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Ponyhof steht vor dem Aus

Andrea Schmidt hält 20 Pferde mitten in Bassersdorf. Weil dies nicht zonenkonform ist, müssen sie weg. Ihr Partner hat deshalb eigens einen Hof bei Kloten gekauft. Doch auch dort dürfen die Tiere nicht bleiben.

Von Sarah Sidler Bassersdorf/Kloten – Der Ponyhof Riit-Muus liegt in einem Wohnquartier von Bassersdorf. Andrea Schmidt erteilt dort seit fünf Jahren Kindern aus der Umgebung Reitstunden, arbeitet mit Behinderten des Vereins Insieme zusammen und beschäftigt zwei Lehrlinge. Doch der Ponyhof muss bis zum Sommer geräumt sein. «Die Haltung so vieler Tiere ist nicht zonenkonform. Sie müssen deshalb weg», sagt Patrick Baumgartner, Abteilungsleiter Bau und Werke in Bassersdorf. In der Wohnzone sind nicht mehr als vier Pferde erlaubt. Die befristete Bewilligung der Gemeinde läuft ab. «Mir steht das Wasser bis zum Hals», sagt die zierliche Frau. Seit Jahren suche sie nach alternativen Standorten für ihre 20 Pferde, doch erfolglos. Die meisten sind für sie unbezahlbar: 2,5 Millionen Franken für den Kauf eines Werkhofs kann die Unterländerin ebenso wenig aufbringen wie 10 000 Franken für die monatliche Miete von 13 Boxen. Nirgends Platz für Pferdehaltung Vor einiger Zeit schien es, als habe ihr Lebenspartner Georg Langhart die Lösung gefunden: Ein Bauer im Weiler Eigental bei Kloten gab auf und verkaufte ihm den Hof mit viel Umschwung zu einem bezahlbaren Preis. Doch bald stellte sich heraus: Auch dort ist das Halten von 20 Pferden nicht erlaubt. «Die hobbymässige Pferdehaltung mit mehr als vier Pferden ist ausserhalb des Baugebiets nicht zulässig», sagt René Loner von der Medienstelle der kantonalen Baudirektion. Der Weiler Eigental liegt in der Landwirtschaftszone. Diese Zone ist der produktiven Landwirtschaft vorbehalten. Und der Einsatz von Pferden gilt nicht als landwirtschaftliche Tätigkeit. Doch das Paar gibt nicht auf. «Wir versuchen nun gemeinsam mit der Stadt Kloten, durch einen Gestaltungsplan die Umzonung des Hofs Eigental zu erreichen», sagt Langhart. Loner hält die angestrebte Ausscheidung einer Pferdesportzone indes für keinen Erfolg versprechenden Ansatz. «Dieser müsste am ehesten im Zusammengehen mit einem grösseren Landwirtschaftsbetrieb gesucht werden», sagt er. Es scheint, als gäbe es keine Lösung für den Ponyhof. Patrick Baumgartner, der Leiter der Bassersdorfer Bau- und Werkabteilung, formuliert das so: «Diese Nutzung mit Pferden hat nach neuer Gesetzgebung nirgends Platz.» Die rigorosen Vorschriften könnten Schmidts Existenz zerstören. Die Pferde sind ihr Lebensunterhalt. In Zukunft wollte sie mit ihren Pferden und Lehrlingen auf dem Hof im Eigental arbeiten. Daraus wird nun nichts. Und ein Reitbetrieb mit weniger als 20 Pferden rentiere nicht: Sie benötige all ihre Tiere, um überleben zu können. Gefragte Therapieplätze Auch die Pläne ihres Partners Georg Langhart basierten auf der Pferdehaltung. Er betreibt in Bassersdorf das sozialpädagogische Jugendtraining Anker. Eine Institution, die verhaltensauffälligen Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren nachschulische Bildung, Hilfe bei der Berufsfindung, Integration in den Erwerbsprozess und das Beherrschen praktischer Alltagsfertigkeiten vermittelt. Die Pferde sollten den Jugendlichen in der neuen Aussenstation im Eigental Halt geben und zu einem strukturierten Tagesablauf verhelfen. «Unser Jugendtraining funktioniert ohne Pferde nicht wirklich», sagt Langhart. Die Pferde würden als Brücke zwischen den Jugendlichen und ihren Betreuern dienen. Langhart versteht die aktuelle Rechtslage nicht: «Obwohl solche Therapieplätze, wie wir sie im Eigental anbieten wollen, überaus gesucht sind, kämpfen wir mit Schwierigkeiten.» Er macht geltend, dass immer mehr Jugendliche psychisch Probleme hätten und die Jugendanwaltschaften überlastet seien. «Wir könnten wöchentlich zwei bis drei neue Personen aufnehmen.» Mit 18 Jugendlichen sei seine Institution ausgebucht. Trotzdem muss er jetzt aus wirtschaftlichen Gründen den Verkauf des Hofs im Eigental in Betracht ziehen. Zäune verboten Die schwierige Situation hat bei Andrea Schmidt Spuren hinterlassen. Vergangenes Jahr wurde sie schwer krank. Gleichwohl arbeitet sie heute wieder mindestens zwölf Stunden täglich, sieben Tage die Woche. Die Einnahmen reichten gerade, um die Tiere zu unterhalten und zu füttern. «Ich habe keine Kraft mehr, um neben der täglichen Arbeit weiter einen neuen Hof zu suchen», sagt sie. Schmidt weiss von anderen Pferdehaltern, die sich an den Gesetzesparagrafen ebenfalls aufreiben würden. Beispielsweise dürften um Pferdeweiden in Landwirtschaftszonen keine fixen Zäune errichtet werden. Andrea Schmidt beim Satteln eines Ponys für ihren Kinderreitkurs in Bassersdorf.Foto: Reto Oeschger

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