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Modernes in Dorfkerne integrieren

In Regensdorf soll in den Kernzonen zeitgemäss gebaut werden können. Die Bau- und Zonenordnung wurde deshalb abgeändert. Entsprechende Vorzeigeobjekte sind in Eglisau bereits umgesetzt worden.

Von Sandra Zrinski Unterland – Riegel, hübsche Vorgärten, Scheunen und Bauernhäuser mit grossen Ziegeldächern – all dies prägt den Charakter eines ländlichen Dorfkerns. Um dieses Bild zu erhalten, orientierten sich die Bauvorschriften für die Kernzonen bisher stark an traditionellen Gestaltungsvorstellungen. Modernes Bauen ist entsprechend schwierig und manchmal sogar unmöglich. In Regensdorf hat man den Stimmberechtigten aus diesem Grund eine Revision der Bau- und Zonenordnung vorgelegt, mit welcher zukünftig Abweichungen von den Kernzonenbestimmungen möglich sein sollen. Konkret: Werden zeitgenössische, moderne Projekte von der Heimatschutzkommission oder einem Fachgremium als besonders gut beurteilt, sind sie bewilligbar. Die Vorlage wurde von der Gemeindeversammlung diesen Sommer klar angenommen. Die revidierte Bauordnung ist jedoch noch nicht in Kraft getreten, da der Kanton gewisse Akten nachgefordert hat. Regensdorf als Vorreiter Dass ausgerechnet die Agglomerationsgemeinde Regensdorf mit ihren drei kleinen Kernzonen in den Ortsteilen Watt, Altburg und Regensdorf diesen Weg eingeschlagen hat, erstaunt, liegt der Grossteil der Bauflächen doch ausserhalb der Kernzonen. Sie ist damit sozusagen eine Vorreiterin. Denn auch wenn das Bauland in vielen Gemeinden knapp ist und zukünftig verdichtet gebaut werden muss – auch in den Kernzonen –, besteht noch kein Trend, dass die Bau- und Zonenordnungen entsprechend geändert werden. Dennoch hat das kantonale Amt für Raumentwicklung der Entwicklung vorgreifend dieses Jahr einen Leitfaden für die Revisionen in ländlichen Gemeinden herausgegeben. Es hat auch ein Papier mit Beispielen von architektonisch guten Lösungen in Dorfkernen verfasst. Erwähnt werden darin eine Stallscheune an der Burgstrasse in Eglisau. Dort wurde der Vorgängerbau abgerissen. Das neue Gebäude hat aber die gleiche Form und durch die Holzfassade bliebt der Scheunencharakter erhalten. Und auch der Neubau an der Laubistrasse in Eglisau wird als gutes Beispiel genannt, weil er sich unauffällig in das bestehende Ortsbild einfügt. Neue Techniken ermöglichen In Freienstein-Teufen hat der Gemeinderat die Änderung der Bau- und Zonenordnung dieses Jahr in Angriff genommen. Auch dort ist das Ziel, gewisse Einschränkungen aufzuheben, wie der zuständige Gemeinderat Hansjörg Bürgi auf Anfrage erklärt. So legen derzeit in der Kernzone sogenannte Mantellinien fest, wo ein Gebäude gebaut werden darf. Wäre es bei einem Abriss und Neubau sinnvoller, ein Gebäude von der Strasse weg- und ausserhalb der Mantellinie zu verlegen, so braucht es einen Beschluss der Gemeindeversammlung und des Regierungsrates. «Es wäre sinnvoll, hier eine Lockerung zu erzielen», so Bürgi. Auch sollen Möglichkeiten geschaffen werden, um Estriche und Scheunen ausbauen zu können. «Wir haben, abgesehen vom BSC-Areal, kaum mehr Bauland. Deshalb müssen wir die bestehenden leeren Räume nutzen.» Es gibt aber noch einen weiteren Punkt, der dem Gemeinderat wichtig ist: Neue Technologien bei der Energiegewinnung sollen auch in den Kernzonen bewilligbar werden. Bisher war dies gemäss Bürgi nur mit Ausnahmebewilligungen möglich. Strikte Denkmalpflege An den Fotovoltaik-Anlagen und den Warmwasserkollektoren scheiden sich aber in so manchem Fall die Geister. Viele Kernzonen sind geprägt durch grosse, undurchbrochene Ziegeldächer – wahre Dachlandschaften. Aus der Sicht des Ortsbildschutzes gilt es, diese – da charakteristisch für manches Dorf – zu erhalten. Gemäss Beat Stahel, Bauberater der kantonalen Denkmalpflege, werden Solaranlagen auf geschützten Häusern nur bewilligt, wenn sie vom öffentlichen Raum her nicht einsehbar sind. «Zudem gibt es keinen zwingenden Grund, sie auf solchen Gebäuden anzubringen», so Stahel. Diese machten einen sehr geringen Anteil der möglichen Standorte aus, so dass es genügend Alternativen gebe. Diese Haltung bekam der Bachser Arthur Vögele zu spüren. Er wollte auf seinem denkmalgeschützten Bauernhaus in der Kernzone 8 bis 10 Quadratmeter Warmwasserkollektoren auf dem Dach montieren. «Damit hätten wir 9 bis 10 Monate im Jahr das Wasser nicht mit Öl und Strom aufzuwärmen brauchen», sagt er. Bewilligbar war gemäss Stahel die Anlage nur auf einem Anbau neben dem Haus. Diese Variante hätte Vögele jedoch 8000 bis 10 000 Franken mehr gekostet. Die Baubewilligung hat er verfallen lassen. «Aber ich gebe nicht auf. Ich probiere es nochmals.» Zeitgemässe bauliche Lösungen in ländlichen Dorfkernen: In Eglisau wurde eine Scheune an der Burgstrasse abgerissen und neu erstellt – an der Laubistrasse wurde ein moderner Bau zwischen die Bauernhäuser eingefügt. Fotos: David Baer

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