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Rétis Grossmeister bedrängen den Titelverteidiger

Seit Jahren dominiert die Schachgesellschaft Zürich die Schweizer Mannschaftsmeisterschaft. Jetzt fordert sie der Stadtrivale heraus.

Von André Behr Wie ernsthaft die Konkurrenz des Titelverteidigers und Rekordmeisters ist, zeigte sich in der Startrunde der Schweizer Mannschaftsmeisterschaft (SMM) vor knapp drei Wochen, als der Akademische Schachklub Réti bei seinem ersten Auftritt in der obersten Liga Luzern problemlos 5,5:2,5 besiegte, nominell immerhin eines der drei stärksten Teams. Am nächsten Sonntag wird beim zweiten Heimspiel im Klublokal Klus Park die Mannschaft Echallens zu Gast sein, und es ist abzusehen, dass Réti auch nach dieser Direktbegegnung der beiden Aufsteiger ungeschlagen bleibt. Den Masterplan Rétis Richtung NLA hatte der Vorstand vor einigen Jahren ausgearbeitet. Die erste Mannschaft war zwar schon Zürcher Mannschaftsmeister geworden, in der SMM jedoch nie höher als in der Nationalliga B klassiert. An mehr war ohne bezahlte Spitzenspieler, wie sie alle NLA-Teams einsetzen, nicht zu denken. Also warb man intern um Mäzene und etablierte unabhängig von der Klubkasse einen Etat für die erste Mannschaft. Mit Erfolg: Grossmeister wie Mihajlo Stojanovic, Florian Jenni und später auch Vadim Milov sorgten für den direkten Aufstieg von der 1. Liga in die NLB und Ende 2010 in die NLA. Hier stiessen nun nach dem Rücktritt von Jenni mit Alexei Drejew, Sebastian Bogner und Joe Gallagher drei weitere Grossmeister zum Team, das an den hinteren Brettern zudem von IM Tobias Hirneise und Christian Wagner verstärkt wird. Das Reglement ausgereizt Die fünf neu verpflichteten Spieler sorgten bei der Konkurrenz wenig überraschend für Irritationen und Spekulationen über den ambitionierten Aufsteiger. Réti-Präsident Roman Schnelli beruhigt. Mit dem Kontingent an deutschen Spielern beispielsweise reize man zwar das Reglement aus, sagt der 33-jährige angehende Sekundarlehrer, verstosse aber nicht dagegen. Die Bestimmungen über einsetzbare, sogenannte Grenzgänger seien ohnehin revisionsbedürftig, und Réti werde im Verband einen Vorstoss lancieren, damit die immer wieder diskutierte Regelung angepasst werde. Mannschaftsleiter und Hauptmäzen Adrian Siegel ergänzt: Der in Neuenburg lebende Joe Gallagher von Joueur Lausanne habe von sich aus einen neuen Klub gesucht. Die Abwerbung von Spielern anderer Vereine sei bei Réti kein Thema, denn dafür sei die Schweiz zu klein. Ohnehin spielt für den 47-jährigen Neurologieprofessor der Zusammenhalt des Schachklubs eine zentrale Rolle. Der Serbe Stojanovic habe sich seit Jahren für Réti engagiert, sei befreundet mit dem bei Biel wohnenden Milov und der wiederum mit dem Moskauer Drejew. Damit dieser ehemalige WM-Kandidat sowie die anderen Schachprofis ihr Auskommen haben, ist Siegel gerne bereit zu einem finanziellen Beitrag, zumal damit die Schweizer Schachszene insgesamt gestärkt wird, wie er betont. Mit einem Beitrag, der in Schachkreisen zwar hoch, verglichen mit den Salären in anderen Sportarten jedoch minimal ist. Auch wenn das Budget für Réti I etwas höher liegen dürfte als die offiziell genannten 25 000 Franken. Ein Podestplatz zum Jubiläum Am 24. Oktober feiert Réti sein 50-jähriges Bestehen, unmittelbar nach der letzten SMM-Doppelrunde, in der man auf Reichenstein und Genf treffen wird, die Nummern 4 und 5 der Startrangliste. Der vom ehemaligen Juniorenförderer Josef Heuberger und dessen Freund Willi Wettstein initiierte Klub, der 48 Jahre lang nahe der ETH und Uni Zürich residierte, so manchen Studenten akquirieren konnte und inzwischen Mitglied des Akademischen Sportverbandes Zürich ist, hat gute Chancen, das Jubiläum mit einem Podestplatz zu feiern. 2. Runde. Am Sonntag. Ab 12.30: SG Zürich - Luzern, Réti - Echallens, Reichenstein - Genf, Winterthur - Joueur Lausanne, Riehen - Wollishofen.

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