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Kanton und Stadt am Pranger

Verkehrsplaner Paul Stopper fordert vom Bund einen Planungsstopp für private Bauten im Industriegebiet Schöneich in Wetzikon. Denn der Richtplan werde ad absurdum geführt.

Von Walter Sturzenegger Wetzikon – SBB und Kanton wollen den Güterverlad für das Oberland im Hinwiler Industriegebiet Wässeri zentralisieren (TA vom 17. 2.). Im neuen kantonalen Richtplan, der derzeit aufliegt, ist deshalb nur noch der Standort Hinwil eingetragen. Im heute noch gültigen Richtplan wird für dieses Vorhaben jedoch das Industriegebiet Schöneich in Wetzikon favorisiert. Die SBB haben ihr Interesse an diesem Standort aber offensichtlich verloren: Sie verkaufen seit 2002 Grundstücke, die sie einst speziell für die Güteranlage erworben haben. Das Bedürfnis, in der Schöneich zu bauen, ist gestiegen. So erstellte die Agensa Familia bis Ende Jahr an der Grundstrasse 5 ein Viersternehotel mit 94 Zimmern. In einem weiteren Gebäude sollen später Seminarräume, Wellnessbereich, Fitnessanlage und ein Restaurant mit 300 Plätzen entstehen. Eine verhängnisvolle Entwicklung, findet der Ustermer Verkehrsplaner Paul Stopper. Er befürchtet, die Schöneich werde systematisch und zweckentfremdet überbaut. «Die Neubauten könnten verhindern, dass das Güterumschlagszentrum gebaut werden kann.» Stadt und Kanton kämen ihrem Planungsauftrag nicht nach, kritisiert er. Damit werde der Richtplan ad absurdum geführt. Der Bund soll eingreifen Stopper hat das Bundesamt für Raumentwicklung aufgefordert, einzugreifen, und planungsrechtliche Massnahmen beantragt. Er verlangt einen Planungsstopp für alle privaten Anlagen und Bauten in der Schöneich, die der Verwirklichung des Güterumschlagszentrums zuwiderlaufen. Der Kanton, die Gemeinde Wetzikon und die SBB seien anzuweisen, die Inhalte der Richtplanung anzuerkennen und danach zu handeln. Solange keine konkreten Pläne für eine entsprechende Anlage in der Wässeri in Hinwil bestünden, müsse der Standort Schöneich gesichert werden. Das Bundesamt für Raumentwicklung hat bereits eine Antwort formuliert, aber noch nicht abgeschickt. Zu welchen Schlüssen es kam, sagt Mediensprecher Lukas Kistler nicht. Im Übrigen führe das Amt derzeit eine ergänzende Vorprüfung des überarbeiteten kantonalen Richtplanes durch. «In diesem Zusammenhang werden auch die Einträge für den Güterumschlag geprüft.» Massnahmen des Bundes haben der Kanton und die Stadt Wetzikon wohl nicht zu befürchten. Die Bautätigkeit in der Schöneich störe ein allfälliges Güterumschlagszentrum nicht, sagt Bernard Capeder, bei der Richt- und Nutzungsplanung im kantonalen Amt für Raumentwicklung für die Region Oberland zuständig. Geleise und Gebäude kämen an den Rand des Siedlungsgebietes in eine Reservezone zu liegen. Diese wird von der Bahnlinie, der Gruben- und der Schwändistrasse begrenzt. Reservezonen sind keine Bauzonen. Das Gebiet kann folglich nicht überbaut werden. Bauordnung eingehalten Auch die Verantwortlichen der Stadt Wetzikon können die Vorwürfe Stoppers nicht nachvollziehen. Der Hotelbau an der Grubenstrasse liege in einer Bauzone und entspreche der Bauordnung, also habe er auch bewilligt werden können, sagt Gemeindeschreiber Marcel Peter. Für die Baubewilligungsbehörde sei die Bau- und Zonenordnung aus dem Jahr 1998 massgebend, die auf dem kantonalen Richtplan basiere, vom Regierungsrat abgesegnet sei und unverändert gelte. «Von einem Verstoss gegen den behördenverbindlichen Richtplan kann keine Rede sein», sagt Peter. Blick auf das Gebiet östlich der Schöneichstrasse, das im heute gültigen kantonalen Richtplan für das Oberländer Güterverladezentrum reserviert ist.Foto: Imre Mesterhazy

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