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Offroader pflügen Ökowiese um

Fahrverbot hin oder her: Umin Kilchberg zur InternationalSchool zu gelangen, fahren etliche Automobilisten einfach durch die Ökowiese des Stockenguts.

Von Anne-Sophie Galli Kilchberg – Eigentlich gibt es für Autofahrer kein Durchkommen mehr auf der Nidelbadstrasse, die zwischen Rüschlikon und Kilchberg entlang der A 3 verläuft. Seit November treffen sie von beiden Seiten her auf eine Sackgasse. Denn das mittlere Stück der Strasse ist neu ein Veloweg und für den motorisierten Verkehr tabu. Doch das scheint vielen egal zu sein. Nicht einmal ein Pfosten in der Mitte des Veloweges hält die Automobilisten vom Durchfahren ab. Mit grossen Geländewagen steuern sie rücksichtslos durch die Wildblumen-Ökowiese des Stockenguts, um das Hindernis zu umfahren. Polizei verteilt Bussen Als Stockengut-Betriebsleiter Stephan Vetsch vor ein paar Wochen einen Anruf von der Gemeindepolizei Kilchberg erhielt, setzte er sich sofort auf seinen Traktor. Ein Lastwagen eines Umzugsunternehmens war auf seiner Ökowiese an der Nidelbadstrasse eingesunken. Rund zwei Stunden brauchte Vetsch für die Rettungsaktion. 250 Franken verrechnete er dem Lastwagenfahrer für seine Umtriebe, die Gemeindepolizei stellte zudem eine Ordnungsbusse von 100 Franken aus. Ein solcher Zwischenfall hatte sich schon länger abgezeichnet. Reifenspuren von Autos verunstalteten immer wieder die Vorzeigewiese des Stockenguts. Nur weil der Boden gefroren war, blieben die Missetäter nicht stecken. Neun Verkehrssünder musste die Polizei in den Monaten November und Dezember büssen. «Aber das sind sicher nicht alle», meint Walter Schäpper, Leiter der Gemeindepolizei Kilchberg. «Grosse Rücksichtslosigkeit» Stephan Vetsch hat seine Wiese erst kürzlich zur Artenschutzförderung angesät – und ist verärgert: «Es zeugt von grosser Rücksichtslosigkeit, wenn Leute mit ihren Geländewagen überall kreuz und quer durchs Land fahren.» Indem er die Nidelbadstrasse für den Motorverkehr gesperrt hat, wertete der Kilchberger Gemeinderat die Umgebung der Strasse zu einem Erholungsgebiet auf. «Ausserdem war die Strasse sanierungsbedürftig und zu eng für den Automobilverkehr. Velofahrer fühlten sich oft bedrängt», sagt Heinz Wernli, Leiter Tiefbauwerke in Kilchberg. Die Umgestaltung löste ein Verkehrsproblem. Denn die Nidelbadstrasse wurde von Automobilisten früher oft als Schleichweg genutzt. Zudem befindet sich dort die Mittelstufe der Zurich International School (ZIS). Heinz Wernli: «Die meisten Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, deshalb gab es in Kombination mit dem Schleichverkehr immer ein Verkehrschaos.» Jetzt ist nur noch der Verkehr der Eltern übrig, die von Richtung Rüschlikon weiterhin bis zum Anfang des Veloweges und damit bis zur Schule zufahren dürfen. Doch das ist den Eltern offenbar nicht genug. Laut Gemeindepolizist Schäpper hielten sich nicht alle an das Fahrverbot, obwohl sie von der Schule darüber informiert worden waren: «Einige Geländewagenbesitzer versuchten, von Kilchberg her den Pfosten, der die Nidelbadstrasse für den Motorverkehr sperrt, zu umfahren, um über den Veloweg zur International School zu kommen – obwohl sie dafür durch die Stockengut-Wiese fahren mussten.» Manche der gebüssten Eltern behaupteten gegenüber der Polizei, dass ihr Navigationsgerät sie durch diese Route geführt hätte. Bei der International School ist man sich des Problems nicht bewusst. Ein Fehlverhalten der Eltern sei nie beobachtet worden, und auch Reklamationen seien keine eingegangen. «Die Schule selber hat die Sperrung der Strasse immer unterstützt, da diese sehr gefährlich war», betont ZIS-Mediensprecherin Urte Sabelus. Der Pfosten nützte nichts. Jetzt werden den Autofahrern Steine in den Weg gelegt. Foto: PD

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