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Polizeibesuch war Liliane Bettencourt «unangenehm»

Die L’Oréal-Erbin beziffert ihr Vermögen auf 15,6 Milliarden Euro. An vieles anderes vermag sie sich angeblich nicht zu erinnern.

Von Oliver Meiler, Marseille Das Alter bringt auch Privilegien. Liliane Bettencourt, 87 Jahre alt, Frankreichs reichste Frau und Hauptaktionärin des Kosmetikkonzerns L’Oréal, brauchte sich nicht an den Sitz der Pariser Finanzbrigade zu begeben: Die Brigade kam zur Anhörung der alten Dame nach Neuilly-sur-Seine, in die Gemächer der Villa Bettencourt, dem mutmasslichen Schauplatz einer ungesunden Verflechtung zwischen Milliardären und Ministern, zwischen Grosskapitalismus und Politik. Und dennoch klagte die betagte Milliardenerbin über den Besuch. Sie liess nach der zweistündigen Unterhaltung mit der Finanzpolizei ausrichten, dass ihr der Anlass «sehr unangenehm» gewesen sei. Liliane Bettencourt musste nach ihrer Rückkehr aus den Ferien in Spanien erklären, wie es kam, dass sie den französischen Steuerbehörden über Jahre hinweg mindestens zwei Schweizer Bankkonten mit insgesamt 78 Millionen Euro und den Besitz einer Trauminsel im Indischen Ozean, die Île d’Arros bei den Seychellen, verheimlicht hatte. Sie sind nur ein kleiner Teil ihres beträchtlichen Vermögens: Sie bezifferte es nun selber auf 15,6 Milliarden Euro, was ungefähr dem Mittelwert dessen entspricht, was die einschlägigen Wirtschaftsmagazine für ihre Ranglisten der Reichsten der Welt jeweils schätzten. Allein Bettencourts 30-Prozent-Anteil an L’Oréal ist 14,5 Milliarden wert. Nach der Publikation ihrer Vermögensverhältnisse ersuchte Liliane Bettencourt die Öffentlichkeit, man möge sie fortan in Ruhe lassen mit Fragen über private Dinge. Doch ihr Privatleben ragt längst so mächtig in die Öffentlichkeit, dass so schnell keine Ruhe einkehren wird. Besonders interessiert ist die Justiz an der viel diskutierten Grosszügigkeit der Bettencourts gegenüber konservativen Politikern und Parteien, zuletzt vor allem jener des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Mit Hunderttausenden von Euro soll dessen Wahlkampagne 2007 unterstützt worden sein – heimlich und illegal. Grosszügiger Verstorbener Liliane Bettencourt sagte in der Spendenaffäre jetzt aus, die Finanzierung der Politik habe «nie im Zentrum meines Interesses» gestanden. Das sei «eher» die Domäne ihres 2007 verstorbenen Gatten André Bettencourt gewesen. Ihre Beziehung zum Ehepaar Woerth, das eine zentrale Rolle im laufenden Sommertheater spielt, beschrieb Bettencourt bei der Anhörung lediglich als «episodisch». An Eric Woerth, dem früheren Budget- und heutigen Arbeitsminister, hängt der Verdacht, er habe der Milliardenerbin geholfen, Steuern zu sparen als Gegenleistung für die Spenden, die sie der Partei habe zukommen lassen, deren Schatzmeister der Minister noch bis Ende Monat ist. Seine Gattin, Florence Woerth, arbeitete bis vor einigen Wochen als Anlageberaterin für Bettencourt – offenbar auf Geheiss des Ministers. Und da spricht Liliane Bettencourt von «episodisch». Versagt ihr Gedächtnis in den Dossiers, die man ihr nun vorlegt? An vieles kann sich die alte Dame angeblich nicht mehr erinnern. Manches ist ihr wohl auch einfach unangenehm im plötzlichen Wirbel um ihre Person. Bildlegende. Foto: Vorname Name (Agentur)

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