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Neuer Anlauf für Umfahrung

Die Strasse durchs Neeracherried soll verlegt werden. Das fordern Politiker, mit Ausnahme der SVP.

Von Alexander Lanner Neerach – Die verkehrstechnische Situation im Neeracherried sorgt seit Längerem für Diskussionen. Vom grossen Kreisel mitten in einem der letzten grossen Flachmoore der Schweiz führen Wehntaler-, Dielsdorfer- und Glattalstrasse in die umliegenden Gemeinden. Diese Hauptverkehrsachsen zerschneiden das Neeracherried, das für viele Vogelarten, Pflanzen, Amphibien, Reptilien und Insekten als Lebensraum dient. Die Strassen sind demnach für die Tiere im Neeracherried eine tödliche Falle, mahnt die Kommission für Planung und Bau des Kantonsrats (KPB). Gestern hat die Kommission beim Regierungsrat eine Motion eingereicht, die eine Kreditvorlage für die Verlegung der Strassen aus dem Neeracherried fordert. Gemäss der Kommissionsmehrheit – bestehend aus CVP, EVP, FDP, Grünliberalen, Grünen und SP – soll die Kreditvorlage die Kosten für den Abbruch der Strassen sowie die Renaturierung der aufgehobenen Strassenabschnitte umfassen. Die Projektierung für die Umfahrungsstrassen sowie die Renaturierung sollen in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden und den Naturschutzverbänden geschehen. Mit der Motion wagt die KPB einen neuen Vorstoss für eine Umfahrung im Neeracherried. Obwohl sie im Richtplan eingetragen ist, kam das Amt für Verkehr Anfang Juni in einer Zweckmässigkeitsbeurteilung zum Schluss, dass auf die Verlegung der Strasse verzichtet werden solle. Stattdessen beabsichtigt der Kanton, die Strasse in der aktuellen Lage und Dimension zu sanieren. «Missachtung des Parlaments» Einzig die SVP war innerhalb der Kommission gegen die Umfahrung. Eine kleinräumige und damit verkehrstechnisch sinnvolle Variante lasse sich nicht mit den Zielen des Moorschutzes vereinbaren, argumentierten die Gegner. Anders die Befürworter: Thomas Hardegger, Gemeindepräsident von Rümlang und Präsident der KPB, hält eine Umfahrungsstrasse nach wie vor für die beste Lösung – nicht nur wegen des Moorschutzes. «Es macht doch keinen Sinn, für die baufällige Strasse durchs Ried jetzt noch Geld auszugeben.» Dass sich die kantonale Verwaltung über die im Richtplan festgehaltene Umfahrung hinweggesetzt hat, sei eine Missachtung des Parlaments, so der SP-Politiker. Auch aus juristischer Sicht sei die Sanierung der Strasse abzulehnen. So heisst es in der Moorlandschafts-Verordnung: «Die Kantone sorgen dafür, dass bestehende Beeinträchtigungen von Objekten bei jeder sich bietenden Gelegenheit so weit als möglich behoben werden.» Diese Gelegenheit bietet sich durch den schlechten Zustand der Strasse sowie den eindeutigen Richtplanentscheid des Kantonsrats. Im Richtplan ist die Umfahrungsstrasse bislang südlich des Neeracherrieds vorgesehen (siehe Grafik). Diese Linienführung ist aber nicht in Stein gemeisselt. «Die Strassenführung ist nicht parzellenscharf», stellt Hardegger klar. Es sei denkbar, dass in Gesprächen mit den betroffenen Gemeinden eine neue Variante ausgearbeitet werde. Trotzdem wird deutlich gemacht, dass eine südliche Umfahrung erwünscht sei. Damit könne etwa die Verkehrssituation in Höri verbessert werden. Eine Sanierung würde das Problem nicht lösen und die geschützte Landschaft zusätzlich durch Bauarbeiten belasten. Die Gemeinde Neerach steht Gesprächen offen gegenüber. Gemeindeschreiber Martin Kunz sagt allerdings, dass eine neue Lösung die Interessen der regionalen Verkehrspolitik stärker einbinden müsse. «Die südliche Umfahrung ist zu sehr auf den Moorschutz ausgerichtet. Den Problemen der zunehmenden Verkehrsbelastung wird dabei nicht genügend Rechnung getragen.» Aus diesem Grund habe sich Neerach – wie auch andere Gemeinden – immer gegen das «Flickwerk» ausgesprochen. «Es macht doch keinen Sinn, für die baufällige Strasse durch das Neeracherried jetzt noch Geld auszugeben.» Thomas Hardegger, Präsident KPB Aufheben statt sanieren: Die Kommission Planung und Bau des Kantonsrats spricht sich für eine Verlegung der Strasse im Neeracherried aus. Foto: TA Archiv David Baer

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