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Regierungsrätin hielt die Bettagspredigt

Am gestrigen Bettag sprach eine Politikerin zu den Regensberger Kirchgängern. Regine Aeppli plädierte für mehr Gerechtigkeit.

Von Andrea Söldi Regensberg – Seit jeher war es der Staat, der den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag anordnete. Eine Aufgabe des überkonfessionellen Besinnungstages sei es, die Kirche mit der Politik in Verbindung zu bringen, erklärte der Regensberger Pfarrer Martin Schärer gestern zu Beginn des Gottesdienstes. Nur naheliegend also, dass er einen Gast aus der Politik in seine kleine reformierte Kirche einlud. Vor gut gefüllten Reihen hielt Bildungsdirektorin Regine Aeppli eine engagierte Rede für eine solidarischere Gesellschaft. In Anknüpfung an die vergangenen Gottesdienste nahm sie das Thema der Zehn Gebote nochmals auf. Gemäss Altem Testament der Bibel hatte Moses die Gebote auf dem Berg Sinai von Gott empfangen, nachdem er das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt hatte – also aus der Sklaverei in die Freiheit. Beim Begriff Sklaverei denke man meist zuerst an afrikanische Sklaven, die angekettet auf Schiffen nach Amerika verschleppt wurden, führte Aeppli aus. Aber auch ein guter Teil unseres Lebensstils sei auf Formen moderner Sklaverei zurückzuführen: tropische Früchte, die weniger kosten als einheimische Äpfel, lustige Spielsachen und billige Kleider, die von Arbeitern zu Hungerlöhnen hergestellt werden. Menschen würden ihr Leben riskieren, um aus der Armut zu fliehen, und ihre Arbeitskraft, ihre Organe und ihre Körper verkaufen. Diesen Menschen werde ihr freier Wille genommen, ihre Würde und ihre körperliche Unversehrtheit. «Wer führt diese Menschen durch die Fluten des Roten Meeres und befreit sie von der Sklaverei?», fragte Aeppli die Gemeinde. Der Buss- und Bettag sei dazu da, sich mit zentralen Fragen auseinanderzusetzen: «Was tun wir, um schwache Mitglieder der Gesellschaft zu stärken?» Bildung steht allen zu Grundlegend für mehr Gerechtigkeit sei der Zugang zu Bildung, leitete die Regierungsrätin zu ihrem Departement über. «Bildung hat das Potenzial, neue Wege zu zeigen.» Für problematisch hält Aeppli eine Einteilung in bildungsnahe und bildungsferne Schichten. Die Etikettierung könne dazu verleiten, die Förderung von sogenannten Bildungsfernen als aussichtslos zu betrachten. Scharf verurteilte sie Stimmen, die fordern, nur noch in Ausbildungen zu investieren, die Rendite versprechen – ein Gedanke, der gemäss Aeppli schon vom wirtschaftsnahen Thinktank Avenir Suisse formuliert worden war. Mit dem vielen Geld, das in Hochschulen und Universitäten fliesse, sei dies ja sowieso ein Stück weit Realität, stellte Aeppli fest. Aufgabe der Schule sei es jedoch, Starke und Schwache zu einer Gemeinschaft zusammenzufügen. Es bestehe die Gefahr, dass Schwächere von der Teilnahme an der Gesellschaft ausgeschlossen würden. «Das ist nicht vereinbar mit demokratischen und christlichen Werten», legte die sozialdemokratische Politikerin ihre Überzeugung dar: «Wir haben die Pflicht, uns für Gerechtigkeit einzusetzen.» «Das war eine politische Predigt, wie ich es mir am Bettag vorstelle», kommentierte der Pfarrer die Rede. In vergangenen Jahren hatte er auch schon den mittlerweile verstorbenen Nationalrat Ernst Mühlemann sowie den Nationalrat und Historiker Christoph Mörgeli zu Gast gehabt. «Die uns regieren, leite, Herr, dass sie es tun zu deiner Ehr, dass sie dem Land zum Segen sei’n und deines Segens sich erfreun», sangen die Kirchgänger, bevor sie zum Apéro übergingen. «Die Schule hat die Aufgabe, Starke und Schwache zu einer Gemeinschaft zusammenzuführen.» Regine Aeppli, Regierungsrätin Regine Aeppli.

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