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Kinderträume zum Leben erweckt

Susi Hörner aus Uster ist Herrin über mehr als 60 Puppenstuben. Sie sammelt diese aber nicht nur, sie repariert die kleinen Spielzeuge auch.

Von Beatrice Zogg Uster – In der Parfümerie legen die beiden Verkäuferinnen kostbare Düfte in Flakons auf die Verkaufstheke. Nebenan in der Metzgerei liegen Schinken und Mortadella in der Auslage, in der Käserei werden ganze Laibe zum Kauf angeboten. In der Kinderkrippe um die Ecke wickeln zwei Betreuerinnen die Babys. Momentaufnahmen aus dem Leben – einem Leben im Miniaturformat, das für den Betrachtenden stillsteht. Es sind nachgestellte Szenen in Puppenhäusern, die täuschend echt wirken. Über 60 Exemplare besitzt die Ustermerin Susi Hörner. Fein säuberlich hat sie ihre gesammelten Schätze in zwei Zimmern ihrer 4-Zimmer-Wohnung aufgereiht. «Die Leidenschaft zum Sammeln hatte ich schon immer», sagt sie. Zuerst sammelte sie Katzenfiguren. Dann kam die Liebe zu Puppenstuben, antiken Spielkochherden und Teddybären dazu. Neben den 60 Puppenstuben gehören zu ihrer Sammlung auch 200 Teddybären und etwa 100 Kochherde im Kleinformat. «Ich bin gelernte Kindergärtnerin, daher kommt vielleicht die Liebe zu antiken Kinderspielsachen.» Heute arbeitet die Ustermerin mit Migranten im Workcenter in Wallisellen – einem Angebot der Asylorganisation Zürich. Selten mehr als 100 Franken Ihr Sammlerherz schlägt für alle Gegenstände gleich. «Die Sachen müssen keinen Wert haben, sie müssen mich einfach ansprechen», sagt sie. So ist es ihr egal, ob der Teddybär möglicherweise von Steiff kommt oder kein Markenfabrikat ist. Nur für ganz besondere antike Puppenstuben gibt sie ausnahmsweise mehr als 100 Franken aus. Diese stammen teilweise aus der Zeit um 1900. Ihre Teddybären, Puppenstuben oder Kochherde findet sie auf Onlinemarktbörsen, in Brockenhäusern oder dank Tipps aus dem Bekanntenkreis. Auf Internetforen tauscht sie sich mit Gleichgesinnten aus. «Aus Deutschland beziehe ich von einer Sammlerkollegin Muster von alten Tapeten. Diese brauche ich, um die Wände der Puppenstuben zu tapezieren», sagt sie. Einen Ehrenplatz in ihrer Sammlung hat ihr Teddybär Mutzli aus Kinderzeiten. Er ist der Einzige, der auch einen Namen hat. Hörner sammelt aber nicht nur, sie ergänzt und repariert ihre erworbenen Schätze auch. Ihre Detailtreue und Präzision sind erstaunlich. Sie modelliert mit Bastelartikeln Alltagsgegenstände im Millimeterformat nach: Mini-Bostitche ebenso wie Geschenkbändel für eine Papeterie-Puppenstube. Auch ein Messie-Zimmer Aber nicht nur die heile Welt wird bei Hörner abgebildet. Eine Puppenstube zeigt ein Messie-Zimmer. «Hier muss ich noch ein Bettlaken anfertigen», erklärt die Sammlerin. Damit es den gewünschten Schmuddelcharakter erhält, will sie es auch noch durch Kaffee ziehen. «An einer Puppenstube arbeite ich schnell einmal 90 Stunden oder mehr», sagt sie. Auf dem Küchentisch liegt der «jüngste Patient». Ein wohl einst heftig geliebter Teddybär, der ganz zerfetzte Tatzen hat. Hörner zeichnet die Füsse mithilfe von Schablonen aus Filzstoff nach, näht sie dem Teddy an. «Zuvor habe ich ihn gewaschen», sagt sie. Arg zerbeulte Genossen würde sie zuerst in die Tiefkühltruhe legen – «damit wird jegliches unerwünschte Innenleben abgetötet». Da der Platz in ihrer Wohnung in Uster für all ihre Sammlerstücke mittlerweile knapp ist, trennt sich Hörner ab und zu auch von einem ihrer Schätze, verschenkt oder verkauft sie. «Es wäre schön, wenn ich in Uster oder der näheren Umgebung einen Raum zur Verfügung hätte, um die Sachen öffentlich präsentieren zu können. Dafür bräuchte ich aber einen Sponsor», sagt sie mit einem Augenzwinkern. Freuen würde sich die Sammlerin aber auch über Gleichgesinnte, mit denen sie ihre Sammelleidenschaft von Teddybären, Puppenstuben und Kochherden teilen könnte. An einer Puppenstube arbeitet Susi Hörner schnell einmal über 90 Stunden. Foto: Doris Hauser

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