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Rechnungsprüfer wittert Vetternwirtschaft

Die Gemeinde Wil habe dem Sohn eines Gemeinderats einen Auftrag zugehalten. Rechnungsprüfer Richard Bachmann lanciert deshalb eine Aufsichtsbeschwerde.

Von Sibille Schärer Wil – Der Gemeinderat von Wil betreibe Vetternwirtschaft, empört sich Richard Bachmann. Das Mitglied der Rechnungsprüfungskommission (RPK) wirft der Behörde vor, den Auftrag zur Renovation des Gemeindehauses direkt einem Rafzer Architekturbüro vergeben zu haben. Stein des Anstosses ist: Für diese Firma arbeitet Marco Heller, Sohn des Wiler Gemeinderats Kurt Heller. Und dieser sei für die Planung des Umbaus verantwortlich. «Das ist ein absolut störender Umstand», findet Bachmann und hat daher beim Bezirksrat Beschwerde eingelegt. Für die Renovation des Gemeindehauses budgetierte der Gemeinderat ursprünglich 140 000 Franken. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich jedoch auf rund 325 000 Franken. Denn zusätzlich wurden unter anderem Fenster ersetzt, und das gesamte Büromobiliar wurde ausgetauscht. Deshalb musste der Gemeinderat vergangene Woche an der Gemeindeversammlung einen Zusatzkredit von 185 000 Franken bewilligen lassen. Das Stimmvolk nahm diesen schliesslich mit 24 zu 18 Stimmen bei 4 Enthaltungen an.Gemeindepräsident Werner Müller will sich momentan nicht zu den Vorwürfen äussern. «Bevor ich die Beschwerde nicht in Händen halte und ihren Inhalt kenne, kann ich auch keine Stellung dazu nehmen.» Gemäss Gesetz ist der Gemeinderat nicht verpflichtet, Projekte auszuschreiben, die weniger als 300 000 Franken kosten. Diese darf eine Gemeinde direkt vergeben. Dass die Wahl auf die Rafzer Firma gefallen sei, begründet der Gemeinderat laut Bachmann damit, dass dieses Architekturbüro das betreffende Gebäude vor 28 Jahren erstellt hat. «Das ist für mich aber kein Argument», hält Bachmann fest. Das ändere nichts daran, dass der Sohn eines Gemeinderates für diese Firma arbeite. Damit sei sie auszuschliessen. Ja stimmten die Behörden Richard Bachmann ärgert sich jedoch nicht nur über die Vergabe des Projekts, sondern auch über die Zusammensetzung der Ja-Stimmen zum Zusatzkredit. «12 der 24 Ja-Stimmen kamen von den Gemeinderäten, den übrigen RPK-Mitgliedern und der Familie Heller», sagt Richard Bachmann. Ohne diese zwölf hätte der Zusatzkredit keine Mehrheit gefunden.

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