Zum Hauptinhalt springen

Oldtimer-Zentrum in Horgen stösst auf Widerstand

Touristiker und Standortförderer sind begeistert, SP und Grüne melden aber Bedenken an.

Von Nicole Trossmannund Marco Morosoli Horgen – Der Plan für ein riesiges Oldtimerzentrum in Horgen erhitzt die Gemüter. Nach den Ideen der deutschen Firma Meilenwerk sollen in den früheren Grob-Fabrikhallen rund 30 Oldtimerhändler, Reparaturwerkstätten, Versicherungen und Fachhändler einziehen, zudem sind gläserne Einstellplätze geplant. Beat Ritschard, Geschäftsführer Standortförderung Zimmerberg Sihltal, unterstützt das Vorhaben, da das Zentrum als «überregionaler Anziehungspunkt» zum Markenzeichen des Bezirks werden könnte: «Ein solches Oldtimermuseum würde die Region wohl prägen.» Skeptisch macht ihn die Zahl der 500 000 anvisierten Besucher pro Jahr: «Mir scheint, dass diese Erwartung etwas hochgesteckt ist.» Gleichzeitig könne eine solch enorme Zahl in der Region auch «Ängste hervorrufen». Frank Bumann, Direktor von Zürich Tourismus, begrüsst das Vorhaben. Das Zentrum würde das Freizeitangebot in der Region stärken und viele Menschen nach Horgen locken: «Das Meilenwerk deckt eine Nische ab, die auf ein breites Interesse stossen wird.» Noch deutlichere Worte findet Karin Stalder, Geschäftsleiterin Rapperswil Zürichsee Tourismus: «Wenn ein solches Angebot kommt, dann ist das der Hammer.» Entzückt von der Idee ist auch Franziska Bärtsch vom Verein Oldtimer im Sihltal, die zudem Präsidentin des Handwerk- und Gewerbevereins Adliswil ist. Vergleichbare Angebote sind ihr nur von Deutschland bekannt. Da einige Mitglieder über zwanzig Oldtimer besitzen, sei ein gläserner Einstellplatz in Horgen attraktiv. Selbstredend ginge es dabei auch um Eitelkeit: «Zu wissen, dass der eigene Oldtimer täglich von vielen Besuchern bewundert wird, ist ein reizvoller Gedanke.» Bärtsch wendet jedoch ein, dass es auch auf die Preise ankommt: «In unserem kleinen Klub steckt viel Herzblut – geht es beim neuen Zentrum einzig um kommerziellen Erfolg, ist das nicht in unserem Sinn.» Monika Gysel, Präsidentin des Verkehrsvereins Horgen, will sich noch nicht auf die Äste hinauslassen und die Angelegenheit zuerst intern im Vorstand besprechen. Einzig, dass das Museum «Auswirkungen» auf Horgen habe, negiert sie nicht. Veraltete Technologie Bedenken zum Zentrum kommen von politischer Seite. Roman Ledermann, Präsident der SP Horgen, sagt: «Generiert das Zentrum tatsächlich solch grosse Besucherströme, steigt die Verkehrsbelastung wohl an. Dies würde sich negativ auf Horgen auswirken.» Er gewichtet zwar die Schaffung von Arbeitsplätzen und die gesteigerte Attraktivität Horgens höher als die mögliche Umweltbelastung. Letztere müsse man aber «im Auge behalten.» Matthias Herfeldt, Präsident der Horgner Grünen, ist nicht dieser Meinung. «Oldtimer stehen für ineffiziente Motoren und fossile Brennstoffe, welche die Umwelt belasten: Das passt schlecht zur Energiestadt Horgen.» Herfeldt wünschte sich für die Gemeinde lieber eine innovative Firma denn eine, die eine veraltete und umweltschädliche Technologie zelebriere. Weiter bemängelt er den zusätzlichen Verkehr: «Oldtimerfreaks werden wohl kaum mit dem Zug oder dem Solarmobil anreisen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch