Zum Hauptinhalt springen

Kontrastreiche Wahl ums Präsidium

Ein politischer Neuling soll in Illnau-Effretikon für die SVP Stadtpräsident werden. Das Amt ist seit 36 Jahren in der Hand der Linken.

Von Pia Wertheimer Illnau-Effretikon – Martin Graf (Grüne) hat nach 13 Jahren den Stuhl des Illnau-Effretiker Stadtpräsidenten geräumt, um im Zürcher Regierungsrat einzuziehen. Vor ihm präsidierte Rodolfo Keller (SP) 23 Jahre lang die Stadt. Seit 36 Jahren ist das Amt also in der Hand der Linken. Das will die SVP jetzt ändern. Sie schickt dazu am 10. Juli Urs Weiss ins Rennen, der gleichzeitig für den Stadtrat kandidiert. Die SP will den Sitz für das linke Lager verteidigen. Sie hat ihren amtierenden Stadtrat Ueli Müller aufgestellt. Ein Bürgerlicher gegen einen Sozialdemokraten; ein Neuling versus einen Routinier; ein Gewerbler wider einen Lehrer; «unser Stadtpräsident» gegen «einen der zuhört» – die Wahlslogans sind für die Parteiherkunft bezeichnend. Das «unser» von Weiss steht für SVP, FDP und Jungliberale. Die Liste, der Parteien, die den SP-Mann Müller unterstützen, ist länger und umfasst nicht nur die Linke. Neben der Juso und den Grünen empfehlen ihn die Grünliberalen, die EVP, die CVP und die bürgerliche BDP. «Einer der zuhört», der Wahlslogan von Müller passt. Er ist kein Mann der lauten Töne. Seit fünf Jahren ist er Werk- und Tiefbauvorstand in der Stadt, in der er seit 1987 lebt. Mitgenosse und Alt-Kantonsrat Ueli Annen beschreibt Müller auf dessen Facebook-Fanseite als «trocken, klar zur Sache und trotzdem mit Humor». Humor legte Müller immer wieder an den Sitzungen des Grossen Gemeinderates an den Tag. Sonst fällt Müller durch seine konziliante und leise Worte auf. «Viele kreiden mir an, ich sei zu anständig», gesteht er. Und genau das ist mit ein Grund, warum sich die Jungliberalen gegen ihn entschieden haben und Urs Weiss empfehlen. «Müller fehlt das Feuer und die Kraft», sagt Marco Nuzzi, Präsident der Jungliberalen Illnau-Effretikon (JLIE). Er habe sich als «super Büezer» im Hintergrund erwiesen, zeige aber wenig Führungskraft. Für Nuzzi kam eine Stimmfreigabe nicht infrage. «Damit hätten wir uns aus der Verantwortung gestohlen.» Weiss sei der einzige bürgerliche Kandidat, darum unterstütze ihn seine Partei. Nuzzi spricht sich nicht bedingungslos für den SVP-Kandidaten aus: Urs Weiss amte in Organisationen als Präsident, der Posten allein reiche aber nicht. «Ein Stadtpräsident muss sich engagieren – und er muss verlieren können.» Weiss hat neben der JLIE auch die FDP für sich gewonnen. «Er ist ein Vertreter des Gewerbes, das ist sympathisch», sagt FDP-Präsident Stephan Thalmann. Weiss habe zudem führen gelernt – im eigenen Geschäft, in verschiedenen Gremien und im Militär. Fehlendes SVP-Logo Auf den Plakaten von Urs Weiss sucht man vergebens nach dem SVP-Logo. Politisches Kalkül, empören sich die Linken. Weiss kontert erbost: «Ein Stadtpräsident vertritt 100 Prozent der Bevölkerung, nicht nur eine Parteiideologie.» Seit sieben Jahren führt der Betriebsökonom ein Geschäft für Elektrik für Landwirtschaftsfahrzeuge. Das ist nicht seine erste Firma. Der Vorwurf seiner Gegner, ihm mangle es an Führungsqualitäten, weil einige davor liquidiert worden sind, lässt Weiss nicht gelten. Enerviert hält er entgegen: «Das geht einfach zu weit.» Um entschuldigend anzufügen: «Ich bin ein emotionaler Mensch.»Weiss bezeichnet sich selbst nicht als Politikneuling. «Ich bin ein politischer Mensch und habe eine Kirchgemeinde geleitet.» Für dieses Amt gelten die gleichen Voraussetzungen und Spielregeln, wie im Stadtrat. «Das schleckt keine Geiss weg.»Neun Jahre lang präsidierte Weiss die katholische Kirchgemeinde Illnau-Effretikon. Mitten in der dritten Amtszeit trat er zurück. Dieser Entscheidung gingen Differenzen mit der Gemeindeleiterin Monika Schmid voraus. «Es war ein Entscheid zum Wohle der Pfarrei und der Gemeinde.» Er würde unter diesen Umständen heute gleich handeln. Ueli Müller. Urs Weiss.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch