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Jede Fahrt ein Abenteuer

Monika Hofstetter chauffiert geistig behinderte Kinder. Die Köchin möchte nichts anderes mehr machen.

Die Heilpädagogische Schule Bezirk Bülach (HPS) in Winkel besteht aus einer Tagesschule und einer Werkstufe. Die Tagesschule betreut geistig behinderte Kinder ab vier Jahren bis zum Oberstufenalter. Sie bietet 56 Plätze. Die Werkstufe – bestehend aus 16 Plätzen – fördert Jugendliche ab 15 Jahren auf dem Weg zu grösstmöglicher Selbständigkeit und bildet den Übergang zwischen Schule und Berufsleben.(sis) Von Sibille Schärer Geschickt lenkt Monika Hofstetter den Kleinbus die kurvige Winklerstrasse zwischen Embrach und Winkel hinauf. Im Passagierraum singt die 9-jährige Shania vor sich hin, der 12-jährige Andres erzählt, dass seine Nase wie diejenige Pinocchios wachse, und die 13-jährige Danijela ruft immer wieder: «Monika, Monika!» Die 38-jährige Chauffeuse fährt rechts ran, denn Danijela kann ihr Spielzeug-Mobiltelefon nicht mehr finden. Bevor Monika Hofstetter ihr helfen kann, hat der 15-jährige Mischa das Telefon vom Boden aufgehoben und der Besitzerin zurückgegeben. Hofstetter steigt zurück in die Fahrerkabine – und weiter gehts: Ziel der Fahrt ist die Heilpädagogische Schule (HPS) in Winkel. Monika Hofstetter ist eine von sechs Fahrerinnen und Fahrern, die jeden Morgen geistig behinderte Kinder aus dem ganzen Bezirk Bülach zur HPS fahren und sie am Nachmittag wieder abholen. Seit bald sechs Jahren arbeitet sie für das Personentransportunternehmen Eric Pfister aus Bassersdorf, das für die Fahrten verantwortlich ist. «Frösche» ins Herz geschlossen Kein Tag ist gleich wie der andere, weil die Kinder immer wieder für Überraschungen sorgen», schwärmt die Nürensdorferin, die ihren Job für kein Geld der Welt hergeben würde. Denn ihre «Frösche» – wie sie die Kinder nennt – hat sie fest ins Herz geschlossen. So fest, dass sie keine andere Route fahren möchte. «Wenn der Chef den Routenplan ändert, gibts regelmässig Diskussionen, weil alle Fahrer derart an ‹ihren Kindern› hängen», sagt Hofstetter. «Ihre Kinder» wohnen in Oberwil, Rorbas, Embrach und Bachenbülach. Wie jeden Morgen um 7.25 Uhr steigt als Erster Mischa in den Kleinbus. Der 15-Jährige spricht nicht viel, er ist Autist. «Und wenn, dann spricht er unerklärlicherweise nur Hochdeutsch», erzählt Hofstetter. Als Andres in Rorbas dazustösst, kommt jedoch Leben in den Bus. Der 13-Jährige mit Downsyndrom versetze sich immer wieder in verschiedene Figuren wie Cowboys oder Vogelscheuchen. Heute ist er Pinocchio. «Ich spiele immer mit», erklärt die gelernte Köchin und mahnt Andres: «Jetzt darfst du auf keinen Fall lügen, sonst bekommst du eine riesige Nase.» In Embrach steigen vier weitere Kinder zu, und im Bus gehts langsam rund. Monika Hofstetter freuts, denn sie mag, wenn etwas läuft: «Ich mache manchmal auch ‹Quatsch› mit ihnen.» Sie witzelt und lacht viel, geht aber immer auf die Bedürfnisse ihrer «Frösche» ein. Drückt die Blase eines Kindes, hält sie an und verschwindet rasch mit ihm hinter einem Baum. Immer wieder muss Hofstetter aber auch loslassen, Kinder ziehen lassen, weil sie gelernt haben, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule zu fahren. Aber auch dann, wenn jemand in eine Regelklasse wechselt oder eine Lehre beginnt. «Das ist jedes Mal hart, aber ich freue mich für die Kinder», sagt sie und schnallt den 8-jährigen Robin an, der in Bachenbülach zugestiegen ist. Mit Kindern noch lange Kontakt Mit vielen bleibe sie weiterhin in Kontakt, telefoniere mit ihnen oder schreibe eine Weihnachtskarte. Zu manchen Müttern habe sie ebenfalls einen guten Draht, denn einige Minuten blieben morgens und abends jeweils zum Plaudern. Hofstetter parkiert den Bus auf dem Platz vor der HPS. Sie hilft den Kindern aus dem Bus, hängt ihnen den Schulsack um: Jetzt sind ihre «Frösche» für den Schultag bereit. Monika Hofstetter wendet den Wagen, denn der nächste Transport steht bereits an. Sieben Kinder aus dem Bezirk Bülach fährt Monika Hofstetter jeden Tag zur Heilpädagogischen Schule in Winkel.Foto: PD

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