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poesie des alltags

Er verdeckte den Eiffelturm mit Backsteinen und wurde dank einer Gabel berühmt: Fotoikone André Kertész.

von rita preuss Fotografie 1925 kam André Kertész als ungarischer Emigrant nach Paris. Er beherrschte weder die Sprache, noch hatte er Beziehungen zu Künstlern oder der Presse.Doch auch als unbekannter Fotograf tat er von Anfang an nur das, was er für richtig hielt. Unbeeindruckt von den gängigen Trends und Vorlieben in der Fotografie, kümmerte sich Kertész erst am Ende um den Verkauf seiner Bilder. Selbst für das wohl am meisten fotografierte Wahrzeichen von Paris, den Eiffelturm, wählte er eine ungewohnte Perspektive: Er rückte ihn in den Hintergrund, wo er zum Teil sogar von hoch aufgetürmten Ziegelsteinen verdeckt wird. Auf seinen Streifzügen durch Paris entwickelte Kertész ein besonderes Gespür für scheinbar banale Motive und Situationen, die er meisterhaft mit der Kamera festhielt. Seine Markenzeichen sind ungewohnt hohe Standpunkte und lange Schatten, mit denen er Gegenstände betonte und Raum für eine poetische Atmosphäre schuf. 1929 wurde er mit seinem Foto «Die Gabel» berühmt, das er nach einem Essen mit Freunden aufgenommen hatte. Das schlichte Motiv mit seinem raffinierten Schattenspiel löste Begeisterung aus. Fast gleichzeitig experimentierte er mit Vexierspiegeln, die er in seiner Aktserie der «Distorsions», einer Auftragsarbeit für ein Herrenmagazin, einsetzte. Die erotisch posierenden Modelle verwandeln sich im Spiegel in grotesk verzerrte Monstrositäten. Über 25 Jahre nach dem Tod von Kertész (1894–1985) macht die Retrospektive mit rund 250 Arbeiten deutlich, welche besondere Bedeutung er für die Fotografie des 20. Jahrhunderts hat. Massgeblich beeinflusst hat Kertész etwa seinen jüngeren Kollegen Henri Cartier-Bresson. Parallel zu der grossangelegten Winterthurer Ausstellung ist die erste umfassende und reich bebilderte Monografie zu André Kertész im Hatje-Cantz-Verlag erschienen. Auf dem langen Weg der Fotografie zur anerkannten Kunstgattung leistete Kertész Pionierarbeit. Grausige Verdrehung oder subtile Erotik? Bei Kertész’ «Distorsions» schliesst sich das nicht aus. Vernissage Fr 25.2., 18–21 Uhr Bis 15.5.Di–So 11–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr Bilder: André Kertész/Fotomuseum Winterthur/zvg; Kurt Caviezel/Fotostiftung Schweiz/zvg

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