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Präsident Sarkozy verteidigte sich vehement: «Das ist eine Schande! Das sind alles Lügen!»

Der angeschlagene Nicolas Sarkozy kämpfte im TV-Interview um die Autorität des Amtes.

Von Oliver Meiler, Marseille Angriffig, stark gestikulierend, pädagogisch im Stil: Nicolas Sarkozys Fernsehauftritt am Montagabend zur besten Sendezeit war fein einstudiert. So jedenfalls machte es den Anschein. Nicht nur inhaltlich – auch die Körpersprache des französischen Präsidenten, der den Journalisten David Pujadas von France 2 zu einem einstündigen Interview im Garten des Elysée-Palasts empfing, wirkte nicht zufällig. Es galt, wieder an Statur zu gewinnen, die Autorität des Amtes zu festigen, sein Handeln in einen grossen Kontext zu stellen, vehement alle Kritik abzuwehren. «Das ist eine Schande! Das sind alles Lügen!», sagte Sarkozy zu den Vorwürfen der Käuflichkeit seiner Partei und einiger Politiker. «Doch ich habe nichts anderes erwartet: Wenn man mit Reformen, wie ich das seit drei Jahren tue, die Gewohnheiten brüskiert, stört das gewisse Leute.» Der Präsident hält sich für das Opfer eines Komplotts – und sieht sich als Opfer seines eigenen entschlossenen Handelns. Den mutmasslichen Parteispendenskandal um die Milliardäre Bettencourt, die Erben des L’Oréal-Imperiums, die über viele Jahre rechte Politiker mit illegalen Bargeldzahlungen bedacht haben sollen, schob er mit einer rhetorischen Gegenfrage vom Tisch: «Sehe ich denn aus wie einer, der zu den Bettencourts zum Dinner geht und die Villa mit einem Umschlag verlässt?» Pujadas wirkte leicht betreten, er ging zur nächsten Frage über. Unterstützung für Eric Woerth Wie erwartet, stärkte Sarkozy seinem angeschlagenen Arbeitsminister Eric Woerth erneut den Rücken – mittlerweile auch gegen den Willen etlicher Mitglieder der Regierungsmehrheit. «Woerth ist ein ehrlicher, kompetenter Mann, der mein ganzes Vertrauen geniesst.» Er trage die Prüfung, der er seit drei Wochen ausgesetzt sei, mit «viel Würde». Sarkozy gestand dann aber ein, dass es vielleicht nicht ideal sei, dass die Frau seines früheren Budgetministers als Anlageberaterin für Liliane Bettencourt arbeitete, während der Gatte die Geschicke des Fiskus lenkte. Er habe Woerth ausserdem geraten, das Amt des Schatzmeisters der Regierungspartei UMP aufzugeben, um sich ganz der Rentenreform zu widmen. Manche Kritiker werden in diesen Eingeständnissen einen Beleg dafür sehen, dass die Interessenvermengungen untragbar gross sind. Sarkozy versuchte dann mit aller Macht, die Affären in seinem Kabinett kleinzureden: «Es gab einige Leichtfertigkeiten.» Und er redete dafür die Aufgaben und Reformen ganz gross. «Frankreich muss so viele Dinge regeln», sagte er, da sei es doch ein Jammer, wenn man sich mit den Petitessen von Verleumdungen aufhalte. Wichtig seien die Arbeitslosigkeit, das Staatsdefizit, die Renten, die Sicherheit und die illegale Einwanderung. «Die Franzosen wollen einen Piloten im Cockpit.» Am meisten Zeit widmete er der Rentenreform, der wichtigsten Reform der Legislaturperiode. Die schrittweise Anhebung des Rentenalters von 60 auf 62?Jahre stösst auf grossen Widerstand bei den Gewerkschaften. Sarkozy bekundet zusehends Mühe, dem Volk in der Krise Opfer abzuverlangen. Zumal unter den kleinen Leuten, die am Ende wohl den relativ höchsten Sparbeitrag leisten müssen, die Meinung vorherrscht, die politische und wirtschaftliche Elite liessen es sich derweil recht gut gehen. Dieses Gefühl wurde im Zug der jüngsten Affären nur noch grösser. Wie glaubwürdig war er? Konnte Sarkozy die Franzosen dennoch überzeugen? Findet er zurück aus dem Popularitätstief? Die Demoskopen werden nun messen, wie glaubwürdig er wirkte. Und davon werden sie ableiten wollen, wie gross Sarkozys Chancen sind, in zwei Jahren noch einmal gewählt zu werden. Gestenreiche Verteidigung: Nicolas Sarkozy im TV-Interview. Foto: Reuters

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