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Luxuskarossen und Subaru

Der grüne Salat (Fr. 6.50) dürfte etwas knackiger sein. Die Sauce ist so, wie man es in einem Restaurant erwartet, in dem die Hörnlifäger mit ihren Schwyzerörgeli zum Tanz aufspielen: Sie ist weiss, schwer und enthält viel Knoblauch. Die Servierdame (obwohl sehr viel Betrieb ist, wird sie uns den ganzen Abend gut betreuen) hat uns einen Tisch im Stübli zugewiesen. Dort sitzen bereits zehn Mitglieder einer Familiengesellschaft über die Karten gebeugt. «Wädli? What’s Wädli?», fragt ein Jugendlicher. «I take the Fleischchäs!», sagt ein anderer. Der Vater fragt mit rollendem «R», ob man für ein Familienmitglied ein mitgebrachtes vegetarisches Cordon bleu zubereiten könne. Die Servierdame nimmt das in Alu verpackte Cordon bleu zögernd entgegen. Die Küche unter der Leitung von Monica Habegger wird den Auftrag ausführen. Luxuskarossen und Subaru Den Besuch einer Alpwirtschaft muss man sich in der Regel verdienen. Die meisten Gäste der Blüemlisalp tun dies, indem sie ihre Luxuskarossen oder Subaru ein paar Minuten lang über die kurvigen Nebensträsschen am Pfannenstiel lenken. Wir hingegen stimmen uns mit einer kleinen Wanderung ein auf den Abend mit volkstümlicher Küche und Musik. Vom Erlenbacher Bahnhof aus erreichen wir in wenigen Minuten das Erlenbacher Tobel. Eine gute halbe Stunde lang folgen wir dem rauschenden Bach und erreichen dann die Blüemlisalp. Das Häuschen mit den gelben Schindeln und der Bernerfahne im Garten ist ein exotischer Fremdkörper in der Agglomeration. Das Bimmeln von Kuhglocken und der Anblick vieler Alpengipfel perfektioniert die ländliche Idylle. Die Speisekarte könnte nicht besser passen. Zum Hauptgang bekomme ich Wädli mit Kartoffelsalat (Fr. 15.20). Bei dieser Hausspezialität handelt es sich um im Wasser zubereitete, tranchierte Schweinebeine. Das Muskelfleisch, das sich gut herauslösen lässt, tunke ich in Thomy-Senf. Den Rest (Fett, Bindegewebe und Haut) lasse ich stehen. Auch vom Kartoffelsalat lasse ich einen beträchtlichen Teil stehen. Er ist mir zu schwer, enthält für meinen Begriff zu viel Mayonnaise. Glamouröser Besuch Während ich mit Messer und Gabel an den Schweinswädli hantiere, kommt Shawne Fielding ins Stübli. Sie zeigt sehr viel von ihren Beinen und hat einen jungen Freund dabei, der sie den ganzen Abend festhalten wird. Die beiden setzen sich zur «What’s Wädli?»-Gesellschaft. Man merkt, dass Fielding nicht das erste Mal hier ist. Meine Begleiterin kann sich weniger für die Blüemlisalp-Küche erwärmen. Ihr Hackbraten (Fr. 13.50) sei langweilig, sagt sie. Und der Kartoffelsalat sei zu schwer. Der Syrah aus dem Wallis (Edmond Giroud, Fr. 52.80) vermag ebenfalls nicht zu überzeugen, weil er nicht jenen starken Charakter hat, der die Weine aus dieser Traubensorte normalerweise auszeichnet. Mit einer gebrannten Creme (Fr. 6.50) und einer Eiswahl mit Rahm (Fr. 8.80) schliessen wir unseren Abend auf der Blüemlisalp ab. Zum Abschied gibts aber auch noch ein Lächeln und ein gesungenes «Bye» von Shawne Fielding. Nach dem währschaften Essen sind wir froh, dass wir uns auf dem Weg zum Bahnhof die Füsse vertreten können. Weil die Fernsicht trotz fortgeschrittener Dämmerung grandios ist, nehmen wir nicht den Weg durchs Erlenbacher Tobel, sondern gehen via Pflugstein zum Bahnhof Winkel. Finsteraarhorn, Vrenelisgärtli, Bockmattli und viele andere Berge leisten uns dabei Gesellschaft. Alpwirtschaft Blüemlisalp, 8704 Herrliberg, Tel. 044 915 34 90; Mo, Do, Fr, Sa 9 bis 0.30 Uhr, So 10 bis 22 Uhr, Di und Mi geschlossen. Anzeige

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