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Postbote klopfte dreimal täglich an die Tür

Eine Ausstellung widmet sich der Weisslinger Post. Sie veranschaulicht den Alltag des Postboten und die Geschichte des Postbüros.

Von Elisabeth Bitterli Weisslingen – Lange ist es her, da trug der Pöstler dreimal täglich die Post aus. Briefkästen existierten noch nicht, der Bote klopfte an, trat in die Stube, wurde willkommen geheissen und erhielt da und dort einen Schluck zu trinken. An diese Zeiten erinnert bis Sonntag, 3. Oktober, eine Ausstellung im hübsch und zweckmässig erneuerten Sprützehüüsli von Weisslingen. Der historische Verein Weisslingen hat viel Zeit aufgewendet, um die vorhandenen Dokumente, Bilder, Pläne und Fotos zu ordnen. Laut Präsident Robert Widler erhielt der historische Ve-rein Hilfe vom ehemaligen Posthalter Werner Rüd, der im Archiv und der Bibliothek der Post in Bern fündig wurde: Er verfasste ein Resümee der unzähligen Daten und Erwähnungen über Weisslingen. Posthalter im eigenen Haus Der Zürcher Kalender erwähnt beispielsweise im Jahr 1800 einen Boten aus Weisslingen, der dienstags und freitags, an den Zürcher Markttagen also, in die Stadt ging, um Post abzuliefern und abzuholen. Ab 1840 sind im Archiv der Post regelmässige Postkurse erwähnt: Der Botenkurs von Zürich und jener nach Winterthur dienstags und freitags bediente auch das Dorf Weisslingen. Am Montag, Donnerstag und Samstag machte jeweils ein Bote von Winterthur aus über Kyburg ebenfalls nach Weisslingen seine Runden. Für den wöchentlich dreimaligen Gang erhielt der Mann 80.60 Franken Lohn pro Quartal. Bereits drei Jahre später errichtete die Kantonale Postverwaltung in Weisslingen ein Postbüro. Posthalter konnte nur werden, wer die nötigen Räumlichkeiten zur Verfügung stellen konnte – also hauptsächlich Hausbesitzer. Der Posthalter musste damals selbst als Bote zweimal täglich über Kyburg nach Winterthur wandern. Als Briefträger hatte er Sendungen in Weisslingen, Theilingen, Lendikon, Neschwil, Dettenried, Schwendi, Segel, Moos, Schwemmrüti und Himmelrich zuzustellen. Warum nur zehn Jahre später die Post Weisslingen abgestuft und in eine Ablage umgewandelt wurde, ist nicht genau dokumentiert. Ob es mit der Postkutsche zu tun hatte, die ab 1835 von Winterthur das Tösstal aufwärts bis nach Wald verkehrte? Oder damit, dass «im Tal unten» mehr Menschen wohnten? Anfang des 20. Jahrhunderts schrieb der Postchronist in Zürich: «Weisslingen entwickelt sich zu einem Garten wohlgepflegter bäuerlicher Siedlungen, und die bescheidene Industrie trägt regen Anteil an der aufsteigenden Entwicklung des Postverkehrs.» Insgesamt ist die Post Weisslingen siebenmal umgezogen. Und erst 1971 wurde für die Postzustellung im hügeligen Wohngebiet ein Auto eingesetzt. Die Ausstellung «Trari, trara – die Post ist da» ist jeweils mittwochs 18 bis 21 Uhr, samstags 11 bis 17 Uhr und sonntags 14 bis 17 Uhr geöffnet. Das Sprützehüüsli steht im Zeichen der Post. Foto: René Kälin

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