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Pilze in Hülle und Fülle

Dieses Jahr spriessen die Pilze früh und in grosser Menge aus dem Boden. Unterländer Pilzkontrolleure haben alle Hände voll zu tun.

Von Sarah Sidler (Text)und David Baer (Bilder) Stadel – Wer beim letzten Waldspaziergang das Gefühl hatte, dass dieses Jahr ein gutes Pilzjahr ist, liegt richtig. Bereits seit August sind die Pilze im Zürcher Unterland in grosser Zahl vorhanden. «Während das letzte Jahr das schlechteste Pilzjahr der vergangenen zehn Jahre war, ist dieses ein besonders gutes», sagt Heinz Rafreider, Pilzkontrolleur von Hochfelden bis Niederweningen. Der 62-Jährige ist insgesamt für zwölf Gemeinden im Zürcher Unterland verantwortlich. Der nasse Frühling und der häufige Regen im Sommer begünstigt das Wachstum der Pilze: «Sie mögen Regen und warme Temperaturen», sagt Rafreider. Offiziell tritt er seinen Dienst als öffentlicher Pilzkontrolleur jeweils nach den Sommerferien an. Doch dieses Jahr wurde er früher darum gebeten, sich Pilze anzuschauen. «Etwa zehn Pilzsammler haben mich Anfang August darum gebeten, ihre Ware zu kontrollieren.» Das seien viel mehr als üblich. Wegen der guten Witterung seien beispielsweise die Totentrompeten etwa einen Monat früher gewachsen als üblich. Hexenröhrlinge, Fichtenreizker, Täublinge und Perlpilze seien dieses Jahr häufig vorhanden. Besonders Letzterer komme selten in einer solch grossen Menge vor. Genschädigende Substanzen Rafreider hat dieses Jahr nicht nur früher mit dem Kontrollieren begonnen, sondern hat auch einiges mehr zu tun: «Ich habe bis jetzt bereits 50 Prozent mehr Pilze zu kontrollieren als im vergangenen Jahr», sagt er. Die Sammler würden unüblich grosse Mengen Pilze zur Kontrolle bringen. Darunter befänden sich jedoch auch viele ungeniessbare Exemplare. Der Stadler hat dieses Jahr bereits giftige Satansröhrlinge und nicht essbare Schirmlinge aussortiert. Mit dabei einen weissen Rasling, der genschädigende Substanzen aufweist. Nicht immer halten die Sammler die erlaubte Höchstmenge von einem Kilogramm pro Person ein. Doch es liegt nicht in Rafreiders Kompetenz, Bussen auszusprechen: «Ich weiss nicht, wo die Pilze gepflückt wurden.» Die Regelungen sind in jedem Kanton anders und sein Gebiet liege nahe der Kantons- und Landesgrenze. Entgegen den städtischen Gefilden, spürt Rafreider nichts von einem Pilzboom in seinem Kontrollgebiet: «Ich kontrolliere seit 17 Jahren Pilze und habe das Gefühl, dass es während der 80er- und 90er-Jahre mehr Sammler gab als heute.» Pilze werden heute sogar eher weniger aktiv gesucht: «Biker oder Reiter kommen vorbei und zeigen Pilze, die sie zufällig gefunden haben», sagt er. Der Kontrolleur selbst geht etwa einmal pro Woche auf Pilzsuche. Doch nicht unbedingt, um sich daraus ein feines Nachtessen zuzubereiten: «Ich bin fasziniert von ihrem Zweck in der Natur», sagt er. Leider gebe es auch bei den Pilzen eine rote Liste: Ein Drittel aller Schweizer Pilze gilt als gefährdet. Es gebe Arten, die leben in Symbiose mit Bäumen, es fände ein Stoffaustausch statt: Der Pilz bekomme vom Baum Kohlenhydrate. Umgekehrt gebe der Pilz dem Baum mineralische Nährstoffe ab. Dadurch werden beispielsweise die Baumwurzeln vergrössert, was wiederum Schadpilze abwende. Es gibt jedoch auch das Gegenteil: «Die Krause Glucke kriecht bei Föhren bis zu drei Meter den Stamm hoch. Das ist langzeitlich tödlich für diesen Baum.» Und sogenannte Nachfolgepilze bauen beispielsweise Holz, Blätter, Nadeln und Zapfen ab, was Nahrung für Lebewesen wie Asseln ergibt. «Diese spannenden Beziehungen sehen leider die wenigsten. Es ist ein grosser Schritt vom Magenbotaniker zum Pilzkenner.» Pilzkontrollstellen im Zürcher Unterland findet man unter: www.vapko.ch. Heinz Rafreider hält einen Dickfuss, am Stamm wachsen grünblättrige Schwefelköpfe. Essbar sind die Maronen- und Hexenröhrlinge sowie der seltene Eispilz.

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