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Plädoyer eines gefallenem Gurus Silvio Scaglias Kampf um Öffentlichkeit

In Rom beginnt der Betrugsprozess gegen Silvio Scaglia, den Gründer von Fastweb. Die Swisscom schaut genau hin. Der Gründer von Fastweb wartet im Hausarrest auf seinen Prozess. Er plädiert für seine Unschuld in einem Blog – täglich aufdatiert und fast ungelesen.

Von Oliver Meiler, Rom Auf Silvio Scaglias Blog läuft eine digitale Uhr, eine Zeitrechnung in eigener Sache – in Tagen, Stunden, Minuten und Sekunden. Seit 249 Tagen steht der 52-jährige Italiener, den die Presse einst einen «Guru der neuen Technologien» nannte, weil er mit seiner Firma Fastweb Italien mit Glasfasern verkabelte, unter Arrest. Es ist ein Hausarrest mit einigen kleinen Privilegien, den er in seiner Villa im Aostatal verbringt. Zweimal in der Wo-che darf er raus. Er darf seit einigen Wochen auch vom Balkon aus mit Nachbarn und Passanten reden, was ihm zuvor verboten gewesen war. Ansonsten lernt er Chinesisch, liest Prozessakten und betreut seinen Blog mit der grossen Uhr: Nach 249 Tagen Haft beginnt nun heute Dienstag in Rom sein Strafprozess, der auch die Schweiz interessiert – am meisten natürlich die Swisscom, die Fastweb 2007 gekauft hat, ohne das wahre Ausmass der Wirren zu kennen. Es wird ein kurzer Prozessauftakt sein, mehr eine Formsache, bevor die Richter das Verfahren aus technischen Gründen vertagen – wohl auf den 23. November. Gut möglich, dass sich das Gericht dann nochmals einige Wochen Aufschub gönnt, weil es bereits mit der Schlussphase eines anderen grossen Wirtschaftsprozesses beschäftigt ist. Und so werden sich die Hafttage, -stunden, -minuten und -sekunden des Silvio Scaglia noch eine Weile addieren. Über Nacht zum Milliardär Ihm wird vorgeworfen, er habe als Gründer und Präsident von Fastweb einer «kriminellen Vereinigung» angehört, die mit falschen Rechnungen für fiktive Dienstleistungen, die über das Ausland abgewickelt wurden, Italiens Fiskus um Hunderte von Millionen betrogen habe – in Form von umgangenen Mehrwertsteuern. Er beteuert, er habe von alledem nichts gewusst, sei viel mehr selber getäuscht worden von der Bande. Seine Ankläger aber behaupten, Scaglia könne in seiner Position gar nicht nichts gewusst haben von den Machenschaften in seiner Firma – selbst dann nicht, wenn verdächtige Aktivitäten zwischen 2004 und 2007 von Strohfirmen getätigt und später offenbar auch von unabhängigen Audits genehmigt wurden. Bei den Ermittlungen ist viel Material zusammengekommen: 1600 Seiten ist die Akte lang. Für Scaglias Anwälte steht darin aber nichts, was ihren Mandanten direkt und konkret belasten würde. Sie halten ihn deshalb für ein Opfer einer selektiven Justiz, die aus ihm einen Sündenbock machen wolle. Rückblende: Als Scaglia Fastweb 2007 an die Swisscom verkaufte, waren in Italien zunächst viele überrascht. Der CEO der Firma, Stefano Parisi, hatte nur Tage davor öffentlich kundgetan, Fastweb werde nicht verkauft. Aus der Sicht der Ermittler stiess Scaglia Fastweb womöglich deshalb so schnell ab, weil er von den laufenden Untersuchungen erfahren hatte, darum um den Erlös aus seinem Unternehmen bangte und die Hin-tergründe mit einer schnellen Veräusse-rung verwischen wollte. Die Übernahme durch die Swisscom machte Scaglia über Nacht zum Milliardär. Das Wirtschaftsblatt «Forbes» führte ihn als Nummer 13 unter Italiens Vermögendsten. Scaglia gründete neue Firmen, zog nach London, arbeitete viel und genoss das Leben. Bis die Justiz im letzten Februar aktiv wurde und bei einer Razzia 55 Personen festnehmen liess, u. a. auch Mitarbeiter der Konkurrentin und Komplizin Telecom Italia Sparkle, die mutmasslich mit dem Betrug in Verbindung standen. Scaglia selber war gerade im Ausland – in den Ferien in der Karibik –, als die Polizei auftrat. In den italienischen Medien wurde darüber spekuliert, ob er wohl im «Exil» bleiben, nie mehr nach Italien zurückkehren würde. Doch bereits drei Tage später meldete sich Scaglia bei der Justiz, was seine Anwälte für einen weiteren Beleg dafür verstanden haben wollen, dass er sich nichts vorzuwerfen habe und dass seine Biografie in Wahrheit ohne Bruch fortge-schrieben werden könne. Zunächst ver-brachte er drei Monate in Einzelhaft im Römer Gefängnis Rebibbia. Keine schöne Adresse, ein Makel in seinem linearen, steilen Lebenslauf – der Bruch. Aufstieg, Umstieg, Einstieg Auf seinem ständig aktualisierten Blog, der sich wie ein Plädoyer liest und noch einmal an alle Elogen aus früheren Jahren erinnert, erzählt er die wichtigsten Etappen seines Lebens: von der Geburt in Luzern, seiner Kindheit in Novara, dem Aufstieg zum Berater von McKinsey, dem Umstieg zu Piaggio bis zum Einstieg in die Telecombranche, die ihm die vielen schönen Titel eintrug. Auch seine Frau geht nun an die Öffentlichkeit, rüttelt an der Anklage, am angeblichen Schweigen der Medien. In einem Gespräch mit der Zeitschrift «Io Donna» klagte sie am Wochenende, dass ihr Mann, der doch nichts verbrochen habe, weniger Gehör finden würde als ein Mörder. «Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Weiterlesen ist nicht erforderlich.» Vorname Name «Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Weiterlesen ist nicht erforderlich.» Vorname Name Stolzer Unternehmer: Silvio Scaglia im Oktober 2002 bei einer Fastweb-Präsentation. Foto: Prisma Bildlegende. Foto: Vorname Name, Agentur

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