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Molche, Frösche und Nattern faszinieren ihn

In Ruedi Bärtschis Garten leben alle acht heimischen Schlangenarten. Besucher können sie in seinem Vivarium in Tablat sehen.

Von Loredana Sorg Wila – Ruedi Bärtschi öffnet in seinem Vivarium in Tablat seit Anfang Mai wieder jeden Sonntag die Tore für Familien und Spontanbesucher. Da der Tössuferweg eine beliebte Velo-, Spazier- und Skatingstrecke ist, schauen an sonnigen Tagen bis zu 70 Neugierige im Naturgarten vorbei. Dabei hatte Bärtschi gar nie geplant, eine öffentlich zugängliche Amphibien-, Reptilien- und Teichanlage zu bauen. Als er 1988 mit seiner Familie in ein altes Tösstalerhaus nach Tablat bei Wila zog, freute er sich über den grossen Umschwung und die Möglichkeit, auf der Fettwiese hinter der Autoremise einen Naturgarten mit zahlreichen Kleinstrukturen anzulegen. «Als Biologe war ich seit je von heimischen Reptilien- und Amphibienarten fasziniert», sagt Bärtschi. Dank seinem Engagement in der Umweltbildung für Pro Natura weiss er, welche Lebensräume heimische Tierarten bevorzugen. So begann er, Heckensträucher anzupflanzen. Für den Teich benötigte er einen Bagger. Vom Gärtnern über Holzschreinereiarbeiten bis zur Gestaltung von Prospekten und Arbeitsblättern scheint Bärtschi alles mit ungebrochener Motivation zu meistern.«Mein Ziel ist es, den Schulklassen und Familien die Natur vor der Haustür zu zeigen», fasst Bärtschi sein Engagement zusammen. Dass er über didaktisches Geschick verfügt, ist an den ausgeklügelten Beobachtungsstationen erkennbar. Durch einfache Metallrohre wird die Aufmerksamkeit der Besucher auf ein Detail im Garten gelenkt, sodass ein blosser Wiesenausschnitt plötzlich von Spinnen und Käfern zu wimmeln scheint. Am kleinen Holztisch neben dem Teich stehen Gefässe mit Wassertieren und Lupen bereit. «Die Tiere fange ich vor einem Gruppenbesuch jeweils mit dem Netz aus dem Teich», sagt Bärtschi, der im Teilzeitpensum als Biologielehrer an der Kantonsschule Oerlikon unterrichtet. Nachbarkatzen jagen alles Seine Begeisterung für das Vivarium mit all seinen Bewohnern hält auch nach 20 Jahren noch an. «Mittlerweile habe ich alle einheimischen Schlangenarten beisammen», erzählt er stolz. «Dabei wissen viele Besucher nicht, dass nur acht in der Schweiz vorkommen. Die Schüler schätzen deren Zahl auf 50 oder mehr.» Für so viele Terrarien würde der Platz im Vivarium und umgebenden Naturgarten jedoch nicht reichen. Während sich in der ehemaligen Autoremise der seltene Laubfrosch, Gelbbauchunken, Bergmolche und weitere Amphibien tummeln, lassen sich im Garten in grosszügigen Glasterrarien Schlangen und Schildkröten von den ersten Sonnenstrahlen wärmen. «Bald einmal musste ich feststellen, dass Nachbarkatzen alles jagten und töteten, was sich bewegte», erinnert er sich. Deshalb baute er Freilandterrarien, die naturnah eingerichtet sind und in denen die Tiere auch überwintern können.Da der Naturgarten langsam gewachsen ist, sieht jede Ecke etwas anders aus. Am linken Ende gibt Bärtschi Tipps, wie man einen Igelunterschlupf im eigenen Garten bauen kann, und rechts aussen – durch einen Asthaufen von einer Kuhweide abgetrennt – informiert eine Tafel über die Eidechsenburg. Ringelnatter vom Tössufer Seine Tiere hat Bärtschi teilweise sogar selber gefangen – so zum Beispiel eine Ringelnatter am nahen Tössufer oder eine schwarze Ringelnatter, die sich in den Keller des Schulhauses Wila verirrt hatte. Andere hat er aus Nachzuchten gekauft. Um geschützte Tierarten zu halten und einzufangen, braucht es eine offizielle Bewilligung. Da Bärtschis Ziel die Bewusstseinsbildung für einheimische Reptilien, Amphibien und Insekten ist, erteilte ihm die Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich die Bewilligung gerne. Während eines Gangs durch den Garten kann es der Biologe denn auch nicht lassen, jede Station genauer zu erklären. Zu einem Fachidioten ist er jedoch keinesfalls geworden. «Zwar interessierte ich mich schon immer für die Natur», sagt der Allrounder – «doch hätte ich ebenso gut Architektur oder Medizin studieren können.» Das Vivarium Tablat ist von Mai bis Oktober jeden Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet, ausser während der Sommerferien. Führungen auf Anfrage, auch unter der Woche. Weitere Infos gibt es unter www.vivarium-tablat.ch. Ruedi Bärtschi hat sich in Tablat sein eigenes Vivarium gebaut. Foto: D. Kündig

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