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Mettler spricht in Uetikon Klartext

Zwei von vier Neo-Gemeindepräsidenten nutzten den 1. August für sehr unterschiedliche Auftritte.

Von Marius Huber Meilen/Uetikon – Einem frisch gewählten Gemeindepräsidenten bietet sich diese Chance nur ein einziges Mal: Statt den ersten Auftritt vor dem Volk im Gemeindesaal bei Diskussionen über Zonenpläne und Bauabrechnungen zu haben, kann er am 1. August die Bühne im grossen Stil betreten. Doch nicht in jedem steckt ein kleiner Moritz Leuenberger: Ganz wohl jedenfalls scheint die Vorstellung, eine grosse Rede zu halten, keinem der vier Kandidaten im Bezirk Meilen gewesen zu sein. Männedorfs André Thouvenin (FDP) und Herrlibergs Walter Wittmer (GV) verzichteten gestern gleich ganz und beschränkten sich an den offiziellen Feiern ihrer Gemeinden auf eine Begrüssung. Der Meilemer Christoph Hiller (FDP) und der Uetiker Urs Mettler (parteilos) dagegen traten zwar ans Mikrofon, versicherten aber beide gleich als Erstes, dass dies nicht ihre Idee gewesen sei. Unfreiwillige Hauptdarsteller «Übersteigertes Selbstwertgefühl», wie Hiller es nannte, will sich hier niemand vorwerfen lassen müssen. Sein Vorgänger Hans Isler habe ihn zum Glück gezwungen, erklärte Hiller. Und in Uetikon war es laut Mettler sogar dessen gescheiterte Konkurrentin von der SVP gewesen, Theres Weber, die mitten im Wahlkampf den Vorschlag gemacht hatte, der Wahlsieger solle die 1.-August-Ansprache halten. Aller beteuerten Bescheidenheit zum Trotz hielten sich die beiden Neo-Gemeindepräsidenten als Redner nicht zurück – aber im Temperament unterschieden sie sich deutlich. Während Hiller in Meilen staatsmännisch die Befindlichkeit der Schweiz erörterte, zielte Mettler, der bekennende Fasnächtler, in Uetikon fadengerade auf Probleme im Dorf. Mit dem rhetorischen Zweihänder und ideeller Unterstützung der alten Eidgenossen zog er in den Kampf gegen Gleichgültigkeit und Egoismus. «Ist mir doch Wurst»-Haltung Diese Untugenden, so Mettler, nähmen in Uetikon überhand, weil die liberale Losung «mehr Freiheit, weniger Staat» missverstanden werde – eine deutliche Spitze gegen seine frühere Partei, die FDP. Statt zu begreifen, dass Freiheit auch bedeute, Verantwortung zu übernehmen, schaue jeder nur noch für sich. Nach dem Credo: Hauptsache, vor dem eigenen Häuschen herrscht Ruhe. Wenn die Jungen anderswo Lärm machten, heisse es: «Ist mir doch Wurst.» Wenn der Junior jeden Samstag zugedröhnt nach Hause komme: «Ist doch mein Problem.» Wenn der Dorfpolizist darauf aufmerksam mache, dass man nicht parkieren dürfe, wo man wolle: «Schikanieren Sie mich nicht.» Und den Steuerfuss könnte man doch bitteschön gleich auch nochmals senken, selber habe man ja keine Tagesbetreuung und keine Schulhäuser mehr nötig. Für Mettler ist klar: «Um diese Art Freiheit haben die Eidgenossen nicht gekämpft.» Er räumte ein, dass das von ihm gezeichnete Bild vielleicht ein wenig negativ ausgefallen sei; schliesslich gebe es auch viele, die Verantwortung übernähmen. Genau das wünsche er allen Uetikern: Die Kraft, Freiheit auf solche Art zu leben. Hiller wünscht sich Visionäre In diesem Punkt lag er auf einer Linie mit Christoph Hiller: Hätte jeder mehr Verantwortungsgefühl, bräuchte es weniger Gesetze und gäbe es mehr Freiheit, sagte der Meilemer Gemeindepräsident. Das war aber nur einer von mehreren «Geburtstagswünschen» an die Schweiz. Ein anderer: Fortschrittlichkeit. «Es gibt hier viele Mahner, aber leider zu wenige Visionäre», kritisierte er. Hiller appellierte auch an die Solidarität: «Was in der Familie selbstverständlich ist, ist es schon in der Gemeinde oft nicht mehr.» Und dann wünschte er der Schweiz trotz eines schwierigen Jahres auch wieder ein gesundes Selbstbewusstsein – etwa so, wie es die Meilemer seiner Ansicht nach haben. «Dann hätten wir auch keine Angst, wegen vier Minaretten unsere Identität zu verlieren.»

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