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Mit dem Riesenstaubsauger für Ordnung sorgen

Hausarbeit ist langweilig, sauber machen auf der Baustelle aber spassig. Zumindest mit dem überdimensionierten Rohr, das ganze Steinbrocken aufsaugen kann. Von Manuela Moser

Effretikon/Oberglatt – Meine Kinder bekommen glänzende Äuglein, als ich ihnen erzähle, dass ich am Abend auf der Baustelle Hand anlegen werde. Als ich aber sage, dass ich nicht baggere, sondern sauge, sind sie enttäuscht. «Saugen? Das kannst du doch auch zu Hause.» Liebe Kinder, staubsaugen schon, aber nicht Schlamm aufsaugen – oder Lehm, Kies und Steine mit bis zu 5 Kilogramm Gewicht mit einem Saugschlauch von 25 Zentimeter Durchmesser und mit einer Luftgeschwindigkeit von 120 Metern pro Sekunde. Mein Tank wird der Bauch eines tonnenschweren Lastwagens sein. Der Lenkarm des Rohrs erreicht mit Verlängerung eine Tiefe von 35 Metern. Eure Mutter, liebe Kinder, hantiert heute auf der Baustelle mit dem Riesenstaubsauger, auch Saugbagger genannt. Zuerst gehts an den Besen 19.30 Uhr auf der A 1 Effretikon–Ohringen, Ausfahrt Effretikon. Das ist der Treffpunkt für meinen Saugbagger, die Fräse und den Strassenfertiger. Die beschädigten Belagsstellen sind deutlich als Risse auf der Fahrbahn zu erkennen. Sie müssen aufgemacht und neu geteert werden. Als ich in Überhose und Helm auf die Baustelle trete, muss ich schmunzeln: Als Erstes kommt mir die Fräse entgegen – sie ist rosarot. Also doch eine Hausfrauenwelt? Mitnichten: Bald wirds männlich. Marcel, alias Mäse, mit dem ich im Saugbagger hierher gefahren bin, zündet sich eine Zigarette an und lässt seinen Abbauhammer aufheulen. Die anderen Männer steigen in ihre Maschinen, es beginnt nach Teer zu stinken, Rauch steigt auf. Azim, mein zweiter Begleiter, legt sich die Funksteuerung des Saugbaggers um den Bauch. Bis die ersten Löcher aufgerissen sind, sei es stressig, hat es geheissen. Bald aber ist die Fräse weit vor uns, der Strassenfertiger weit hinter uns und wir – Mäse, Azim und ich – allein mit einem aufgerissenen Loch. Jetzt darf ich endlich was tun. Ich beginne mit dem vertrauten Besen. Der liegt schwerer in der Hand als zu Hause, vor allem aber schwitze ich mit Polyesteranzug und Helm deutlich mehr. Meine Aufgabe ist es, umliegende Brocken und Steine in das aufgerissene Loch zu schaufeln. Der Saugschlauch des Riesenstaubsaugers schwenkt dabei gefährlich nahe um meine Beine – auf der Baustelle braucht es Augen vorne und hinten. Azim ist zufrieden mit mir, jetzt darf ich an sein Spielzeug: Die Funkschaltung für den Saugbagger. Die Bedienung scheint leicht: ein dicker Knopf für die Auf- und Abwärtsbewegung des Rohrs, ein zweiter für das Seitwärtsfahren. Die Dutzend anderen, kleineren Knöpfe brauchen mich nicht zu kümmern. Sie lenken den Lastwagen. Wie von Geisterhand lässt sich dieser über die Fahrbahn bewegen, was viel Arbeitszeit spart: kein Fahrer braucht mehr ein- noch auszusteigen. Wie Playstation Ich platziere mich mit dem Gerät um den Bauch vor dem Loch. Ein kurzer Blick zu Mäse: Er fährt vertrauensvoll mit seiner Arbeit am Schlaghammer fort. Azim steht wachsam hinter mir. Ich schwenke das Rohr an Mäse vorbei – geht doch. Verwirrend ist, dass je nachdem, wo ich stehe, vorne und hinten etwas anderes bedeutet. Mühsam auch, dass der dicke Knopf für die Seitwärtsbewegung aus Sicherheitsgründen beim Bedienen gleichzeitig nach unten gedrückt werden muss. Ich sauge meinen ersten grossen Brocken auf, ein gutes Gefühl. Mit etwas Übung würde ich das hinbekommen. Nun will Azim sein Gerät aber zurück. Seit die Firma Eberhard aus Oberglatt (siehe Box) vor sechs Jahren den ersten Saugbagger angeschafft hat, lenkt er ihn. «Richtig hart wirds im Schlamm», schmunzelt er, «dann werde auch ich dreckig.» Nun versinkt er wieder in seinem Gerät, fast wie ein Jugendlicher mit seiner Playstation. Ich nehme meinen vertrauten Besen wieder zur Hand. Denken brauche ich nun nicht mehr viel, ich arbeite aber hart. Auf der Gegenfahrbahn wirft mir ein Geschäftsmann einen Blick aus seinem Geländewagen zu; er kommt spät von der Arbeit. Die Distanz zwischen ihm und mir erscheint riesig. TA-Redaktorin Manuela Moser half bei Belagsarbeiten mit Besen und Saugbagger mit – und kam dabei ganz schön ins Schwitzen. Foto: David Baer

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