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In Streulis Weingarten wachsen 2000 Flaschen

Mit Weinbau hatte Landwirt Ruedi Streuli lange nichts am Hut. Jetzt produziert er den besten Sauvignon blanc in Horgen.

Aus der Region für die Region (4) Bauer Ruedi Streuli, Horgen Von Nicola Brusa Horgen – Irgendwann hielt Ruedi Streuli diese historische Karte in der Hand. Ihm fiel sofort auf: Im Längeberg bauten sie einst Wein an. Bis Ende des 19. Jahrhunderts stand ganz oben auf seinem Land, auf einem Hügel mit einer Idee Südlage, ein Rebberg. «Mit ziemlicher Sicherheit irgendein Weisser», sagt der Landwirt, am linken Ufer wurde fast ausschliesslich Weisswein gekeltert. Von diesem Moment an liess Streuli die Idee, einen eigenen Wein anzubauen, nicht mehr los. Er las sich in die Materie ein, besprach sich mit einem Kollegen in der damals noch existierenden Wädenswiler Obst- und Weinbaugenossenschaft (OWG) und fasste einen Entschluss. 2001 pflanzte Ruedi Streuli 26 Reihen Reben der Sorte Sauvignon blanc. Er selber spricht nicht von Rebberg – 50 Aaren, was ist das schon? –, eher einen Weingarten habe er da. Und doch verbringt Streuli jede freie Minute in den Reben, mäht das Gras zwischen den Reihen, schneidet die Pflanzen zurück, dünnt sie aus, bis im Herbst die Beeren beinahe nackt an den Stöcken hängen. Warmer Wein Der Hof am Längeberg ist ein verwunschenes Paradies. Den toten Kirschbaum fällt Streuli nicht, die Wiesen lässt er an einigen Stellen kniehoch stehen, neben den Reben wuchern die Brombeeren wild, in einer Voliere schreien die Papageien. Um das Haus des Landwirts ranken sich Efeu und Clematis, einige Fenster sind hinter dem dichten Blätterwerk nur zu erahnen. Die Frage, wieso Ruedi Streuli seinen Weissen – er bewirbt ihn mit Fug und Recht als besten Horgner Sauvignon blanc, schliesslich ist es der Einzige – «Villa Efeu» taufte, erübrigt sich. Ende Juni war gerade der 2009er «Villa Efeu» bei der Orcava, die aus Streulis Trauben Wein macht, in der Abfüllung. «Mal sehen, was daraus wird», meint er und zeigt erwartungsfroh auf die Durchschläge der Lieferscheine. 103 bis 110 Öchslegrad hatten sie bei der Orcava auf dem Hirzel gemessen, als Streuli sein Lesegut ablieferte, was gewaltig viel war. Schuld war ein Hagelsturm im Sommer: minus eine Tonne Ertrag, weniger Früchte, aber eben auch ein kaum für möglich gehaltener Zuckergehalt. Es ist der sechste Jahrgang «Villa Efeu», und der sollte der Bestrebung Streulis einen weiteren Schritt näherkommen, einen Wein zu produzieren, den alle mögen. Die 1000 Flaschen – die andere Hälfte des Ertrags geht an die Pächter – wolle er schliesslich nicht alle selber trinken, sondern verkaufen. Er mag die Frische des Weins, die selbst dann vorhanden ist, wenn er mit Raumtemperatur getrunken wird. Denn Ruedi Streuli kühlt keinen Wein im Kühlschrank, würde er nie machen. Elisabeth und Ruedi Streuli mit ihrem Horgner Sauvignon blanc. Foto: Sabine Rock

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