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Lust auf vieles

A pointBlaue Ente, Zürich In den Neunzigerjahren war die Blaue Ente ein angesagtes Zürcher Szene-Lokal. Zu Recht: Die Mühle Tiefenbrunnen war schliesslich die erste Fabrik in Zürich, die nicht einfach abgerissen, sondern einer neuen Bestimmung zugeführt wurde. Die Renovation war ein voller Erfolg. Bis heute gilt sie als Paradebeispiel für eine neue Nutzung eines alten Industrieareals und hat inzwischen viele Nachahmer gefunden. Zwanzig Jahre später stehe ich wieder einmal in der Blauen Ente und erinnere mich an etwas, das der frühere TA-Chefredaktor Roger de Weck zu dozieren pflegte: Ein Restaurant wird nicht nur am Essen gemessen. Ebenso wichtig sei es, wie es im Innern aussieht und was für Leute dort verkehren. Das Interieur hat sich nicht verändert. Nach wie vor trifft man auf die Kombination von alten Mühleversatzstücken, modernem Industriedesign und beeindruckender Raumhöhe. Das alles wirkt ein bisschen in die Jahre gekommen, genau wie die Gäste. Sie sind mit dem Lokal älter geworden, die Generation Ü-40 dominiert. Die Bedienung ist zu Beginn äusserst zuvorkommend. Meinem Wunsch nach nur einer halben Portion bei Entree und Hauptgang wird sofort entsprochen. Sogar das Probieren des Weines ist manches darauf ungewohnt ist. Und die Ansprüche ans Essen sind hoch. Denn das Wirteehepaar, das seit letztem Jahr die Blaue Ente führt, ist kein unbekanntes. An seiner letzten Wirkungsstätte, dem Taggenberg in Winterthur, holten sie zum Schluss 17?«Gault Millau»-Punkte. Wir beginnen mit der Vorspeise, einem ausgefallen neueren Gericht, wie auf der Speisekarte nachzulesen ist. Mir wird ein interessantes Tatar und Carpaccio vom Fjordsaibling an einer Dillrahmsauce mit Grünspargelsalat (26 Fr.) serviert. Die Kombination überzeugt, nur auf die Limonen-und-Minzen-Mayonnaise hätte ich verzichten können. Sie gibt dem leichten Entree eine unnötig schwere Note. Ab jetzt beginnt auch das Servicepersonal zu patzen. Meinem Begleiter wird die falsche Vorspeise aufgetischt. Er muss Überzeugungsarbeit leisten, damit er doch noch sein ofenwarmes Blätterteigtartelette mit Büffelmozzarella und Rucolasalat (19 Fr.) erhält – das er dann allerdings sehr lobt. Die Weinkarte ist umfassend. Wir wählen einen spanischen San Roman aus dem Anbaugebiet Toro (82 Fr.) und bereuen es nicht. Er ist fruchtig und weich, aber trotzdem keine Promillebombe. Beim Hauptgang beneide ich meinen Begleiter. Ihm wird das Seeteufelfilet mit schwarzen Oliven, Risinabohnen, Stangensellerie und Pommes parisienne serviert (49 Fr.). Der Fisch hat den richtigen Biss, die Gemüsekombination überzeugt. Was ich von meiner Wahl nicht behaupten kann. Die Schalotten-Senf-Kruste am Bison-Entrecôte (58 Fr.) war so dominant, dass vor allem der Senf den Fleischgeschmack komplett überdeckte. Dazu gab es Maisblinis, die mir zu süss waren. Die Versöhnung kam mit dem Dessert, das aus Prosecco-Eis (14 Fr.) und Rhabarberkompott mit Erdbeeren bestand – und spitze war. Denise Marquard Restaurant Blaue Ente, Seefeldstrasse 23, 8008 Zürich, 044 388 68 40, täglich ausser So 11.30–14 und 18–23.30 Uhr.

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