Zum Hauptinhalt springen

Mit charmanten Worten fast ausgetrickst

Eine 74-Jährige Stäfnerin hat geistesgegenwärtig reagiert und einem Enkeltrick- betrüger die Stirn geboten.

Von Simona Triet Stäfa – Das Telefon klingelt. J. B.* wischt sich die Finger an der Kochschürze sauber, lässt das Wasser in der Pfanne widerwillig weiterbrodeln und nimmt den Hörer ab. «Hallo, Johanna, wie geht es dir?», meldet sich am andern Ende ein Mann, der hochdeutsch spricht. Irritiert schweigt die 74-jährige Rentnerin. Gleichzeitig versucht sie krampfhaft, sich an einen Bekannten aus Deutschland zu erinnern. «Bist du es, Josef?» fragt sie zaghaft. Sie vermutet, es sei einer jener Kursteilnehmer, die eine Woche zuvor mit ihr ein Seminar im deutschen Freiburg besucht hatten. Alarmglocken schrillen Da schnappt die Falle des ominösen Telefonanrufers zu. Mit charmanten Worten habe er sie geblendet, erinnert sich die Seniorin. Er habe ihr geschmeichelt und sie mit seiner gewinnenden Art in ein Gespräch verwickelt. Danach hätten sie Belanglosigkeiten ausgetauscht und über das Wohlbefinden des andern diskutiert. «Da war ich zu leichtgläubig. Ich gab ihm bereitwillig Auskunft», sagt J. B. und schüttelt ungläubig den Kopf. Der vermeintliche Bekannte habe ihr eröffnet, dass er eine Immobilie in Adliswil gekauft habe und sie deswegen unbedingt treffen wolle. «Da schrillten bei mir die Alarmglocken», erzählt die rüstige Rentnerin, die allein in einer Wohnung in Stäfa wohnt. Sein Insistieren auf ein Treffen habe sie misstrauisch gemacht. Ein solch unanständiges Verhalten hätte ihr Bekannter nie an den Tag gelegt, ist sie sich sicher. Als der dubiose Deutsche zudem noch Geld für seine Wohnung leihen wollte, fällt bei der aufgeweckten Stäfnerin der Groschen endgültig: Jemand versuchte, sie auf dreiste Art und Weise zu betrügen. Sie könne ihm keine finanzielle Hilfe anbieten, habe sie entschieden gesagt. Anruf schürt die Angst Ein Klicken in der Leitung – der Anrufer hat aufgelegt. Verwirrt geht B. zuerst zu ihrer Nachbarin und erzählt ihr vom Vorfall. Dann ruft sie die Polizei an. Von den Polizeibeamten sei sie für ihr vorbildliches Verhalten gelobt worden. Den Telefonbetrüger, der mit unterdrückter Nummer angerufen hat, haben die Untersuchungsbehörden jedoch bis heute nicht ausfindig machen können. Obwohl B. ohne Schaden davongekommen ist, geht ihr die Sache nahe. Dass die Gutmütigkeit älterer Leute derart unverschämt ausgenutzt werde, könne sie nicht verstehen. Die Angst, dass sich solche Vorfälle ausweiten und plötzlich jemand vor der Haustür steht und Geld verlangt, plagt sie. Auch in ihren Träumen werde sie von fremden Anrufern heimgesucht: Bereits beim leisesten Geräusch liegt sie hellwach im Bett. * Name der Redaktion bekannt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch