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Ingenieur verlangt Totalsanierung der Seestrasse

In einem Schreiben an die Baudirektion und drei Regierungsräte warnt der Meilemer Peter Bischofberger davor, dass die Hauptverkehrsader der Goldküste vergammle. Doch die Behörden winken ab.

Von Lorenzo Petrò Meilen – Wenn Peter Bischofberger auf der Seestrasse durch Obermeilen fährt, dann lauscht er jeweils gespannt. Und jedes Mal, wenn zwischen der Esso-Tankstelle und der Badi Ländeli die Stille einsetzt, lacht das Herz des ehemaligen Bauingenieurs. «Wie Weihnachten» sei es, über die vollständig erneuerten 900 Meter Seestrasse zu fahren. Kaum Vibrationen, ein Gefühl wie Schweben. Vielen Laien sei es vielleicht nicht bewusst, aber fast überall sonst sei die Seestrasse in miserablem Zustand. Dafür hat Bischofberger in den vergangenen Monaten Hunderte Belege gesammelt. Sein Dossier quillt über mit Fotos von rissigen Strassenbelägen, von Gras, das aus dem Asphalt wächst, und von Wasserlachen, die sich nach dem Regen bilden – nicht weil der Belag schlecht ist, sondern weil das Kiesbett im Untergrund absinkt. Es ist der Belastung von bis zu 20 000 Fahrzeugen pro Tag nicht mehr gewachsen, wie Bischofberger zu wissen glaubt. «Neugeburt» für 100 Millionen Der Ingenieur ist im Dorf für seine ganzseitigen Inserate im «Meilener Anzeiger» bekannt, mit denen er vor Abstimmungen jeweils warnend den Zeigefinger erhebt. Für seine jüngste Mission, die «Neugeburt der Seestrasse», braucht es aber mehr als ein Inserat im Lokalblatt, das war Bischofberger von Anfang an klar. «Wenn nicht bald etwas geschieht, laufen wir in ein teueres Problem hinein», ist er überzeugt. Etwa in Herrliberg, wo der Kanton trotz miserablen Strassenzustandes bloss eine Oberflächensanierung vorsehe (siehe Grafik). Einen Auszug aus seinem Dossier und einen dreiseitigen «Strassenzustandsbericht» sandte er deshalb vergangene Woche an die Baudirektion des Kantons Zürich, an die Regierungsräte Ursula Gut-Winterberger (FDP), Markus Kägi (SVP) und Ernst Stocker (SVP); zudem an die Vorsitzende der Gemeindepräsidentenkonferenz im Bezirk, die Zollikerin Katharina Kull-Benz (FDP). Bischofbergers Forderung: eine Totalsanierung der 18 Kilometer zwischen Zollikon und Stäfa nach dem Beispiel Obermeilens in den nächsten 15 Jahren. «Das muss managementmässig geschehen», sagt er. «Ein bisschen ‹schäffelen› hier und dort, das geht nicht mehr.» 1130 Meter Seestrasse und Werkleitungen müssten jährlich erneuert werden, hat er ausgerechnet. Allerdings seien die über zwei Jahre Bauzeit für den Obermeilemer Abschnitt viel zu lang gewesen. Ziel müsse eine möglichst kurze Bauzeit sein. Der Ingenieur schlägt vor, zwei bis drei Baustellen auf die gesamte Strecke zu verteilen und jede mit zwei Equipen auszustatten, die auch am Samstag arbeiten. 100 Millionen Franken soll das Ganze über die nächsten 15 Jahre kosten. Ein kleiner Betrag angesichts der 250 Millionen, die man im Bezirk jährlich in den Finanzausgleich zahle, so Bischofberger. Baudirektion hat andere Pläne Bei der Baudirektion kommen die Pläne des Rentners schlecht an. Nur gerade 36 Prozent der Seestrasse seien in einem schlechten Zustand, sagt Sprecher Thomas Maag. Die Erneuerung dieser Abschnitte erfolge bis im Jahr 2015. 64 Prozent seien in einem mittleren oder guten Zustand und würden bis 2025 erneuert.Überall gleich radikal vorzugehen, hält Maag für unsinnig. Wo und wie viel saniert werden müsse, hänge etwa von der Verkehrsbelastung, dem Untergrund, dem Zustand des Oberbaus ab. «Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.» Da die Seestrasse praktisch überall beidseits von bewohntem Gebiet gesäumt sei, gebe es viele Werkleitungen. Deren Erneuerung habe grossen Einfluss auf die Baustellenplanung. Zudem gelte es, möglichst alle Anspruchsgruppen zu berücksichtigen. «Die Verkehrsteilnehmer und die Gewerbetreibenden wollen, dass es möglichst schnell geht. Die Anwohner möchten am frühen Morgen und Abend keinen Baulärm. Und die Steuerzahler beharren mit Recht auf haushälterischem Umgang mit Steuergeldern.» Die grosse Herausforderung bestehe in den täglich bis zu 20 000 Fahrzeugen auf der Seestrasse sowie der Tatsache, dass dieser Verkehr nicht grossräumig umgeleitet werden könne. Dass sich Peter Bischofberger mit seiner Radikalkur bei den Automobilisten nicht nur Freunde macht, dessen ist er sich bewusst. «Aber da müssen wir jetzt durch», sagt er. Es sei ein Hohn, von der «Goldküste» zu sprechen und gleichzeitig deren Hauptverkehrsader vergammeln zu lassen. Kaputte Abschnitte wie hier in Herrliberg sollte man laut Peter Bischofberger nicht nur oberflächlich flicken. Foto: Michael Trost

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