Zum Hauptinhalt springen

«Klassisches Spiessbürgertum»

Fussball-WM Wir leben Deutschland, TA vom 7. Juli (und weitere Berichte) Null Prozent Akzeptanz. Die Wahrnehmung der «Tages-Anzeiger»-Redaktion, in Zürich herrsche eine neue Liebe gegenüber den deutschen Fussballern, halte ich für ziemlich subjektiv. Eine spontane, nicht repräsentative Umfrage beim nichtdeutschen Teil meiner Arbeitskollegen hat ergeben, dass die Zustimmung für die Fussballer unserer nördlichen Nachbarn bei exakt null Prozent liegt. Daran konnte leider auch die neudeutsche und durchaus respektierte Spielkunst nichts ändern. Der wirklich fussballaffine Zeitgenosse hat in der Geschichte schlicht und einfach zu viel und auch noch über Mass mit Titeln belohnten deutschen Durchschnittsfussball über sich ergehen lassen müssen, als dass dieser sich nun plötzlich wankelmütig den Deutschen um den Hals werfen möchte. Simon Moser, Egg Das ist nicht «typisch deutsch». Ihr Bericht «Deutschland feiert seine Super-Ausländer» in Ehren. Es mag sein, dass jeder fünfte Deutsche fremdenfeindlich ist. Dies ist traurig, und die betreffenden Deutschen sollten sich dafür schämen. Aber wie, bitteschön, verhalten sich denn die angeblich neutralen Schweizer? Wir leben seit zehn Jahren integriert und glücklich in der Schweiz. Unsere drei Kinder – eines davon ist in Zürich geboren – lernten hier sprechen, übrigens auch bestes Züritüütsch. Als wir im Mai dem European Song Contest entgegenfieberten, wurden wir belächelt, und zu Beginn der Fussball-WM bekamen wir Deutsche die Fremdenfeindlichkeit wieder besonders stark zu spüren. Als ich mich über das tolle Fussballspiel Deutschland gegen England freute, wurde mir sogar Überheblichkeit vorgeworfen! Hallo?! Und jetzt auf einmal freuen sich die Schweizer über die gute Leistung der deutschen Fussballer, und die Stimmung gegen die «bösen Deutschen» scheint zu kippen.Soll ich den Schweizern jetzt vielleicht Wankelmütigkeit vorwerfen? Nein, ich freue mich über die neu gewonnene Offenheit! Das «klassische Spiessbürgertum» ist nicht typisch deutsch: Es existiert genauso in der Schweiz, und es existiert in der Regel bei weniger gut gebildeten Menschen, egal welcher Nation. Der Ursprung für diese Fremdenfeindlichkeit ist Angst: Angst vor Neuem und zu vielen Fremden. Deshalb tue ich mich mit dem Artikel über die Integration in Deutschland schwer und denke mir: Wer selbst einen Stein in der Hand hält, sollte nicht auf andere werfen. Regine Sauer, Rüschlikon Bildlegende. Foto: Vorname Name, Agentur

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch