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«Nicht nur Ballett auf Rollschuhen»

Der 30-jährige Raphael Egli ist der erfolgreichste Schweizer Rollkunstläufer. Bei seiner letzten nationalen Meisterschaft in Basel gewann der Zürcher die Titel 48, 49 und 50 – allerdings ohne Konkurrenz.

Mit Raphael Egli sprach René Hauri Raphael Egli, ist bei Ihnen, zwei Tage nach Ihrem letzten Ernstkampf, schon Wehmut aufgekommen? Bis jetzt noch nicht. Denn ich habe noch einen Auftritt. Eigentlich hätte die Schweizer Meisterschaft mein letzter Wettkampf sein sollen, nun erhielt ich aber eine Einladung für einen Anlass im August in Shanghai. Zumindest war die Schweizer Meisterschaft Ihr letzter Titelkampf. Sie haben zum 50. Mal Gold geholt. Allerdings ohne Konkurrenz. Wie oft ist das schon vorgekommen? In den letzten fünf Jahren war ich eigentlich immer der einzige Rollkunstläufer an der SM. Vorher waren meist ein oder zwei weitere Athleten dabei. Hatten Sie schon lange den Plan, nach dem 50. Titel die Karriere zu beenden? (Lacht) Nein, das war eigentlich ein Zufall. Ich habe für meine Mutter, die früher selber gelaufen ist und meine Trainerin ist, eine Collage mit ihren Schweizer-Meister-Titeln gebastelt. Da bin ich auf die Idee gekommen, auch einmal meine zu zählen. Eigentlich wollte ich nur die Kür laufen. Mir fehlten aber noch drei Siege für die runde 50. Also habe ich auch die Pflicht und die Kombination bestritten. Ist es nicht frustrierend, ganz alleine am Start zu stehen und zu wissen, dass man ohnehin den Titel gewinnen wird? Es wäre sicher schöner gewesen, wenn ich mehr Konkurrenz gehabt hätte – vor allem auch im Hinblick auf die internationalen Wettkämpfe. Dann hätte ich mich in der Schweiz mehr anstrengen müssen. Aber ich lief ohnehin immer für mich und für das Publikum. Ich musste in erster Linie mit meiner Leistung zufrieden sein und wenn möglich den Notenschnitt vom Vorjahr verbessern. Das ist Ihnen auch in diesem Jahr gelungen. Ja schon. Aber das war wohl so etwas wie ein Abschiedsgeschenk der Jury (lacht). Denn vor zwei Wochen bin ich mit dem Motorrad gestürzt und habe den Fuss verstaucht. Ich wusste nicht, ob ich überhaupt antreten kann. Entsprechend wenig habe ich vorher trainiert. Deshalb bin ich sehr zufrieden mit meinem Auftritt. Wieso hinkt die Schweiz in der Entwicklung im Rollkunstlauf derart hinterher? Es ist nicht nur die Schweiz. Allgemein ist unsere Sportart vor allem in Ländern unbekannt, die im Eiskunstlauf stark sind. Wir erfahren wenig Aufmerksamkeit, entsprechend gross ist auch der finanzielle Aufwand. Und doch muss man vier- bis fünfmal pro Woche trainieren, um mit den Weltbesten mithalten zu können. In manchen Ländern ist Rollkunstlauf populär. Was ist Ihr eindrücklichstes Erlebnis? In Argentinien habe ich einmal einen Wettkampf vor 7000 Zuschauern bestritten, das war sehr imposant. Wie kommt man als Schweizer zu dieser Sportart? Ich bin durch meine Mutter dazu gekommen. Mit sechs Jahren habe ich meine erste Lizenz gelöst. Wie haben die Leute reagiert, wenn Sie von Ihrem Hobby erzählten? Natürlich haben sich viele darüber lustig gemacht. Wenn sie dann aber einen Wettkampf gesehen haben, mussten sie erkennen: Es ist nicht nur Ballett auf Rollschuhen, es steckt mehr dahinter. Haben Sie sich in der von Frauen dominierten Sportart wohl gefühlt? Definitiv. Ich hatte ja auch immer schöne Frauen um mich herum (lacht). Zudem war ich ja nicht immer der einzige Mann. Was kommt nach der Ära Egli? Es klafft schon eine Lücke. Der Fehler ist vor 15 Jahren passiert, als viele Läufer vorne dabei waren und der Nachwuchs vernachlässigt wurde. Beim Zürcher Rollschuh Club haben wir mittlerweile aber einige Junge, die nachkommen. Es wird aber eine Zeit dauern, bis diese auf Ihrem Niveau laufen können. Ja, das dauert schon noch eine Weile. Wir haben einen 13-Jährigen im Klub, der durchaus Potenzial hat. Aber 10 Jahre wird er schon noch brauchen, um Weltklasse-Niveau zu erreichen. Und er muss so lange durchbeissen. Sie fuhren jahrelang an der Weltspitze mit. Welches waren die schönsten Momente? Als ich 2007 in Frankreich in der Pflicht den EM-Titel gewonnen habe – das war ein Höhepunkt. Ich hatte noch nie zuvor eine EM-Medaille geholt – und dann gleich Gold. Kritiker sagten, das sei ein Zufall gewesen. Zum Glück konnte ich ein Jahr darauf den Titel verteidigen. Unglaublich schön war auch der Silbermedaillengewinn an der WM 2008 in Taiwan. Werden Sie dem Sport treu bleiben? Auf jeden Fall. Ich habe bereits als Punkterichter geamtet. Zudem möchte ich mich auch als Trainer engagieren und irgendwann in die Fussstapfen meiner Mutter treten. Der 30-jährige Adliswiler Raphael Egli hat durch seine Mutter, die einst selber Rollkunstläuferin war, zum Sport gefunden. Sie ist mittlerweile Trainerin beim Zürcher Rollschuh Club, dem auch Raphael Egli angehört. Sie coachte ihren Sohn, der mit sechs Jahren seine erste Lizenz löste, stets. Egli war in den vergangenen Jahren der Dominator der Schweizer Rollkunstlauf-Szene. Der heutige Turnlehrer gewann in seiner Karriere 50 Schweizer-Meister-Titel, zweimal EM-Gold (2007 und 2008) und einmal WM-Silber (2008). (rha) In Basel holte Raphael Egli seine letzten drei Schweizer-Meister-Titel. Foto: Dominik Plüss

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