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Kantonale Fehlplanung gefährdet Blochers Millionenprojekt

Der Kanton muss seine Pläne für den Umbau der Klosterinsel zur Musikinsel erneut anpassen.

Von René Donzé Zürich/Rheinau – Zürich tut sich schwer mit seiner Insel am nördlichsten Zipfel des Kantons. Seit Jahren wird um eine Nutzung der ehemaligen Klosteranlage gerungen, die leer steht, seit die psychiatrische Klinik ausgezogen ist. Verschiedene Ideen verliefen im Sand, bis SVP-Doyen Christoph Blocher 2009 die Stiftung Musikinsel Rheinau gründete und mit 20 Millionen Franken dotierte. Ihr Ziel: ein Zentrum für Musiker mit Proberäumen, Konzertsaal, Unterkunft und Gastronomie. Bauen soll der Kanton, die Stiftung will das Defizit des Betriebes übernehmen. Als Geschäftsführer hat Blocher den ehemaligen Direktor von Avenir Suisse, Thomas Held, verpflichtet, der bereits das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) aufgebaut hat. Bedarf halbiert Nun verzögern sich die Pläne, weil der Kanton mit zu grosser Kelle angerichtet hat. Am Projekt Beteiligte sprechen gegenüber dem TA von Fehlplanung. Nicht Blochers Musikzentrum an sich ist das Problem, sondern weitere geplante Nutzungen, die nun nicht oder nur in abgespeckter Form realisiert werden können. So wollte die Hauswirtschaftsschule ursprünglich rund 60 Schüler auf der Insel unterrichten, nun sind es bloss noch 30. «Wir haben unseren Bedarf halbiert», bestätigt Marc Kummer, Chef des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes. Grund sind die Sparmassnahmen San10 der Regierung. Ganz gestorben sind die Pläne der Landwirtschaftlichen Schule Strickhof, die mit der Stiftung Fintan auf der Insel eine Schule für biodynamischen Landbau plante, wie Baudirektionssprecher Thomas Maag bestätigt. Umstritten ist, ob die Berufswahlschule Bülach ihr Brückenangebot auf der Insel anbietet. Bau- und Bildungsdirektion gehen zwar davon aus, doch Martin Ott von der beteiligten Stiftung Fintan will diese auf seinem Hof ansiedeln: «Wir können nicht ewig auf den Kanton warten.» Mit Unsicherheiten behaftet ist zudem das Restaurant. Es sollte neben Schülern und Musikern auch Besuchern offenstehen. Gastrofachleute raten davon ab, weil die Frequenzen an diesem Ort gering sind. «Die Gefahr eines Scherbenhaufens ist gross», sagt ein Kenner. Maag bestätigt, dass sämtliche Varianten geprüft werden. Dazu gehört auch eine einfache Kantine mit Catering-Service. Noch nicht im Trockenen ist das Museum, für das der Kanton einen Betreiber sucht. Weil die möglichen Nutzungen schwinden, wird es immer unwahrscheinlicher, dass der umstrittene Neubau am Eingang zur Insel überhaupt realisiert wird. «Alle Beteiligten rechnen schon lange nicht mehr damit», sagt ein Insider. Die Baudirektion bestätigt bloss, dass «aus zeitlichen Gründen eine bauliche Etappierung» vorgesehen sei. Ein Verzicht sei eine mögliche Variante, sagt Maag auf Nachfrage. Dafür spricht auch die heftige Opposition der Gemeinde Rheinau, die einen separaten Gestaltungsplan vor die Gemeindeversammlung bringen will. Held befürchtet Probleme Thomas Held beobachtet die jüngsten Entwicklungen mit gemischten Gefühlen. Sie würden zwar nicht direkt das Musikzentrum betreffen, sagt er dem TA, «doch verändert sich der Charakter des ganzen Projekts». Es brauche dringend andere starke Nutzer auf der Insel, sagt er. Ansonsten könnte das Projekt auf politische Schwierigkeiten stossen, befürchtet er. Was er nicht ausspricht, aber meint: Allein für Blochers Musikzentrum wird der Kantonsrat kaum einen 45-Millionen-Kredit gutheissen. «Sollte sich der Umbau auf unbestimmte Zeit verzögern, dann müsse die Stiftung wahrscheinlich nochmals grundsätzlich über die Bücher gehen», sagt Held. Bleibt die Frage, weshalb die Baudirektion einen internationalen Projektwettbewerb ausschrieb, bevor die Nutzungen im Detail klar waren. Laut Maag waren diese damals geklärt, bloss hätten sie sich seit der Ausschreibung wieder verändert. «Das ist bei solch grossen Projekten normal», sagt er mit Verweis auf das Polizei- und Justizzentrum (PJZ). Dieses ist bekanntlich vom Kantonsrat versenkt worden. Im Mai will die Baudirektion über die geänderten Pläne für die Insel informieren. Dann steht laut Maag auch fest, ob die geplante Eröffnung im Juni 2013 noch realistisch ist. Die meisten Gebäude auf der Insel im Rhein stehen seit Jahren leer.Foto: Keystone

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