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Keine sichtbare Ursache für einen Streit

Ein Wintergarten ist kein Luxusobjekt. So hat das Obergericht entschieden und beendet damit einen jahrelangen Krach zwischen Stockwerkeigentümern in Regensdorf.

Von Sandra Zrinski Regensdorf – Die beiden Wintergärten auf dem Dach des zehngeschossigen Hauses sind vom Eingang her und auch aus der näheren Umgebung nicht sichtbar. Dennoch waren sie der Grund für einen jahrelangen Rechtsstreit unter Regensdorfer Stockwerkeigentümern. Sechs der über dreissig Eigentümer klagten gegen die beiden Besitzer der Verglasungen. Die Dachbewohner werden den Herbst nun aber in ihrem Wintergarten geniessen können, denn das Obergericht hat entschieden: Alle Voraussetzungen für die bauliche Veränderung waren vorhanden. Sie müssen nicht rückgängig gemacht werden, wie dies die Kläger forderten. Ob sich die verfeindeten Parteien im Treppenhaus wieder grüssen werden – was sie nicht mehr machten –, ist hingegen offen. Tropfen auf den heissen Stein Ins Rollen gebracht wurde der Nachbarschaftsstreit durch einen Wasserschaden, wobei es schon früher zu Streitigkeiten gekommen war. Durch eine undichte Stelle lief von der Dachterrasse Wasser in die darunter liegende Wohnung. Eine Sanierung, bei der die Wintergärten abmontiert wurden, war unabwendbar. Dadurch erfuhren die späteren Kläger überhaupt erst, dass die Wohnungsbesitzer zuoberst windgeschützt auf ihrer Terrasse sitzen konnten. Weder gab es dafür eine Baubewilligung noch eine Zustimmung der anderen Stockwerkeigentümer. Die Gemeinde Regensdorf erteilte auf ein Baugesuch hin grünes Licht. Und auch eine Mehrheit der Stockwerkeigentümer segnete die Wintergärten nach der erfolgten Baubewilligung ab. Nur stellte sich einer der späteren Kläger auf den Standpunkt: Es braucht nicht nur eine einfache Mehrheit. Es braucht Einstimmigkeit. Vor Gericht konnte schliesslich ein Vergleich erzielt werden. Darin wurde festgehalten, dass vor dem Wiedereinbau der Verglasung ein Beschluss der Stockwerkeigentümerschaft einzuholen sei; «mit Stimmenmehrheit der abstimmenden anwesenden Stockwerkeigentümer». Die Verglasung wurde neu montiert – und damit Stoff für weitere Gerichtsverhandlungen geliefert. Der erste Kläger tat sich mit weiteren Parteien zusammen, und wieder drehte sich alles um wenige Quadratmeter Glas. Vor dem Bezirksgericht Dielsdorf wurde vor gut zwei Jahren darüber verhandelt, ob es sich bei den Wintergärten um eine notwendige, nützliche oder luxuriöse Veränderung handelt. Diese Unterscheidung macht das Gesetz. Während bei luxuriösen Massnahmen in einem Haus mit Stockwerkeigentum alle Besitzer zustimmen müssen, bedarf es bei nützlichen nur einer Mehrheit. Die Kläger betrachteten die Verglasung als Luxus, was eine höhere Hürde für die Beklagten darstellte. Neuerungen erhalten Wert Das Obergericht hat nun aber den Entscheid des Dielsdorfer Bezirksgerichts bestätigt. Wintergärten seien aus heutiger Sicht kein Luxus. Vielmehr bezweckten sie eine Wertsteigerung und eine Verbesserung der Gebrauchsfähigkeit. Lediglich von einer Verschönerung, wovon bei luxuriösen Umbauten ausgegangen wird, könne nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Diese Art der Modernisierung verhindere eine Überalterung von Gebäuden und damit die Stagnation des Wertes. Mit der Zeit gehen Das Obergericht hat einen Entscheid des Bundesgerichts zitiert. Dieses hat bei einem Hotel, in welchem sich auch Wohnungen befinden, entschieden, dass der Umbau einer bestehenden Tennishalle in eine Wellnessanlage als notwendig zu betrachten sei. Beim derzeitigen Boom im Wellnessbereich sei ein Hotel ohne eine solche Anlage langfristig nicht mehr konkurrenzfähig. So hatten die sechs Kläger über 15 000 Franken für Gerichtsgebühren und Entschädigungen zu berappen. Und die Wintergärten, die sie nicht sehen, bleiben, wo sie sind. Wohnungsbesitzer stritten um bauliche Veränderungen. Foto: David Baer

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