. Liga interregional zu Hause, arbeitet dafür, der AC Bellinzona ein Bein zu stellen. «Hopp Seefäld», rufen sie deshalb im VIP-Zelt, und auf den Hockplätzen dem Rasen entlang hüpfen ein paar Kinder wild auf den Betonplatten herum. Sie alle glauben an die Überraschung; sie haben Grund dazu, weil ein Unterschied zwischen Quartier- und Super-League-Klub nicht zu erkennen ist – abgesehen von der Effizienz im Strafraum. In der 85.?Minute gelingt Lustrinelli sein zweiter Treffer und das 3:1 für die Tessiner. Es ist das Tor, das Seefeld die Hoffnung stiehlt an diesem Cupnachmittag. 550 Zuschauer sind auf die Lengg gekommen; das Quartier am Stadtrand schläft trotzdem friedlich vor sich hin. Beim Sportplatzeingang stehen ein Polizeibus, drei Beamte und ein paar Mitarbeiter der Securitas. Grün Stadt Zürich hat einen provisorischen Zaun aufgestellt und den Rasen auf einer Längsseite mit gelbem Absperrband von den Zuschauerplätzen getrennt. «Sicherheit und Sauberkeit» steht darauf. VIP-Sitz für 90 Franken Für seine rund 300 Fussballer hat der FC Seefeld zweieinhalb Plätze, er kämpft mit den typischen Infrastrukturschwierigkeiten in der engen Stadt; im nächsten Jahr bekommt er einen Allwetterplatz. Geschäftsführer, Bierbrauer, Politiker und Vereinspräsident Urs Egger steht eine halbe Stunde vor Matchbeginn vor dem Klubhaus. Er ist ein entspannter Präsident. Und ein routinierter Gastgeber im Cup. Die Grasshoppers waren 2007 hier, für sie kamen 1500 Zuschauer, sie sahen ein 0:4 und einen GC-Assistenztrainer Murat Yakin, der sich einen Platz am Buffet sicherte. Vor zwei Jahren besiegte Seefeld den FC Winterthur. Den FCZ oder den FCB könnte Seefeld nicht auf der Lengg empfangen – dafür ist die Anlage zu eng. Gegen Bellinzona betragen die Fixkosten 4000 Franken, Egger geht bei rund 400 zahlenden Zuschauern von 12?000 Franken Einnahmen aus. Im VIP-Zelt kostet der Sitz 90?Franken, dafür warten am Buffet Brötchen, Rohschinken, scharfe Wurst, Oliven, Pouletstückchen, Tomaten, Käse, Prosecco, Wein und Bier. Ein paar Meter nebenan sitzt ein Gümmeler auf einem gefällten Baumstamm – vielleicht kommt er direkt von der Tour de Zürichsee, Velohose und Velotrikot trägt er noch; vor ihm steht ein Bier auf dem Rasen; in der Hand hält er eine Bratwurst. Das späte Dutzend Das Spiel beginnt, Seefeld hält sich sehr gut, im Publikum sagt einer: «Der Cup hat eigene Gesetze.» Es läuft die 35. Minute, als ein Dutzend Bellinzona-Fans mit Gesang und drei Fahnen einmarschiert und sich einnistet in der hintersten Ecke. Es läuft die 41. Minute, als die Bellinzona-Fans versuchen, ein Transparent aufzuhängen. Es läuft die 44. Minute, als sie es geschafft haben. Ein paar Sekunden später gelingt Pergl für die nonchalante AC das nicht verdiente Führungstor. In der Pause übernehmen 70, 80 Kinder das Kommando auf dem Rasen. Sie haben ihre eigenen Bälle mitgebracht; es fallen mehr Treffer als in den 45 Minuten zuvor. Im Pulk spielen sich sechs Seefelder Ersatzspieler kurze und lange Pässe zu, dazwischen werden sie von der Jugend wegen Autogrammen bestürmt. Der Ärger im Fest Sie hätten zu grossen Figuren werden können, die Spieler des FC Seefeld, zu kleinen Berühmtheiten für einen Tag wenigstens, wenn sie ihre Chancen besser genutzt hätten. Wenn der Schiedsrichter in Zweifelsfällen wie beim Offside-Entscheid oder dem Penalty-Foul gegen Lustrinelli vor dem 0:2 nicht gegen sie entschieden hätte. «Wir haben ihnen das Leben schwergemacht», sagt Verteidiger Mioc. «Sie waren fussballerisch nicht besser», findet Torschütze Müller. «Es war ein schönes Fest, aber die Niederlage ist ärgerlich», sagt Egger. Sie müssen sich in diesen Augenblicken nach dem Spiel mit dem Gedanken arrangieren, dass mehr möglich gewesen wäre. Fussball-Leckerbissen statt Zweitliga-Alltag – wieder einmal gabs bei Seefeld prominenten Cupbesuch. Foto: Walter Bieri (Keystone)

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