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Kriegsvorbereitungen im Volketswiler Wald

Eine unscheinbare Senke im Wald zwischen Volketswil und Nänikon zeugt von einer unruhigen Zeit. Der sogenannte Franzosengraben wurde vor gut 200 Jahren ausgehoben. Von wem und gegen wen, lässt sich nicht zweifelsfrei eruieren.

Sommerserie «Besondere Orte im Zürcher Oberland», Teil 3 Von Walter von Arburg Volketswil – Stattliche Buchen und Eichen bilden den Westsaum des Hardwalds bei der Autobahnausfahrt Volketswil. Zimikon, das heutige Industriegebiet Volketswils, lag vor 200 Jahren in einem Sumpfgebiet und hatte hier leicht erhöht seinen Wald. Vom Waldrand aus eröffnet sich dem Wanderer ein grosszügiger Blick ins Glattal und im Westen bis zu den Lägern. Es erstaunt wenig, dass in den Wirren der napoleonischen Zeit im Zimiker Eichli, so der Name des Waldstücks im Hardwald, ein Schützengraben mit Schussrichtung Glattal angelegt wurde. Für oder gegen wen, von Soldaten oder der lokalen Bevölkerung, beantworten die Annalen nicht. 60 Meter lang, 1,5 Meter tief Zum Graben selbst geben die Quellen nur spärlich Auskunft. Verbrieft ist der Name Franzosenschanze. Im Staatsarchiv finden sich Belege für die Verteidigungsanlage unter diesem Namen. Das Bauwerk hatte ursprünglich eine Länge von 100 Schritt, also rund 60 Metern, und eine Tiefe von 1,5 Metern. In Bezug auf seine Dimensionen kann es der Volketswiler Franzosengraben natürlich nicht mit der Maginot-Linie aufnehmen (die aus Hunderten von Bunkern und Schützengräben bestehende französische Abwehranlage entlang der französisch-deutschen Grenze aus den 1930er- Jahren). Dennoch lässt sich bei seinem Anblick erahnen, dass es vor 200 Jahren im Glattal keineswegs so friedlich zu- und herging wie heute. Der Schützengraben dürfte in den Kriegswirren des Sommers von 1799 entstanden sein. Damals am Waldrand angelegt, befindet er sich heute gut 30 Meter im Wald. Um zum Graben zu gelangen, überquert man zunächst die Feuerstelle bei der Wegkreuzung am Westrand des Zimiker Eichli. Hat man sich durch Gestrüpp und wild wucherndes Gebüsch gekämpft, steht man plötzlich am Rand der Senke. Licht dringt hier nur spärlich zwischen den Bäumen hindurch, die mit ihren Ästen einen eigentlichen Schirm bilden. Der Waldboden ist hier, hinter der üppigen Waldrandvegetation, spärlich bewachsen. Zum Glück für das historische Bauwerk. Noch heute hebt sich die Schanze deutlich vom Waldboden ab. Vor allem im südlichen Teil ist sie erstaunlich gut erhalten. Das Gehölz scheint sich hier brav an die von Menschenhand vorgegebenen Grenzen zu halten. Der Volketswiler Förster Reto Amrein kann sich nicht erinnern, hier je einen Baum gefällt, geschweige denn Unterholz beseitigt zu haben. Drohender Kiesabbau Der Nordabschnitt des Grabens befindet in deutlich schlechterem Zustand als der südliche Teil. Brombeerstauden und Farnkraut gieren hier nach Platz, der Boden der Senke hat sich im Laufe der Zeit mit Erde aufgefüllt. Die 200 Jahre alte Kriegsbaute verschwindet in diesem Bereich zusehends. Doch nicht nur der Wald bedroht den Zeugen einer politisch unruhigen, aber wegweisenden Zeit. Auch die Bedürfnisse der heutigen Gesellschaft könnten dafür sorgen, dass die Tage des Franzosengrabens bald einmal gezählt sind. Unter dem Hardwald liegen grosse Kiesvorkommen. Es gibt Bestrebungen, dieses Kies abzubauen und den Wald danach wieder aufzuforsten. Der Franzosengraben aber wäre dann für immer verschwunden. Wo der Zahn der Zeit sichtbar nagt: Der Franzosengraben. Foto: Christoph Kaminski

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