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Letzter Christkindlimärt in Russikon

Der 24. Weihnachtsmarkt ist zugleich der letzte. Die Gärtnerei Waffenschmidt richtet sich neu aus, das Areal wird überbaut.

Von Werner Gubser Russikon &endash Die Besucher des Christkindlimärts brauchen nur den wehmütigen Klängen zu folgen, um ans Ziel zu gelangen. Am Eingang zum Markt bei der Gärtnerei Waffenschmidt steht eine Karussellorgel Jahrgang 1923. Die Orgelpfeifen und die Schlaginstrumente werden durch ein Lochband gesteuert, das endlos liefe, würde das Band aus Karton nie Schaden nehmen. Während gut drei Wochen ist der Russiker Weihnachtsmarkt nun zum 24. und letzten Mal Anziehungspunkt für die Besucher quer durch alle Generationen. Der Grund dafür liege in erster Linie bei den alten Treibhäusern, sagt Helmut Waffenschmidt, Besitzer der Gärtnerei «Die schlecht isolierten Häuser müssen wir aus energetischen und wirtschaftlichen Gründen infrage stellen.» Die alte Gärtnerei macht einem neuen Betrieb mit einem wesentlich besseren Gewächshaus Platz. Die Gärtnerei wird kleiner, zudem plant Waffenschmidt auf dem Areal weitere Gewerbeteile sowie behindertengerechte Alterswohnungen. Der Patron rechnet mit rund zwei Jahren Bauzeit. Sie komme wegen der unvergleichlichen Atmosphäre, sagt Esther Meier aus Volketswil. Und nicht etwa, weil sie geplant habe, sich mit Weihnachtsgeschenken einzudecken. «Es macht mich traurig, wenn ich mir vorstelle, dass der Christkindlimärt bald Vergangenheit ist. Besonders fasziniert ist sie vom Märliland. «Wunderschön, wie sich all die Puppen und Engel, die Tanzgruppen, die Samichläuse, die Hasen und Igel bewegen.» Die bekannten Melodien, die von einem Puppenorchester interpretiert werden, haben es Esther Meier angetan. Nicht nur für Kinder ist dies ein Augen- und Ohrenschmaus, auch viele Erwachsene sind bei den Aufführungen dabei. Der Russiker Weihnachtsmarkt werde ihr und ihren Kindern fehlen, sagt Ruth Gantner aus Hochfelden. «Wir fühlen uns hier in eine verzauberte Welt versetzt», schwärmt sie. «Kein anderer Markt hat eine so einzigartige Stimmung wie der Russiker. Aber dieses letzte Mal wollen wir den Christkindlimärt voll auskosten und nochmals ganz in dessen Märchenwelt eintauchen.» Lions in der Bäckerei Glänzende und glitzernde weihnächtliche Dekorationen in Hülle und Fülle und in allen Farben und Formen werden in den Treibhäusern der Gärtnerei angeboten. Wer sich gegen die winterliche Kälte wappnen möchte, hat hier Gelegenheit, sich mit gestrickten Mützen, Handschuhen, mit Socken und Finken, Halstüchern und Jacken einzudecken. Seit Jahren schon machen sich die Mitglieder des Lions-Clubs Tösstal in der Weihnachtsbäckerei nützlich. Sie stecken die Kinder in ein Bäckermäntelchen und geben Anweisungen bei der Herstellung von Griitibänzen. Familie Blarer aus Wolfhausen hat eben Griitibänze geknetet und geformt. «In einer halben Stunde sind sie gebacken, und wir können sie abholen», sagt die Tochter. «Schade, dass der Markt zum letzten Mal stattfindet. Mit den vielen Lichtern strahlt der Russiker Weihnachtsmarkt abends eine einzigartige Romantik aus», sagt die Mutter. Stolz auf die Stimmung Ursprünglich habe man dem Publikum nur die vielen Weihnachtssterne in den Töpfen zeigen wollen, um die Leute auch im Winter in die Gärtnerei zu locken, erinnert sich Helmut Waffenschmidt an die Anfänge des Christkindlimärts. Er ist stolz auf das Ambiente, das sein Markt ausstrahlt. «Dies ist den sozialen Institutionen zu verdanken, die sich hier engagieren und mit ihren Attraktionen als Publikumsmagneten erweisen», sagt Waffenschmidt. Die Neuausrichtung und Umstrukturierung nimmt Helmut Waffenschmidt mit den beiden Söhnen Hannes und Jonas in Angriff. In Russikon wird ein grosser Teil der Ausstellungsfläche, auf welcher der Christkindlimärt bislang stattgefunden hat, dem Bauvorhaben zum Opfer fallen. «Nach dem Umbau findet zudem ein Generationenwechsel statt», sagt Helmut Waffenschmidt. Ob später hier vielleicht wieder einmal ein Weihnachtsmarkt stattfinde, stehe noch in den Sternen.

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