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Landwirte wollen keinePufferzonen

Grenzt ein Landstück der Illnau-Effretiker Bauern an ein Naturschutzgebiet, dürfen sie darauf nicht düngen. Sie haben Angst um ihre Einnahmen.

Von Loredana Sorg Illnau-Effretikon – «Das ist doch ein ökologischer Blödsinn!» Ruedi von Allmen, Landwirt aus Oberillnau, ist empört. Da sein Land an Naturschutzgebiet von überkommunaler Bedeutung grenzt, müsste er für die Teilnahme am Vernetzungsprojekt der Gemeinde Illnau-Effretikon einen Pufferstreifen von 40 Metern einhalten. Wegen des Düngeverbots in dieser Zone rechnet von Allmen mit signifikanten Ertragseinbussen. Das Futter für seine Tiere möchte er jedoch möglichst in Hofnähe produzieren. «Andere Landwirte machen beim Vernetzungsprojekt mit und pflanzen Bäume an, dafür importieren sie nun Viehfutter aus Deutschland.» Dies ist natürlich nicht das Ziel des Vernetzungsprojekts, das im letzten Jahr in die zweite Phase startete. «Es muss finanziell aufgehen» In erster Linie soll die Vernetzung von naturnahen Lebensräumen in den landwirtschaftlichen Kulturen seltene Tier- und Pflanzenarten fördern. «Viele Landwirte sind für den Naturschutz», sagt Ackerbaustellenleiter Robert Vollenweider, «doch es muss auch finanziell aufgehen.» Deshalb sucht der Kanton nun nach individuellen Lösungen. Acht Betriebe sind in Illnau-Effretikon von Pufferstreifen betroffen. Einer davon gehört Vollenweider. Obwohl ihm das Gelingen des Vernetzungsprojekts am Herzen liegt, zögert er mit der eigenen Unterschrift noch: «Ich begreife jeden Kollegen, der unter diesen Bedingungen nicht mitmacht.» Zuversichtliche Naturschützer Vollenweiders Betrieb muss nicht nur ihn selber, sondern auch seine beiden Söhne beschäftigen. So hat er mit Gemüse- und Beerenanbau sowie dem Verkauf von Hofglace nach neuen Einkommensmöglichkeiten gesucht. Auch von Allmen hat zu wenig Land. Ihm geht es jedoch weniger ums Finanzielle als darum, die Tradition seiner Väter fortzuführen und sein Land «richtig» zu bewirtschaften. «Würde ich mich nur nach dem Geld richten, hätte ich längst einen Golfplatz bauen müssen.» Sein Nachbar Hans Gujer entschied sich ebenfalls gegen eine Teilnahme am Vernetzungsprojekt. Aus Altersgründen wisse er nicht, wie lange er den Hof noch bewirtschafte, ob er also die Projektdauer von sechs Jahren einhalten könne. Trotzdem sind Vollenweider und Sylvia Urbscheit von der Fachstelle Naturschutz des Kantons zuversichtlich, dass Illnau-Effretikon das Flächenziel von 93 Hektaren an Ökoflächen bis 2015 erreicht. «Die Beteiligung in der zweiten Projektphase ist mit 24 Landwirten bereits höher als in der ersten», sagt Urbscheit.Gratis ist das Ganze allerdings nicht. In der ersten Projektphase erhielten alle beteiligten Landwirte zusammen 2000 Franken. Zwei Drittel der Kosten für die Flächenbeiträge werden vom Bund übernommen, ein Drittel von Illnau-Effretikon. Für 2010, das erste Jahr der zweiten Projektphase, budgetierte die Stadt 40 000 Franken für Vernetzungs- und Qualitätsflächenbeiträge, fachliche Beratung, Saatgut und Sträucher. Dieser Betrag konnte laut Sara Rüeger, der Leiterin der städtischen Abteilung Gesundheit, auch eingehalten werden. Nachbarn dürfen mitmachen Die Kritik von Landwirten, der grösste Teil der Ausgaben komme dem externen Beratungsbüro zugute, verliert mit den Jahren an Bedeutung. Denn die vom Kanton empfohlene professionelle Beratung ist im ersten Jahr am intensivsten. Die budgetierten 12 000 Franken für Vernetzungs- und Qualitätsflächenbeiträge hingegen wurden für 2011 auf 18 000 erhöht – wegen der Flächenzunahme. Vollenweider führt den Zuwachs insbesondere auf auswärtige Landwirte zurück und schätzt, dass die Zielfläche von 93 Hektaren mit etwa einem Drittel zusätzlicher Beteiligung erreichbar wäre. Neu können nämlich auch Landwirte aus Nachbargemeinden, die Flächen in Illnau-Effretikon besitzen, von den Vernetzungsbeiträgen profitieren.

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