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Männedorf trickst sich zum absoluten Tiefpunkt

Die Gemeinde, die im Vergleich meist Mittelmass ist, weist einen einzigen Bezirksrekord auf: Kein Dorf liegt tiefer. Angeblich.

Von Nadja Belviso Männedorf – Bei der Zahl der Schafe erreicht Männedorf nur Platz zwei, Hombrechtikon hat mehr. Bei den Leerwohnungen rangiert Männedorf auf dem zweitletzten Platz im Bezirk, Zollikon hat noch weniger. In den meisten anderen Tabellen des Statistischen Amtes steht die Gemeinde irgendwo im Mittelfeld: mittelviele Kühe, mittelviele Autos, mittelviele Arbeitslose. Nur in einem Punkt hält Männedorf den Rekord. Es ist die am niedrigsten gelegene Gemeinde des Bezirks: 406 Meter über Meer. Dumm nur, dass selbst dieser Rekord eigentlich geschummelt ist. Denn: Gemessen wird die Höhe einer Gemeinde in der Regel beim Dorfzentrum, bei der reformierten Kirche oder beim Gemeindehaus. So steht es auf der Webseite des Statistischen Amtes, wo die Daten der Gemeinden aufgeführt sind. Klappt man jedoch den Ortsplan von Männedorf auf, merkt man schnell, dass der Dorfkern nicht so niedrig liegen kann, und die reformierte Kirche schon gar nicht. Die Höhenlinie von 409 Metern verläuft nämlich unterhalb der Seestrasse. Befände sich Männedorf tatsächlich auf 406 Metern Höhe, läge ein Teil des Dorfes im Zürichsee. Erklärungsversuche Wer hat nun recht? Die Karte oder das Statistische Amt? Für die verwirrende Angabe gibt es zunächst einmal eine historische Erklärung. Als Referenzpunkt für die Höhenmessung in der Schweiz dient ein Felsbrocken, der im Hafen von Genf aus dem Wasser ragt, der Pierre du Niton. Er wurde ursprünglich auf 376,86 Meter über dem Pegel Marseille festgesetzt. 1902 wurde die Höhe des Felsens neu definiert, auf 373,6 Meter über Meer. Alte Karten weisen deshalb einen Unterschied von 3,26 Meter zu den heutigen auf. Dass sich das Statistische Amt des Kantons Zürich allerdings auf solche Karten stützt, ist kaum denkbar. Auf Anfrage heisst es dort, die Daten seien 1995 den Gemeinden übermittelt worden. Es sei in deren Kompetenz gelegen, sie nötigenfalls zu korrigieren. In Männedorf geht man davon aus, dass sich die Angabe von 406 Metern über Meer auf den Seewasserspiegel bei durchschnittlichem Wasserstand bezieht. Dieser variiere zwischen 405,6 und 406,3 Meter über Meer, erklärt Peter Suhner, Abteilungsleiter Hochbau und Planung. Zu ähnlichen Schlüssen kommt Erich Schwengeler vom Amt Raumordnung und Vermessung, das auch für die Redaktion des erwähnten Ortsplanes verantwortlich ist. Schwengeler geht davon aus, dass für die Angabe beim Statistischen Amt ein Fixpunkt verwendet wurde. Fixpunkte sind über das ganze Gemeindegebiet verteilt und dienen den Vermessern als Referenz. Der niedrigstgelegene der Gemeinde Männedorf liegt bei der Kläranlage und ist nur knapp über dem Seewasserspiegel auf 406,6 Metern über Meer angebracht. Peter Suhner ist allerdings der Meinung, dass die korrekte Höhenangabe für die Gemeinde die Gleishöhe wäre. Diese liegt ein paar Meter höher. Somit handelt es sich beim Männedörfler Rekord nicht um einen statistischen Ausreisser, wie Marc-Aurel Battaglia vom Statistischen Amt bemerkt, sondern um einen methodischen. Die Gemeinde misst ihre Höhenlage hier, am Hafen beim Almapark. Foto: Michael Trost.

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