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Lieber Franzosen als Russen

Geschichte und Geschichten In den Jahren 1789 und 1799 gaben sich französische, österreichische und russische Truppen im Glattal während Monaten quasi die Klinke in die Hand. Dörfer wie Volketswil oder Nänikon mussten wiederholt innert kürzester Zeit beträchtliche Truppenteile beherbergen. Für die zumeist arme Dorfbevölkerung waren die Kriegskosten kaum mehr zu tragen. Für die Bevölkerung waren die Soldaten eine Plage, egal, ob sie für revolutionäre Ideale einstanden wie die Franzosen oder die Bewahrung der alten Ordnung wie die Österreicher und Russen. Trotzdem war es den Dorfbewohnern nicht egal, wen sie beherbergen mussten. Den schlechtesten Ruf hatten die Russen. Sie waren ungehobelt. Als sie am 18. August 1799 nach den Österreichern in Nänikon einzogen, begann für das Dorf eine schlimme Zeit. Die Einwohner verpackten ihre verbliebenen Kostbarkeiten in Kisten und vergruben sie in den Obstgärten. Die Russen zogen plündernd und brandschatzend ins Dorf ein. Auf alten Listen ist verzeichnet, wem sie Korn, Vieh und Schinken aus den Kaminen stahlen. Ende September folgten die Franzosen auf die Russen. Die Bevölkerung war inzwischen mausarm geworden. Dennoch brachten die Näniker den Franzosen mehr Sympathien entgegen als den Russen. Besonders den Näniker Töchtern gefielen die galanten Franzosen besser als die unbeholfenen Bauernburschen. Es kam so weit, dass Väter ermahnt wurden, ihre Töchter zu Hause zu behalten. Hie und da gab es sogar etwas zu lachen. So berichtet die Chronik von einer Bäuerin, die eines Morgens zum Bach wollte, um die Wäsche zu waschen. Eine französische Schildwache rief sie an «Qui vive?». Da die Frau kein Französisch verstand, aber doch so tun wollte, antwortete sie: «En Wasch» (frz. une vache = eine Kuh), worauf der Franzose in schallendes Gelächter ausbrach. Erst Ende Juli 1801 zogen die Franzosen aus dem Dorf ab, und die Näniker konnten aufatmen. (arb)

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