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Opfiker hält etablierte Meinungsforscher auf Trab

Macht der Unterländer Richard Muffler mit seiner Firma SwissOpinion präzisere Abstimmungsprognosen als Claude Longchamp und Co.?

Von Andrea Söldi Opfikon – Das Opfiker Markt- und Meinungsforschungsinstitut SwissOpinion bringt die renommierten Institute in Bedrängnis. Denn vor dem Urnengang zur Revision der Arbeitslosenversicherung (ALV) hat es zum ersten Mal Umfrageergebnisse zu einer Volksabstimmung publiziert. Und diese lagen deutlich näher beim tatsächlichen Ausgang der Abstimmung als jene des Instituts GfS Bern, dessen Inhaber Claude Longchamp regelmässig Aufträge vom Schweizer Fernsehen erhält. Genüsslich liess sich die «Weltwoche», die die Umfrage des Opfiker Unternehmen publiziert hatte, über die erneute Schlappe des «Monopolisten in Sachen Meinungsforschung» aus. Inhaber von SwissOpinion ist Richard Muffler, der für die SVP im Opfiker Parlament sitzt. Das Institut machte bereits von sich reden, als es für die «Weltwoche» eine Umfrage in angrenzenden Ländern durchführte. Die Nachbarn wurden gefragt, ob sie der Schweiz beitreten möchten. SwissOpinion wendet die Methode Interactive Voice Response (IVR) an, die von etablierten Instituten äusserst kritisch beurteilt wird: Anstatt einen persönlichen Interviewer hört der Befragte eine Stimme ab Tonband und antwortet mittels Tastendruck. «Unseriös», wettert etwa Matthias Kappeler, Inhaber des Instituts Isopublic, der sich mit Muffler zudem wegen eines Namenstreits in den Haaren liegt. Zwischen dem 6. und dem 9. September, also etwa zweieinhalb Wochen vor der Abstimmung zur ALV-Vorlage, hatte SwissOpinion knapp 2000 Personen befragt. Damals gaben 45 Prozent an, für die Vorlage zu sein, 39 Prozent waren dagegen und 16 Prozent noch unentschieden. Am 26. September wurde die Vorlage schliesslich mit 53,4 Prozent Ja- gegen 46,6 Prozent Nein-Stimmen angenommen. SwissOpinion hatte somit das Verhältnis zwischen Befürwortern und Gegnern sehr genau abgebildet. In der Umfrage betrug der Unterschied 6 Prozent, bei der Abstimmung 6,8 Prozent. Nächste Abstimmung steht an Mit 48 Prozent Befürwortern erzielte GfS Bern, das seine Umfrage praktisch gleichzeitig durchführte, fast dasselbe Resultat. Deutlich weiter weg vom Endergebnis lag es bei den Ablehnenden: Lediglich 30 Prozent der persönlich Befragten sprachen sich gegen die Revision aus. Dies, obwohl GfS Bern auch im Tessin Interviews führte, wo die Sympathien für die Vorlage nicht gross waren. SwissOpinion hingegen hatte die Telefonanrufe auf die deutsch- und französischsprachige Schweiz beschränkt. «Dass SwissOpinion genauer ist als wir, ist schlicht eine Interpretation», wehrt GfS-Inhaber Claude Longchamp ab. Wenn man die Unentschiedenen im Verhältnis 2:1 zugunsten der Gegner verteile, sei GfS Bern sogar näher dran als SwissOpinion. Denn ein grosser Teil der Unentschlossenen schlage sich erfahrungsgemäss dem Nein-Lager zu. «Wer sich nicht entscheiden kann, tendiert häufig zum Status quo oder geht am Ende doch nicht stimmen.» Barbara Felix vom Verband für Markt- und Sozialforschung meint, das präzise Resultat von SwissOpinion könnte auch zufällig zustande gekommen sein. Um die Methode zu beurteilen, würden die Kriterien fehlen. Denn die Qualität und Genauigkeit einer Umfrage hänge von sehr vielen Faktoren ab: etwa vom Adressmaterial, der Ziehung der Stichprobe, dem Interviewer, der Verarbeitung und Analyse der Daten. Der IVR-Methode, die in den USA häufig benutzt wird, räumt Felix in gewissen Bereichen durchaus eine Berechtigung ein. Ganz sicher ist sich Muffler auch noch nicht, dass seine Methode zuverlässig ist. Der Unternehmer, der mit seiner Hauptfirma Telefonsysteme entwickelt und verkauft, testet IVR seit gut zwei Jahren an Volksabstimmungen, ohne die Ergebnisse zu publizieren. Sie seien jedoch stets näher am Ergebnis gewesen als diejenigen der renommierten Institute. «Die Entwicklungsphase ist noch lange nicht abgeschlossen. Jede weitere Umfrage wird von neuen Tests begleitet», sagt der Unternehmer, der mit Wissenschaftlern zusammenarbeitet. SwissOpinion hat von der «Weltwoche» die Zusage erhalten, bis auf weiteres alle Umfrageergebnisse zu publizieren. Bereits befindet sich Muffler in den Startlöchern für die nächste Abstimmung: die von seiner Partei lancierte Ausschaffungsinitiative. Der Opfiker ist zuversichtlich: «Wir vermuten, dass SVP-Gesinnte einem Computer gegenüber ehrlicher sind als im Gespräch mit einem persönlichen Befrager.»

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