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Mit Hinkebeinen in die Ferien

Gesehen & Gehört Nach der Fussball-WM sind viele Fussballer schwer gezeichnet. Xabi Alonso zum Beispiel wird sicher ein Leben lang den Abdruck von Nigel de Jongs Stollenschuh auf der Brust tragen. Solche Spuren hinterlässt der politische Kampf im Kantonsrat hoffentlich nie. Dennoch fällt das Gesundheitsbulletin vor den Sommerferien diesmal nicht sonderlich positiv aus. Erster Sorgenfall ist Gaston Guex (FDP). Weil ihm sein Knie wieder «Komedi» macht, liess er sich gestern vom Behindertenlift in den Ratssaal hochtransportieren. Doch 20 Zentimeter vor dem Zielstockwerk blieb der Lift stehen. Der Politiker stand zusammen mit einer ihn begleitenden Polizistin in der Glaskabine, ohne dass sich die Türe öffnete. Sofort bildete sich eine Traube von Schau-lustigen. «Ist das Ding wenigstens klimatisiert», fragte ein Besorgter aus der Menge. Rollstuhlfahrerin Thea Mauchle (SP) erkundigte sich nach dem richtigen Verhalten in einem solchen Fall, und Claudio Zanetti (SVP) zückte sein Handy, um die Szene zu fotografieren. Noch vor Sitzungs-beginn setzte sich der Lift wieder in Bewegung. Guex war gestern nicht das einzige Hinkebein im Kantonsrat. Da war etwa Dieter Kläy (FDP). Er hat vor etwa drei Wochen eine Thrombose erlitten. Zum Glück ist er bereits auf dem Weg der Besserung, wie er auf Anfrage versicherte. Primarlehrer Willy Germann (CVP, Winterthur) ist nach eigenen Angaben selber schuld an seinem Hinkegang. Er hat vergessen, vor der Schulreise sein Problemknie einzubinden. Jetzt muss er während der Sommerferien aufs Wandern verzichten und sich auf eine Meniskusoperation einstellen. Dann gibt es noch zwei Langzeitverletzte. Der eine ist Regierungspräsident Hans Hollenstein (CVP). Ihn zwingt ein Stolperer über seine Hündin Bessy seit dem 15. Juni an die Stöcke. Er bleibe Optimist, meinte Hollenstein, obwohl seine etwassäuerliche Miene etwas anderes sagte. Der zweite Langzeitfall betrifft Julia Gerber-Rüegg (SP). Sie leidet immer noch unter dem Skiunfall, den sie an Ostern erlitten hat. Sie kann ihr Knie nicht mehr durchstrecken. Wandern geht zwar wieder, aber beim Zubett-gehen wirds schwierig: «Versuchen Sie mal einzuschlafen, wenn sich Ihr Bein immer anwinkelt», sagt die Gewerkschafterin. Sie setzt ihre Hoffnungen nun voll auf ihre Physiotherapeutin. * Die Grüne Esther Guyer kann hundert Prozent fit nach Samedan in die Wanderferien. Ihre Gemütslage entspricht darum dem Sommerwetter – besonders nach dem letzten Samstag, als sie in Hinwil am Sekundarschuljubiläum ihren ehemaligen Klassenkameraden Ueli Maurer wieder traf. Dieser habe eine «spontane, erfrischende» Rede gehalten. Als Sekschüler habe er besonders viel fürs Leben gelernt. Er denke auch als Bundesrat viel an jene Zeit zurück, sagte Maurer. «Das war herzig», schwärmt Guyer. Für einen Moment hat sich die Stadtzürcherin überlegt, wieder aufs Land zu ziehen. Das könnte auch politisch ein Vorteil sein, immerhin muss ihr Stadtzürcher Wahlkreis einen Sitz an den Bezirk Hinwil abtreten. Schliesslich hat Guyer den Gedanken aber wieder verworfen: «Ich glaube, als Linke wäre ich verloren im Zürcher Oberland.» Daniel Schneebeli

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