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Ponyquäler-Prozess: Der Tieranwalt begrüsst das harte Urteil gegen den Reitlehrer und Tierarzt

Weil er Pony Karioka leiden liess, hat das Bezirksgericht Winterthur einen bekannten Military-Reiter zu einer hohen Geldstrafe verurteilt.

Von René Donzé Winterthur – Überraschend hart ist das Urteil gegen den Neftenbacher Tierarzt und mehrfachen Military-Schweizer-Meister Jörg Bodenmüller ausgefallen. Das Bezirksgericht verurteilte ihn wegen Tierquälerei zu einer bedingten Geldstrafe von 210 Tagessätzen à 100 Franken und einer Busse von 4000 Franken. Zudem muss er die Gerichtskosten von 3000 Franken übernehmen. Tieranwalt Antoine F. Goetschel sagte nach der mündlichen Urteilseröffnung gestern Freitagnachmittag: «Das ist eines der schärfsten Urteile, das ich in meinem Amt erlebt habe.» In der Regel würden Verstösse gegen das Tierschutzgesetz mit 90 bis 120 Tagessätzen bestraft. «Aber ich bin natürlich froh aus Sicht des Tieres», fügte er an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Bodenmüllers Verteidiger liess durchblicken, dass er dazu tendiert, den Fall weiterzuziehen. Qualen in Kauf genommen Der Schuldspruch geht zurück auf einen Vorfall im Jahr 2007. Bodenmüller liess seine Lehrtochter das zehnjährige Pony Karioka an der Longe im Kreis herumführen. Das ehemalige Polopony sollte zu einem Reit- und Spazierpferd umgeschult werden. Den Kopf des Tieres hatte die Lehrtochter mit den Schlaufzügeln ausgebunden, das heisst, in einer geneigten Haltung fixiert. Da das Pony mehrmals stürzte, rief Bodenmüller eine zweite Lehrtochter zu Hilfe und liess noch stärker ausbinden. Das Tier stürzte erneut. Dann bäumte es sich zweimal auf, kippte nach hinten, fiel auf den Kopf und zog sich einen Schädelbruch zu. Bodenmüller versorgte das Pony mit Schmerzmitteln, verliess die Halle und kam erst Stunden später zurück, als bereits der von Dritten herbeigerufene Bezirkstierarzt und die Polizei vor Ort waren. Am Abend wurde Karioka im Tierspital eingeschläfert (TA vom 19. und 20. August). Aus Sicht des Gerichts hatte Bodenmüller das Tier mit seinen Anweisungen während des Trainings überanstrengt und nach dem Unfall vernachlässigt. Deshalb sprach es ihn wegen mehrfachen Vergehens gegen das Tierschutzgesetz schuldig. Besonders schwer wiege, dass er nach dem Unfall verschwand. «Das Pony hätte die volle Aufmerksamkeit des Tierarztes gebraucht.» Stattdessen beauftragte er eine Lehrtochter, das verletzte Pony zu überwachen. Die im Pferdetraining gängige Praxis des Ausbindens an sich hatte das Gericht nicht beurteilt. Es stellte aber fest, dass Bodenmüller die Überanstrengung des Tieres in Kauf genommen und dessen Signale nicht ernst genommen habe. «Spätestens als es sich das erste Mal aufbäumte, hätte er das als Warnung erkennen müssen.» Dennoch habe er die Lehrtöchter zum Weitermachen angehalten. «Er wollte zu viel, zu schnell und alles auf einmal erreichen.» Die mitangeklagte Lehrtochter sprach das Gericht frei. Sie habe bloss auf Anweisung des Chefs gehandelt und sich nicht zu wehren getraut, da er ihr kurz zuvor mit der Kündigung gedroht hatte. Gegen die andere Lehrtochter war das Verfahren schon früher eingestellt worden. Das schwer verletzte Pony wurde nach Zürich transportiert. Foto: Mathias Bodenmüller

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